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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
568
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gründete. Herzog Friedrich hielt 23. Nov. 1826in Altenburg seinen Einzug u. stellte v. Trützschler,Len bisherigen gothaischen Geheimerathspräsideutenin Altenburg, an die Spitze des Ministeriums. Be-reits war das Finanzwesen geordnet, eine Verbesser-ung der ständischen Verfassung in Anregung ge-bracht u. größere Öffentlichkeit bezüglich des Staats-haushalts anempsohlen, aber nicht rasch genug durch-gesührt worden, so daß die wachsende Ungeduld in-folge der Pariser Julirevolutiou n. dann der Unru-hen im Königreich S. auch hier zum Aufstande um-schlug. Der in der Residenzstadt 13. Sept. 1830ausgebrochene Ausstand ward durch die Bllrgerwehr14. Septbr. unterdrückt. Wenig Tage nach diesenVorgängen fiel 23. Sept. 1830 das 50jährige Ne-gierüngsjubilänm des Herzogs Friedrich, und seitdiesem Tage nahm der Erbprinz Joseph wesentlichenAntheil an den Regierungsgeschäften. Am 29. April1831 trat die neue Versassungsurkunde als Grund-gesetz für das Herzogthnm Altenburg ins Leben,nachdem 18. schon die Landescollegien neu organi-sirt waren. Dem Grundgesetz folgten eine neue Stadt-ordnnng, Trennung der Justiz von der Verwaltung,dann nach Berathuug mit dem ersten coustitutionellenLandtag (1832—35) Gesetze über Heimathsrecht u.Armenwesen, Militärpflicht, den Beitritt S.-Al-tenburgs zum Deutschen Handels- und Zollverein(1. Jan. 1834) rc. Am 29. Sept. 1834 st. HerzogFriedrich u. dessen ältester Sohn Joseph trat nundie Alleinregierung an.

Ans dem zweiten Landtage (Nov. 1836 bis April1837) wurden ein Ausruhrgesetz, ein Gesetz über denJnstanzenzug in Criminalsachen, über die nicht mehrgesetzlich uöthigen Geschlcchtsvormünder volljährigerFrauenspersonen, über die Ausbringung kirchlicherAnlagen, wozu auch die Kammer- und Rittergüterbeigezogen wurden, eine Eheordnung, ein Wegebau-gesetz, ein Gesetz über Ablösung der Frohnen undDienstbarkeiten berathen; das neue Stenerausschrei-ben pro 1837—40 ließ mehrere Steuersätze in Weg-fall kommen. Auch kam bereits der Eisenbahnbauvon Leipzig aus über Altenburg nach Hof und einExpropriationsgesetz zur Berathuug. Zur Regelungder seit 1830 zunehmenden Auswanderung wurdevon dem Landtag ein Gesetz über Rcgulirung derprivatrechtlichen Verhältnisse der Answandernden(1841) angenommen. Außerdem hatte sich d»r dritteLandtag (1840—42) zu beschäftigen mit dem Bud-get, mit dem neuen Münzweseu u. dessen Einführungnach der allgemeinen Mllnzconvention von 1838,mit dein neuen Criminalgesetzbuch des KönigreichsS., einem Gesetze über die Vollziehung der Todes-strafen rc.; zur Ausführung des Baues der Eisen-bahn u. zur Beförderung der inländischen Landwirth-schast wurden die nöthigen Mittel bewilligt. 1844nahm der Herzog von Altenburg für sich und seineFamilieuglieder das Prädicat Hoheit an. Der vierteLandtag(l844—45) beriethdieVorarbeitenzu einerGrundsteuer - und Hypothekeuregulirung, bezüglichderen Juni 1845 eine besondere Katastercommissionniedergesetzt wurde. 1846—47 hatte S.-A. viel un-ter dem damals herrschenden Nothstaude zu leiden.Am 25. März 1847 ging durch Vertrag mit demKönigreich S. die Sächsisch-Bayerische Eisenbahnan den sächsischen Staatsfiscus gegen allmählicheRückzahlung der von der altenburgischen Regierung

zugeschossenen Gelder u. unter vollständiger Wahr-ung ihrer Hoheits- und Jurisdictiousrechte über;ebenso die seit 1818 der Thnrn- n. Taxisschen Post- iadministration pachtweise überlasseneVerwaltung des «

Postregals vom 1. August 1847 an, an die königlich !sächsische Administration; endlich wurde unter dem I20. August ein Vertrag mit dem Königreich S. ab- !geschlossen wegen gegenseitiger Abtretung der Ge- krichtsbarkeit, welche bis dahin von beiden Staaten «ans dein Gebiete des anderen durch unmittelbare !!Beamte ausgeübt worden war. Die in Deutschland Iallgemeine Bewegung des Jahres 1848 zeigte in S.- ,

A. vom Anfang an einen gemäßigten Charakter. In Ieiner 8. März stattfindenden Bürgervcrsammlnng -in Altenburg wurde eine Adresse berathen, welche !,neben den allgemeinen deutschen Wünschen nur Ein- !schränkung der theuern Landesverwaltung u. zu die-sem Zwecke Verschmelzung des Domanialvermögensmit der Staatskasse verlangte; die städtischen Behör- !den erließen am nächsten Tage eine ähnliche Adresse.Beiden wurde vom Herzog Gewährung aller er-füllbaren Wünsche zugesagt n. deshalb auf die näch-stens zusammentretende StändeverAmmlung hinge-wiesen. Gegen einige Ruhestörungen in diesen Ta-gen schritt die sich rasch bildende Bürgerwehr ein, diebereits an der 20. März stattfindenden Vereidigungdes Militärs auf die Verfassung theilnahm. Am 21.bis 29. März tagten die bisherigen Landstände u.be-schäften sich vorzugsweise mit einem neuen Wahl-gesetze und einem Gesetze über Freiheit der Presse,

Das erstere kam im Sinne unbeschränktester Wahl-sreiheit zu Stande u. schrieb directen Wahlmodus.Aufhebung der seitherigen Ständevertretung ».Weg-fall jedes Wahlcensus vor. Jndeß wuchs im östlichenLandestheile die Aufregung, durch Clubs u. Volks- ,Versammlungen genährt, mit jedem Tage u. wardzunächst auf Beschleunigung der Wahlen u. Beruf-ung desLandtages hingearbeitet, während die äußerstePartei bereits die republikanische Staatssorm alsihr Ziel hinstellte und täglich an Anhang unter derMasse gewann. Unter diesen Umständen gaben diebisherigen Minister 24. Mai ihre Entlassung, wor-auf der Herzog von Planitz u. Jese zu Ministern er-nannte. Da die radikale Partei jetzt stürmisch dieEntfernung des inzwischen einbernsenen Militärsverlangte u. bereits einzelne Gcwaltthätigkeiten ver-suchte, so verfügte das Ministerium die Verhaftungder Volksfllhrer, welche am Morgen des 18. JuniausHesührt werden sollte. Da erhoben sich sofort un-ter Sturmgeläute Barrikaden in Altenburg, zudereuBesetzung fast die gestimmte Bürgerwehr u. der über-all aus dem Lande herbeiströmcnde Zuzug verwen-det wurde. Das vom Ministerium requirirte königl.sächsische Militär blieb vor der Stadt u. besetzte nurden Bahnhof als sächsisches Staatseigeuthum; dasaltenburger Militär war im herzoglichen Schlosse u.in dessen Nähe außerhalb der Stadt ausgestellt. In-dessen hatten einzelne Deputationen wiederholt beidein Herzog eine Vermittelung anzubahnen gesucht,infolge deren 19. das sächsische Militär alsbald zu-rückgezogen, Amnestie für alle bisherigen politische»Verbrechen ertheilt wurde u. dieErössnungdes Land-tages ohne Aufschub erfolgen sollte. Darauf wurdenbis zum 20. die Barrikaden entfernt und die Ruhekehrte äußerlich zurück. Cruciger, einer der Führerder republikanischen Partei, wurde Minister. Am