Druckschrift 
Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
482
Einzelbild herunterladen
 

482

Rußland (Geich.).

meineEmporkömmlinge wurden geadelt, jagefürstet,umdenaltenStammbanmderNachkommenRurikszuentwerthen. 8k., welches sich damals von Archaugclbis Asow erstreckte, aber im W. noch nicht die Ostseeberührte, sollte eine gewaltige Land-u. Seemacht wer-den; er brachte das Kriegswesen ans einen bessernFnß und verstärkte u. a. seine Garde, welche endlichbis ans 5000 Mann heranwnchs u. sehr viele Aus-länder umfaßte. Als Anfang zu einer Flotte besaßer vor Asow schon 2 Kriegsschiffe, 4 Galeeren, 2Galionen u. 4 Brander, Peter selbst arbeitete ans denWerften an der Moskwa und am PerejaslawlschcnSee unter den von ihm berufenen holländischenSchifsshandwerkern n. reiste wiederholt nach Archan-gel. 1695 begann er direct gegen die Türken Krieg,um Asow zu erobern. Er machte diesen Feldzug,von seinen Lehrern in der Kriegskunst, Gordon undLcfort, begleitet, mit, konnte aber Asow erst 18. Juli

1696 einnehmen n. ließ es von westeuropäischen In-genieuren stark befestigen. Der Krieg endigte 26.Jan. 1699 durch den Frieden zu Karlowitz, in wel-chem Asow n. die Eroberungen am Don an N. ab-getreten wurden; diesen Abschluß bestätigte der 30-jährige Friede von Constantinopel 13. Juli 1700.

1697 unterdrückte Peter voll Mnth u. Geistesgegen-wart eine von Sophia unterstützte Verschwörung u.trat nach Iwans V. Tode, nachdem er eine Regent-schaft unter dem Fürsten Romadonowski eingesetzt,März 1697 eine Reise durch Livland, Preußen,Deutschland, Holland, England, Österreich, an (ansdieser Reise arbeitete er längere Zeit als Schifsszim-mermann zu Zaandam). In Wien erfuhr er 1698eine neue Empörung von 8000 von den Priesternim Interesse des Altrnssenthums gegen Peters Re-formen anfgehetztenStrelitzen, welche von der litaui-schen Grenze gegen Moskau zogen; er eilte nach N.zurück, wo er 4. Sept. 1698 eintraf, die Empörungbereits vom General Gordon unterdrückt fand undnun Gericht über die Schuldigen hielt. VieleWochendauerten die Hinrichtungen, unzählige Strelitzcnwurden, theilweise von Peter selbst hingerichtet undauch vor Sophias Fenster im Kloster mehrere ge-hängt. Um das Altrnssenthnm selbst aber unschädlichzu machen, löste PeterAng. 1700dieStrelitzen völligauf; schon 1. Octbr. 1698 hatte er seine GemahlinEudoxia, eine Begünstigern! des Altrussenthums, insKloster gesteckt. Sinn begann Peter R. im Innernzu ordnen und die auf seinen Reisen gesammeltenKenntnisse anznwenden, meist holländischen Musternfolgend; er ließ eine große Buchdruckern in Moskauerrichten, rnss. Wörterbücher und Sprachlehren ab-fassen,wissenschaftlicheWerke ins Russische übersetzen,richtete eine Hauptkänzlei zur besseren Erhebung derStaatseinkünfte nach deutscher Art ein, belegte diegeistlichen Güter mit Steuern, verbot den Eintrittin die Klöster vor dem 50. Jahre n. ordnete mit dem1. Jan. 1700 eine neue Jahresrechnung an, welche(statt mit dem 1. Sept.) mit dem 1. Jan. begann.Auch erließ er zur Milderung der Sitten der Russeneine Menge Verordnungen, erleichterte das Reisen insAusland, verbot das Tragen der Bärte, beschränktedie Nationaltracht; er vermehrte das Heer, hielt —soweit dies jetzt erreichbar war — auf ehrliche Ju-stiz, sann ans Gesetzesverbcssernngen rc. Am 11.Decbr. 1698 stiftete er den St. Andreasorden, denersten R-s. Peter verschärfte die Leibeigenschaft u.

das Finanzwesen wurde sehr ungünstig angeordnet.Nur auf Schwedens Kosten konnte R. eine Seeküstegewinnen n. darum trat Peter 1700 in den Nordi-schen Krieg (s. d.) ein, welcher R. große Opfer aus-erlegte, aber außer der Glorie von Poltawa (8. Juli1709) den glücklichen Frieden von Nystädt (10.Sept. 1721) herbeiführte: N-s europäische Stellungwar von da an gesichert, es erhielt die Herrschaft ander Ostsee, Schweden wurde eine Macht 2. Ranges,gegen 2 Will. Thlr. trat es an N. Livland, Ehstland,Jngermanland, einen Theil von Karelien und Wi-borgslän ab. Nach dem Tode Lesorts u. Gordonswurden Peters Hanptrathgeber Menschikow, Oster-mann, Schasfirow. Seit 1701 wurde eine Flottevon 150 Galeeren auf dem Peipnssee erbaut, welchezur Eroberung der-Ostseeprovinzen die wesentlichstenDienste leistete; 1702 begann die Grabung von Ka-nälen, durch welche die Düna mit dem Don und derWolga und durch diese das Schwarze und KaspischeMeer mit der Ostsee verbunden wurden; 27. Mai1703 wurde die neue Hauptstadt St. Petersburg ge-gründet, welche Peter nach 1714 zu seiner Residenzwählte. Diese Hauptstadt auf neuem Boden sollteder westeuropäischen Cnltur offen stehen u. R. damitbefruchten; der Handel mit N. sollte hier sein Cen-trum finden. Peter sandte deutsche Metallarbeiter,Leinweber und Papierfabrikanten in die Landstädten. ließ die sibirischen Erzgruben von deutschen Berg-leuten bearbeiten. 1703 verheerten die KasanschenTataren viele altrussische Ortschaften u. wurden nurdurch Abstellung aller Beschwerden und durch Ge-währung einer vollständigen Amnestie beschwichtigt.1705 wurde ein Aufstand der Baschkiren, Tatarenrc., der bis Kasan ausgriff, niedergeworfen. MitPeters Neuerungen unzufriedeneStrelitzen, verbun-den mit Volkshaufen, nahmen 1705 Astrachan, er-mordeten die Beamten und alle Ausländer; ihnenschlossen sich die Uralschen n. Donischeu Kosaken an;doch gelang es dem Feldmarschalle Boris Schereme-tew (s. d.) März 1706 blutig die Rebellion zu unter-drücken. Einen nochmaligenAusstand der DonischeuKosaken 1707 unterHetman Bulawin, dem ein FürstDolgornki zum Opfer fiel, schmetterte des LetzterenBruder mit 15,000 Mann nieder. Noch ernstlicherwar die Empörung der Kosaken unter Mazeppa1708, doch warf sie Menschikow nieder (s. Mazeppa).Anstatt des einstigenBojarenrathes setztePeter 1711den dirigirenden Senat ein u. 19. Febr. 1712 ver-mählte er sich öffentlich mit seiner Concnbine Katha-rina (s. d. 7), einem Mädchen von niederer Geburt.Peter nnterwühlte den polnischen Staat u. 1710 trater mit dem Vorschläge einer Theilung Polens ans;für sich wollte er Livland u. den größten Theil vonLitauen. Die anfR. neidisch werdendePforte aberer-klärte 21. Nov. 1710 Peter den Krieg; dieser trautezuvielaufdieVecsprechungenderHospodarevonMoldauu. Walachei, Kantemir (s. d.) n. Brankowan, wurdevon Letzterem betrogen, zog nach dem Pruth, wurdehier vom Großvezier Juli 1711 eingeschtossen n. mirdurch Katharinas Dazwischeukunft gerettet; imFrie-denvonHushmußteerzu seinerTrauer 23.Julil711Asow mit dem ganzen Gebiete den Türken zurück-geben, die drei neuen Festungen, darunter Taganrog,schleifen, seine Truppen aus Polen entfernen u. ge-loben, sich nie mehr in die Angelegenheiten der Pol-nischen Kosaken u. des Tatarenkhans zu mischen. Das

i-l

's l

-i

. j

1 :