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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Scharfschützen

niedere Angestellte der Strafjustiz, welchem der Voll-zug der Todesstrafen, insbesondere der Enthaupt-ung, übertragen ist, während ihm für die Vorbereit-ungen dazu die S-sknechte zur Verfügung stehen.Die für entehrend gehaltenen Todesstrafen dieTodesstrafe der Enthauptung galt für nicht enteh-rend vollzogen die Knechte unter Aufsicht des S-s,oder die Henker. Gewöhnlich ist das Amt des S»smit der Abdeckerei (Schinderei, Wasenmeisterei) ver-bunden, so daß cs sogar als ein ans dem für letzterebestimmten Gebäude ruhendes Erblchsn vorkommt(s. Abdecker). Weil das Amt des Abdeckers nach frü-heren deutfchrechtlichen Begriffen als ein unehren-haftes Gewerbe galt, erklärt sich die Ansicht, daß auchder S. eine anrüchige Person sei. während doch nach-weisbar dieses Amt die bürgerliche Ehre nie beein-trächtigt hat n. der S. daher im Bollgenusse seinerbürgerlichen Ehre verblieb, wenn er z. B. die Ab-deckerei nicht selbst betrieb, sondern nur durch seineSchinderknechte ausüben ließ. Die S. bildeten eineziemlich abgeschlossene Kaste, so daß das Amt desS-s im Falle der Erledigung meist nur an Kindervon S-n oder solche, welche als Freikncchte gedienthatten, kam. Der Lohn für eine Hinrichtung (S-lohn, Henkerslohn), ehedem zur Ungebühr erhöht,ist jetzt meist durch die Taxordnung festgesetzt. Lagai*

Scharfschützen, früher die mit gezogenen Büch-sen bewaffneten Mannschaften der Infanterie undtheilweise auch der Reiterei; vergl. Jäger.

Schari, bedeutendster Fluß vonFlachsudan (Cen-tralafrika), kommt aus noch unbekannten Quellenu. durchströmt in nordwestl. Richtung in zahlreichenArmen das Reich Bagirmi, trennt dann letzteresvon Bornu u. ergießt sich in weitem Delta in denTsadsee; bei Schawi in der Spitze des Deltas hater bei H km Breite durchschnittlich 5 in Tiefe beistarker Strömung.

8ekariat (8ollsrrt, vulg. Losisra'at), arab. dasgöttliche, geschriebene Gesetz, der mohammedanischeGesetz-Codex; dann auch das mohammedanis che Recht,Gesetz, Gesetzlichkeit.

Scharlach (ans dem pers. aakciMt, feines, meistrothes, morgenländ. Wollenzeug), hochroth, dasd emOrange Nächstliegende Roth.

Scharlach (Scharlachficber, Zoarlatina), einedurch Übertragung des eigenthümlichen S-Giftesentstehende acute fieberhafte u. sich durch scharlach-rothe Flecken auf der Haut charakterisirende Haut-krankheit. In wieweit das S. schon den Alten be-kannt war, ist nicht festzustellen. Die ersten gutenBeschreibungen stammen von Sennert ans Witten-berg (161S) u. Döring. Trotz dieserArbeiten wurdedas S. vielfach mit Masern u. anderen Hautkrank-heiten verwechselt u. erst Sydenham lehrte ihre Un-terscheidung. DasS. entsteht stets durch Ansteck-ung, durch Übertragung des specifischen S-Giftes,niemals ans gewissen Boden- od. Lnftverhältnissen.Dieser spccifische Anstecknngsstvff scheint in gasigerForm den Kranken zu umgeben und ist wol in deransgeathmetenLnft, im Schweiße u. Harne der Kran-ken enthalten. Er haftet an Kleidern u. Effecten u.kann dadurch von gesunden Mittelspersonen weithinverschleppt werden. Die Empfänglichkeit für das S-Gift ist lange nicht so allgemein, wie z. B. die fürMaserngift; es lebt eine ganzeMcngeMenschen, dietrotz vielfacher Gelegenheiten zu Ansteckung niemalsPiererS Uiiiverial-ConversationS-Lei'ikou. 6. Ausl. XI

Scharlach.

an S. erkranken. Die für das S-Gift Empfäng-lichen sind bes. die Kinder zwischen dem 2.4t Le-bensjahre, demnächst die bis zum 12. Jahre; imersten halbenLebcnsjahre ist S. sehr selten, überdas40. Lebensjahr hinaus kommt S. wol gar nicht vor.Eine einmalige Erkrankung an S. pflegt bis aus ein-zelne Ausnahmen die Empfänglichkeit für das ganzeLeben zu tilgen. Je nach der Zahl der für das S-Gift Empfänglichen an einem Orte kommt es nachEinschleppung des Krankheitsgiftcs zu einer mehrod. weniger umfänglichen Epidemie oder selbst nurzu Einzelerkranknngcn. Der sehr verschiedenartigeAnsgang der Erkrankungen an S. in den einzelnenEpidemien läßt daraus schließen, daß die Qualitätdes S-Giftes selbst eine sehr verschiedene sein muß;in der einen Epidemie verlaufen alle Fälle günstigund die S-Erkrankung ist eine sehr unbedeutende,während in einer anderen mehr wie die Hälfte derKranken sterben. Sobald eine Ansteckung durch dasS-Gift stattgefnnden hat, dauert es 1113 Tage,ehe sich die ersten Krankhcitserscheinungen zu zeigenpflegen. In dieser Zeit vermehrt sich das Krank-heitsgift im Körper (Brüte-, Jncnbationsstadinm).Es kommt nun das Vorlänferstadinm. Dasselbebeginnt mit einem Frostanfalle oder leichterem Frö-steln u. schnellem Ansteigen der Körpertemperaturausca.40°6., währendderPuls sich auf 120Schläg?in der Minute erhebt. Zugleich sind Kopfschmerz,allgemeines Unwohlsein u. Halsschmerzeu vorhandenund man sieht schon jetzt im weit geöffneten Mundeeine Röthung u. Schwellung der Rachenschleimhant,bisweilen selbst weiße käsige diphthcritische Fleckenauf den Mandeln u. Gaumenbogen. Nach 13 Ta-gen erfolgt der Ausbruch des Hautansschlags (Sta-dium des Ausbruchs) und zwar entstehen zuerst amHalse und am oberen Theile der Brust auf der ge-schwellten u. häufig fein puuctirteu Hautoberflächegrößere scharlachrothe Flecken, die schließlich zusam-menfließen. Vom Halse schreitet der Ausschlag aufGesicht, Bauch u. Extremitäten fort u. nach 24 Stun-den ist der Ansbruch in der Regel auf dem gan-zen Körper beendet. Während des Ausbrnchstadi-ums sind die Fiebererscheinungcu am stärksten, dieTemperatur nicht selten ans 4042° <s. gestiegen,der Durst enorm u. das Schlingen äußerst schmerz-Haft. Die Zunge hat jetzt meist ein rothgetüpfeltesAnsehen (Himbeerzunge). Der Hautausschlag steht34 Tage; dann säugt er an zu erblassen u. zwarzuerst an den Stellen, an denen er zuerst ausgetre-ten war, am Halse rc. Auch das Fieber läßt bedeu-tend nach. Nach der Erblassnug des Hantausfchlagsentwickelt sich eine Abschuppung der Haut (Stadiumder Abschuppung) die am Halse meist in der Abstoß-ung von kleieuförmigen Oberhautschüppcheu besteht,während an den Händen und Füßen eine wahre Ab-schälnng von großen häutigen Stücken stattfindet.Nach 123 Wochen ist dieAbschuppung am gan-zen Körper beendet u.derKranke nunmehr völlig ge-nesen. So.der normale Verlauf des S. In vielenFällen bietet derselbe jedoch mehrfache Abweichungen.Der Ausschlag kann in kleinen mitWasser od. Eiter,ja in einer bösen Form selbst mit Blut gefülltenBläschen bestehen. Oder es fehlt die Halsentzünd-ung (Loarlatäna ains anx-ina) od. dieselbe ist äußerstheftig, diphtheritischer Natur u. brandige stinkendeFetzen werden aus dem Rachen entleert, od. cs be-. Band. 48