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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland (Gesch.).

schäften ins Leben treten u. beschränkte die Geistlich-lichkeit mehrfach. Die Eroberungen am KaspischenMeere wurden erweitert, Tarki genommen, aberman verlor viel Mannschaft durch das Klima. MitOesterreich u. Spanien schloß Katharina 6. August1726 ein Schutz - n. Trutzbllndniß, freilich wenigerim Interesse R-s als in dem des Herzogs von Hol-stein; ebenso rüstete sie gleich Schweden gegen Däne-mark, um dem Herzog von Holstein zum BesitzeSchleswigs zu verhelfen, aber das Erscheinen einerenglischen Flotte in der Ostsee hielt sie vom Kriegeab. Mit Preußen schloß sie ein Bündniß gegen Po-len, weil der dortige König Kurland seinem natür-lichen Sohne, dem Grafen Moritz von Sachsen, zü-rnenden wollte und Menschikow das Herzogthnm er-strebte (s. Kurland Gesch.). Menschikow schaßte alleseine Feinde ans dem Wege, so selbst seinen Schwa-ger, Grafen Devier. Während bei Katharinas tödt-licher Erkrankung die verschiedensten Parteien mitThroncandidaten austraten, brachte Menschikow einangebliches Testament der Kaiserin vor. Nach ihremTode, 17. Mai 1727, bestieg diesem zufolge 18. MaiAlexeis noch nicht 12jähriger SohnPet erlist Alexeje-witjch den Thron. Ihm war bis zum 16. Jahreein hoher Conseil bcigeordnet, welcher aus seinenStieftanten Anna u. Elisabeth Petrowna, dem Her-zoge von Holstein-Gottorp, dem Fürsten Menschikowu. ü Senatoren bestand u. die volle Regierungsge-walt haben sollte, doch Menschikow bemächtigte sichrasch der Leitung der Staatsgeschäfte ausschließlich,verlobte den jungen Zaren gegen seine Neigung mitseiner Tochter Maria, um seinen Einfluß für immerzu sichern und verdrängte den Herzog von Holstein.Aber Lurch Willkür und Härte hatte er sich zahlloseFeinde zugezogen u. es gelang dem Fürsten Dolgo-ruki Menschikow schon Sept. 1727 zu stürzen undnach Sibirien zu schicken. Dolgornki verlobte nundeuKaisermitseinerSchwesterKatharina u. gelangtezu so großer Gewalt, wie früher Menschikow. Peterbemühte sich um die Liebe seiner Unterthanen, riefseine Großmutter Eudoxia Lapuchin ans dem Klosteran den Hof zurück, verlegte dem Altrnssenthum zuLiebe seine Residenz wiedernach Moskau, begünstigteaber trotz der Einsprache der uichtswllrdigen Dol-goruki talentvolle Ausländer, so gelangten Oster-mann, der Vicetänzler und Münnich unter ihm zugroßem Einfluß. Unter ihm wurde 1727 ein Grenz-vertrag mit China geschlossen u. Febr. 1729 im Ver-trage mit Persien die russische Grenze bis über denKur hiuausgcrllckt. Peter II. starb schon 30. Jan.1730 an den Pocken. Mit ihm erlosch das HausRomanow im Maunesstamm.

Da Peter kein Testament hinterlassen hatte, so wardie Thronfolge abermals zweifelhaft. Es kam zu denstürmischsten Scenen. Vergebens suchte Iwan Dol-goruki seiner Schwester als Peters Braut zum Thronezu verhelsen, ohne jede politische Klugheit suchten dieGalizyn und die Dolgoruki nur die Zarengewalt zuGunsten des alten Adels einzuschränkeu u. schließlicherhielt Anna Jwanowna, zweite Tochter Iwans V.u. Wittwe des Herzogs Friedrich Wilhelm von Kur-land, die Krone. Sie mußte eine Wahlcapitnlationunterschreiben, in welcher sie sich verbindlich machte,ohne Beistimmung des hohen geheimen Ralhes we-der Krieg noch Frieden zu beschließen, keine neuenAbgabenaufzulcgen, keine Glltereiuziehungenzu ver-

fügen, keine Stelle bis zum Obersten herab zu ver-geben, keine Krongüter zu veräußern, keinen Adeligenuugehört zu verdammen, keinen Gemahl vd. Nach» stfolger eigenmächtig zu wählen n. auch ihren Günst- stling Biron nicht an ihrem Hofe zu dulden. Anna !genehmigte Alles, aber nicht willens Schattenkai- stserin zu sein, zerriß sie, nachdem sie in Moskau denThron bestiegen, 8. März 1730 die Capilulation, !erklärte sich als Selbstherrscherin aller Renssen fürunumschränkt und vertrante Biron die Leitung allerStaatsgeschäfte an. Die allrussische Partei war ge-stürzt u. Annas Streben war, sich in ungeschmälerterMacht auf dem Throne zu behaupten. Anna hobden hohen geheimen Rath ans u. stellte den dirigiren-den Senat aber in Grenzen wieder her. Die eigent-liche Reichsregierung erhielt das kaiserliche Cabinet,

3 Minister, deren unbedingt hervorragendster Oster-mann (s. d.) war. Alles aber überbot der Einfluß stBirons (s. d.). 9. Mai 1730 wurde Anna gekrönt. stSie verwies die Dolgorukis nebst 20,000 Russe» !nach Sibirien, verfolgte dieGalizyn u. ließ viele An- !dere hinrichten. Der Klerus blieb ohne Einfluß und ^sah mit Abscheu Protestanten im Rathe Annas, un- !;ter dem Adel herrschte große Unzufriedenheit, aber 'mit eiscrnerHand beugte ihn dieZarin. Zum Schutze ;ihrer Person vermehrte sie die Garderegimenter um stein drittes, das Jsmailowsche und ein Regiment ssGarde zu Pferde. Aus Ostermauns dringenden Rath ;wurde die Residenz im Jan. 1732 nach Petersburg -zurück verlegt, so sehr Klerus u. Altrnssenthum da- ^gegen arbeiteten. Münnich hob die zerfallene Armee, zElisabeth Petrowna, ihre Cousine, setzte Anna ganz 1zurück u. begünstigte ihren schamlosen Wandel, um stsie verächtlich zu machen. Schon 1731 adoptirteAnna stihreNichte AnuaLeopoldowna(Karlowua), die Toch- !ter des Herzogs von Mecklenburg, u. vermählte sie st1739mitdemPrinzenAnton Ulrich von Braunschweig, stMit dem Schah Nadir von Persien schloß Anna im stFebr. 1732zu ReschteinenFrieden,worinsie Peters I. ;persische Eroberungen bis auf Verbeut zurück gab; stspäter verband sie sich mit Persien gegen die Türke», ^,da die Krimschen Tataren seit 1732 Einfälle in R. stbegonnen hatten. Durch die Erledigung des polni- stscheu Thrones 1733 wurde R. veranlaßt, seinen Ein- stfluß ans Polen zu befestigen; gegen Stanislaus hielt stes August III. von Sachsen als Thronbewerber auf- strecht, denn Biron war von Wien aus gewonnen wor- stden u. unter dem Drucke von 50,000 russischen Ba- iyonuetteu wurde August III. zum König von Polen stgewählt; Danzig aber, wo sich Stanislaus noch hielt, ^belagerte Lach u. seit März 1734 Münnich, der eserst 30. Juni nahm. Anna umstrickte den König u. !die Großen Polens mit ihren Jntriguen und machteihren Einfluß in Polen geltend. 1735 stießen 10,00Ü iRussen unter Lach u. Keith am Rhein zu den Öfter- st-reichern, kamen aber nicht in den Krieg gegen Frank- istreich. Da die Krimschen Tataren R. keine Ruhe stließen u. Anna Asow wieder wollte, so begann 1735 stder Krieg gegen die Türken. Ohne Kriegserklärungfielen die Russen unterLeoutiew in derKrim 12. Oct. stein, aber furchtbares Wetter zwang sie schon 24. Oct. stzum Rückzuge. Im März 1736 drang Las große stHeer unter Münnich selbst in deuKrieg vor, 23. April sterklärte R. denselben an den Sultan, Münnich be-lagerte Asow, überließ dann Lacy die Fortsetzung derBelagerung (1. Juli capitulirte Asow), erstürmte >