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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland (Gcsch.).

stärkt. Die unzweckmäßig befundenen Militärcolo-nien wurden aufgehoben u. die Colonisten unter dieZahl der Kranbauern aufgenommen; die Cavale-riecolonien wurden seit Anfang 1858 als «südlicheColouieu neu organisirt. Unter deur persönlichenSchutze des Kaisers u. von der Regierung (mit ge-gen 2Mill.Nnbel) unterstützt, trat im Sommer eineruss. Dampfschifffahrt, u. Handelsgesellschaft zusam-men. Große Rührigkeit herrschte auf den Werften desSchwarzenMecres, bes. war die Negierung bemüht,Feodofia (Kaffa) zu einer bedeutenden Handels- u.Hafenstadt zu erheben. Die Erweiterung derStreckenelektrischer Telegraphen geschah auf Staatskosten;mitHilfe answärtigcuCapitals wurde einEisenbahn-uctzüberdas ganze Land gezogen. Mehrere Maßregelnwurden getroffen zurFörderung des Verkehrs an derGrenzen. imAllgemeiuen,nnterAndcrm die Änsführ-unggemünztenGetdes freigegeben. Zugleich hatte dieNegierung einen neuen Handelsvertrag mit Frank-reich abgeschlossen, welcher mit dein neuen Zolltarifins Leben trat n. den Franzosen zugleich das Rechteinränmte, in R. unbewegliche Güter zu besitzen,ohne genöthigt zu sein, rnss. Untcrthaneu zu werden.Am 29. April 1857 erweiterte der Zar den Amnestie,ecktaß. Am 25. Sept. kam Alexander in Stuttgartmit dem Kaiser Napoleon zusammen n. 30. Sept. inWeimar mit dem Kaiser von Österreich. 23. Oct.1859 hatte er eine Zusammenkunft mit dem Prinz-regenten von Preußen in Breslau, wo ein festes Zu-sammenstehen deSBerliner u.Petersburger Cabinetsnamentlich in der Italien. Frage vereinbart wurde.Noch wichtiger war die Zusammenkunft, welche 22.bis 26. Oct. 1860 den Kaiser von Österreich n. denPrinzregenten von Preußen in Warschau mit demKaiser von R. znsammenführte u. zumal R. u. Öster-reich näherte.

Den Vorsitz im Gesammtministerinin u. Reichs-rathe übernahm im Jan. 1861 Graf Blndow, derabsolute Gegner aller constitntionellen Träume. DeneuropäischenVerwickelnngen gegenüber nahm R. einereservirte Haltung an; während der Kaiser persönlichmehr geneigt war, durch ein Zusammengehen mitPreußen, England n. selbst Österreich der ÜbermachtFrankreichs einen Damm zu fetzen, strebte FürstGortschakow mehr nach einem Anschluß an Frank-reich gegen Österreich u. suchte für die rujsischenPläneim Örient, die er nie vergaß, freie Hand zu gewin-nen. In dem deutsch-dänischen Couflict sprach sichR. für die deutsche Auffassung aus, an den diploma-tischen Verhandlungen vor Beginn des ItalienischenKrieges betheiligte es sich lebhaft; nachdem der vonR. vorgeschlagene Congrcß nicht zu Stande gekom-men, beobachtete es dem weiterenVerlanfe derDingegegenüber Neutralität. Die Politik Sardiniens hin-sichtlich der übrigen italienischen Staaten fand R-sMißbilligung u. der russ. Gesandte wurde (10. Oct.1860) von Turin abberufen, n. 18. Aug. 1862 ersterkannte R. Italien an. War R-s Benehmen gegenden Heil. Stuhl nach Nikolaus'Tod u. bes. 1859 sehrfreundlich, so trat durch die oppositionelle Haltungder katholischen Geistlichkeit in Polen eine sichtbareErkaltung ein,welche sich bis zu gereizten Erklärungensteigerte. Eine Reihe Verträge mit den HauptstaatenEuropas war bestimmt, den internationalen Verkehrzu heben n. die beiderseitigen Staatsgenossen im Ge-biete des Handels gleich zu stellen; so schloß R. Han-

dels- u. Schifffahrtsverträge mit Belgien u. Groß, Ibritannien (1858), mit Österreich (1860). ^

In den türk. Vasallenstaaten an der Donau warR-s Einfluß überwiegend. Gleich nach Unterzeich-nung des Vertrages über die Grenze in Bessarabien(19. Juni 1857) gaben die Wahlen in Len Donau-fürstenthllmern zu neuen Verwickelungen Anlaß; R.brach gleich den übrigen Großmächten die diploma-tischen Verbindungen mit der Pforte 6. Ang. ab u.nahm sie erst nach erfolgterAnunllirnng derWahlen29. Aug. wieder auf. R. ging hierin wie bei denVerhandlungen über die Organisation der Donau-furslenthümer Hand inHand mit den übrigen Groß-mächten, ebenso auch bei den Vorschlägen zur Her- !stellnng der Ruhe in Montenegro und der Herzego- !wina; aber bezüglich derDonauschifsfahrtsactenahm fes gegenüber Österreich u. bezüglich der Besetzung derInsel Perim am Eingänge in Las Rothe Meer gegen-über England einen wesentlich abweichenden Stand-punkt ein. Die Lage derChristen inderTürkeigabR.wiederholt Anlaß zu diplomatischer Intervention, so jnamentlich wegen Christenverfolgnngen in Bosnien,Bulgarien u. Syrien, u. der Forderung nach Unter-suchung und Reformen; auch den seit 1860 wiederausgebrochencn Unruhen in Montenegro, welcheseine Gesandtschaft nach Petersburg schickte, schenkteR. seine Aufmerksamkeit und das Einrücken österr.Truppen in die Suttorina (Ende 1861) gab R. An-laß zu einer diplomatischen Reclamation.

Für Volksaufklärung, Handel n. Verkehr wurdengroße Anstrengungen gemacht, eine Umwandlungdes Militärstaates angebahnt. Den Anfang dieserRe-formenmachteeine umfassendeArmcerednction(300l>Offizieren.200,OOOMann). Die Recrutirungen wa-ren seit dein Friedensschlüsse sistirt; ein kaiserl. MasV0M20. Sept. 1859 setzte dieDienstzeitin derArmeeu. Marine aus 15 resp. 14 Jahre herab, anfdieAns-bildung der Soldaten wurde größere Sorgfalt ver-wendet, die Errichtung von Regiinentsschnlen ange-ordnet, durchgängig eine bessere Bewaffnung in In-fanterie u. Artillerie eingeführt; zu Änderungen inder Uniformirung, dem Verwaltnngswesen und denVerpflegungsanstalten gaben die traurigen Erfahr-ungen des Krimfeldzuges Anlaß. Ebenso ergänztedie Kriegsflotte eifrig ihre Lücken. Eine neue Ärafür den Aufschwung des Handels eröffnete der 23.Juni 1857 publicirte neue Zolltarif, welcher denÜbergang vom Prohibitivsystem zu denSchntzzöllenanbahnte, die Einfuhrverbote fast sämmtlich aufhob,das Zollsystem wesentlich vereinfachte rc. Durch Auf-hebung der Schlagbäume vor den Städten mit Aus-nahmeder Festungen wurde eine lästige SchrankedesVerkehrs weggeräumt; Neiselegitimationen für dasganze Reich wurden eingefllhrt, die Erlaubniß zmnAufenthalteimAnslande auf 5Jahresestgestellt. Au-ßer den llderüranckssoeiätö ciss eiromins cis korrnsseeübertragenen, auch militärisch wichtigen Eisenbahn-linien wurden eine große Anzahl Privat- oder Ge-sellschaftsbahnen concessionirt. Weitere Projecte ziel-ten auf eine Verbindung des Schwarzen mit demKaspischenMeere, desAmnrgebietes mit demBaikal-See u. Irkutsk, des Salzsees Elton mit der Wolga(Astrachan). Große Telegraphenlinien, auf Staats-kosten errichtet, verbinden die Hanptstädte des Rei-ches; Wasserbauten zur Verbesserung der Häfen(Riga, dessen Festungswerke abgetragen wurden,