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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Scharlachbeeren

steht bloß die Halsentzündung u. der Ansschlag ansder äußeren Haut sehlt (^nx-ina searlatinosa 8insexantlwmatö) oder die ganze Erkrankung bietet denCharakter eines schweren typhösen Fiebers (typhö-ser S.) od. endlich die bei jeder S-Erkranknng vor-handene Nierenerkranknng bildet sich zu wirklichemLI. LriZIrtii ans. der Kranke wird wassersüchtig u.ist inGefahr, anVergistnng von anfgcsogenen Harn-bcstandtheilen (Urämie, s. d.) zu sterben. Ja dieGc-fahr einer S-Erkranknng kann noch gesteigert wer-den durch Complication init Lnngen-, Herzbeutel«,Brnstsellentzündnng n.a. Krankheiten. Wegen dieservielfachen gefahrdrohenden Eventualitäten hat dasS. mit Recht den Ruf einer bedenklichen Krankheiterhalten und verdient diesen Nus um so mehr, alsviele der gefahrdrohenden Zustände häufig nicht soohne Weiteres zu Tage treten. Man hat das S.deshalb auch vielfach eine heimtückische Krankheitgenannt, gegenüber den Masern, Pocken, die in ge-wissermaßen ausrichtiger Weise ihre Gefahren leichterkennen lassen. Es folgt hieraus, daß die Behand-lung eines jeden S-Kranken mit großer Aufmerk-samkeit zu geschehen hat n. man keinen S-Krankenaus demBctte lassen sollte, bevor nicht die Abschupp-ung völlig vollendet ist. DieBehandlung desS-smuß wegen der höheren Fiebergrade eine kühlendesein. Der Kranke liege in einer kühlen, fleißig zuventilirenden Stube, nur mäßig im Bette zngedeckt.Gegen den Durst gebe man Limonade vonCitronen,Zucker u. Wasser od. Selterswasser oder in Eis ge-kühltes gewöhnliches Brunnenwasser. Als Speisesind nur leichte Suppen zu gewähren. Für offenenLeib werde ev. durch etwas Wiener Tränkchen ge-sorgt. Bei diesem Verhalten geht eine einfache Er-krankung nach ca. 34 Wochen in Genesung über,namentlich hat man nicht nöthig, durch besondereMittel lSpeckeinreibungen, schweißtreibende Thee-sorten) den Ausschlag heraus zu treiben. Erst wennstarke Fiebergrade eintreten, sind stärker wirkendewärmeentziehcnde (kühle Bäder, hydropathische Ein-wicklungen, kälte Begießungen rc.), bei Entwicklungwirklicher Rachenbränne, bei S-Wassersncht mit N.LriFirtii u. anderen Complicationen die hiergegengeeigneten energischerenMittel inAnwendung zu zie-hen. Das sogen. Zurücktreten des S-s, welches vomPublikum so sehr gefürchtet wird, ist eine falsch er-klärte Thatsache, indem der schon vorhandene Haut-ausschlag öfters zwar plötzlich verschwindet, wennsich eine sogen. Complication, eine innere Entzünd-ung entwickelt, doch ist diese innere Entzündung dieUrsache, nicht die Folge des Zurücktretens desHantausschlags. Kunze.

Scharlachbeeren, so v. w. Kermesbceren.

Scharlachberger, s. u. Bingen.

Scharlachkörner, so v.w. Kermesbeeren.

Scharlachlaus, so v. w. Cochenille.

Scharlachmoos (Cochenilleflechte), s. Llaäonia.

Scharlei, Galmeigrube, s. u. Piekär.

Scharmbeck (Osterholz-S.), Flecken mit Stadt-rechten im Kreise Osterholz der preuß. LanddrosteiStade, 1 lcm westlich von der Station Osterholz-S.der Hannoverschen Staatseisenbahnen; 4 Cigarren-fabriken, 2 Wollenspinnereien, 2 Wattenfabriken, 1Eisengießerei,iReisstärkefabrik,Tuchmacherei; 1875:2145 Ew. (Osterholz 1414 Ew.) S. ist Geburtsortdes Augenarztes Ruete.

Scharnhorst.

Scharmützel (ital. 8oa.rg.mnoeia, ans dem alt-hochd. 8>csrman, fechten), ein kleines, nur kurze Zeitdauerndes Gefecht.

Scharnhorst,1) Gebhard David von, preu-ßischer General, geb. 12. Nov. 1755 zu Bordenauin Hannover; sein Vater, ehemals Quartiermeistcr,kam durch einen Proceß in den Besitz des Ritter-gutesBoderow, u.S., bisher für dieLandwirthschafterzogen, wurde nun 1772 in die Kriegsschule zuWilhelmsteinaufgenommen; 1776 trat er als Fähn-rich in das hannöversche Dragonerregimcnt Estorf,ward 1782 Artillerielieutenant und 1782 Lehrer ander nach seinem Plan errichteten Kriegsschule zuHannover; 1792 ward er Stabshanptmann undmachte seit 1793 als Chef einer reitenden Batterieden Krieg gegen Frankreich mit, leistete 1794 alsGeneralstabsoffizier des Generals Hammerstein beiVertheidigung von Menin die wesentlichsten Diensteu. rückte znm Major n. 1796 znin Oberstlientenantvor. Durch den Herzog von Brannschweig kam er1801 in preußische Dienste u. zwar als Director andieAkademie für junge Offiziere, bat aber schonl803wegen der Anfeindungen von Seiten, der Anhängerder altenSchule umVersetzung, wurde 1803 Onar-tiermeisterlientenant beim Generalstab, 1804 Oberstu. nobilitirt. 1806 zog er als Generalstabschef desHerzogs von Braunschweig ins Feld, machte dieSchlacht bei Auerstädt mit, in der er verwundetwurde, schloß sich ans dem Rückzüge dem Blücher-schen Corps an, ward mit Blücher bei Lüheck gefan-gen, aber bald wieder ausgewechselt und machte alsGeneralqnartiermeister des Lestocqschen Corps dieSchlacht bei Eylau mit. Nach dem Tilsiter Friedenzum Generalmajor u. Generaladjutanten des Königsbefördert, ward er Vorsitzender der Militärreorga-nisations-Commission u. Director des allgemeinenKriegsdepartements bis 1810 und seiner Thätigkeitund Umsicht ist die treffliche Einrichtung der preußi-schen Armee damals zuzuschreiben, vornehmlich truger durch das Krllmpersystem viel dazu bei eine mög-lichst große Anzahl Krieger unbemerkt in den Waffenzu üben u. bereitete so die Reserveregimenter u. dieLandwehr vor. Auch auf die bessere Ausbildung derOffiziere hatte er wesentliche» Einfluß u. brachte soeinen ganz neuen Geist in die Armee. Um den Fran-zosen keinen Anstoß zu geben, trat er osficiell 1810vom Kriegsdepartement zurück, leitete aber als Chefdes Gencralstabs derArmee u. des Jngenieurcorpsdie militärischen Angelegenheiten Preußens auchferner. 1812nach dem Bündniß Preußens mitFrank-reich, erhielt er statt des erbetenen Abschieds dieEr--nennnng zum Jnspectenr der schlesischen Festungen.Ihm war es zu danken, daß Jork den Befehl überdas preußische Hilfscorps erhielt, u. S. wurde nachUorks kühner Thal mit der Organisirung der Land-wehr u. der Verstärkung der Linie beauftragt. ImFrühjahr 1813 wurde er Generallieutenant u.Chefvom Generalstabe Blüchers. Bei Großgörschen 2.Mai erhielt er durch eine Kartätschenkngel am Fußeine Wunde, welche er, wegen einer diplomatischenReise nach Prag u. Wien, vernachlässigte u. woraner 28. Juni 1813 in Prag starb. Seine Leiche kamans Len Jnvalidenkirchhof in Berlin u. wurde überseinem Grabe ein von Tieck geschaffenes Denkmalerrichtet, 1822 durch König Friedrich Wilhelm Hl.eine Bildsäule von Ranch vor der Hauptwache. Von