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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rußland (Gcsch.).

die Meinungen über die Wahl eines neuen Zarenschwankend; endlich vereinigten sich alle Stimmen21. Februar 1613 auf Michail FcodorowitschRomanow, den Sohn des Metropoliten Philaretvon Nostow (s. u. Romanow). So kam das HausRomanow auf denNussischeuThron. Michailnahm nach langem Zaudern 14. März 1613 an,unterschrieb eine Wahlcapitulation, die den Bojarenviele Macht auf ihn gestattete u. zog 19. März inMoskau ein. Die Krönung fand 11. Juni statt.

Michail Fe odorowitsch fand R- am Abgrundeu. mußte es von den auswärtigen wie von den in-neren Feinden befreien. Der Diakon Isidor (Di-mitri III.) wurde in Pskow von seinen Kosaken nachMoskau eiugeliefcrt u. hiugerichtet 1613. Der Ko-sakenhetman Sarnzki, der die gesunkene Marina ge-heirathet n. ihrem Knaben von Dimitri II. huldigenließ, verheerte noch lange N., wurde nach Astrachanvon Odojewski znrückgeworsen, 1614 am Jaik er-griffen n. in Moskau gepfählt, der dreijährige Sohnder M arina erhängt, sie selbst endete im Kerker. No-gaier, russische und polnische Banden durchzogen R.u. wurden nur mit Muhe zerstreut. Die Schwedenhatten unterdessen den Krieg fortgesetzt u. Nowgoroderobert, vergebens aber Pskow belagert; im Heereausbrechcnde Seuchen zwangen Gustav II. Adolphdie Belagerung abzubrechcn(Oct. 1615) n. l7.Fcbr.1617 im Frieden zu Stolbowa mußte Michail ganzJngermanland nebst Jwangorod, Koporje, Jama,Nötebnrg und Kexholm an Schweden abtreten und20,000 Rubel zahlen, wogegen er Nowgorod, La-doga u. die übrigen Eroberungen znrückerhielt. Sowar R. von der Ostsee ausgeschlossen. Auch mit dendurch Anarchie zerrütteten Polen setzte Michail denKrieg im Ganzen wenig glücklich fort, diePolendran-gen sogar nochmals bis Moskau vor, endlich kam 1.Dec. 1618 der 14jährige Waffenstillstand von De-wulina zu Wege, in dem Michail seinen Ansprüchenan Livland, Wladislaw dem russischen Throne ent-sagte u. an Polen das ganze Fürstenthum Smolensk,Tscheruigow, Nowgorod-Sewerski, Starodnb undSerpersk verloren gingen. Unter den nach N. heim-kehrenden Gesaugenen war Michails Vater Philaret;er wurde Patriarch und leitete anstatt der bishermächtigen Bojaren von nun anbis zum Tode (1634)das Reich und Michail. Nur mühsam verschaffteMichail den mißachteten Gesetzen Geltung, setzteein Abgabcnshstem in Gang, um dem Staate wiederzu Steuern zu verhelfen, hob das Kriegswesen, dieStrelitzen reformircnd, zog fremde Industrielle undArbeiter nach R., u. strebte den Handel zu fordern,selbst in Persien und China versuchte er Handelsbe-ziehungen anzukuüpfen. 1632 sandte er 100,000 M.gegen Polen zu Felde, anfänglich glücklich mußte ihrgroßerFeldherrSchcm 14.Febr. 1634 beiSmclenskcapitnliren, Wladislaw drang siegreich in R. vor undMichail mußte 5. Juni 1634 auf der Grundlage desWaffenstillstandes von Dewulina den Frieden vonWiäsma schließen. Nach Philarets Tode wurden dieBojaren wieder einflußreich. Michail führte in R.denWeinbauein;indem allmählich zurrussischen,vomOb bis Kamtschatka reichenden Provinz umgestalte-ten Sibirien wurde Eisenerz gefunden u. viele Städteangelegt. Um in keinen Krieg mit den Türken zukommen, schlug Michail 1642 Asow, das ihm dieLonischenKosaken anbotcn,ans. Michail st. 12.Juli

1645. Sein Sohn Alexei I. Michailowitsch warerst 16 Jahre alt, als er den Thron bestieg u. wurdevon seinem Erzieher, Boris Morosow, einem gewis-senlosen habsüchtigen Jntrignanten, seinem Schwa-ger, absolut beherrscht, Morosow und sein Anhangplünderten N. ans. Alexei hatte keinerlei Wahlcapi- ^tulation unterschreiben müssen; obgleich keine Suc- !cessionsordnnng existirte, folgte er wie selbstverständ-lich seinem Vater. Durch Morosow wurde die Ge-rechtigkeit an den Meistbietenden versteigert u. ob-gleich er sammtAnhang Jnni 1648 durch einen Bolks-anfstand gestürzt wurde, holte Alexei noch oft seinenRath ein. Während in Pskow eins von Polen unter-stützte Rebellion ansgebrochen, erschien dort ein vier-ter Psendo-Dimitri (s. Demetrius 14). Von Pskowans wurde auch Nowgorod aufgewiegelt, doch beide1650 unterworfen. Jetzt trat ein weiterer Betrügerans, Timoschka Ankndinow, Sohn eines Leinwand-händlers von Wologda, der sich für einen Sohn desZaren Wassilij V.Schnifki ansgab. Auch seiner nahmPolen sich an, später ging er zum Herzoge Friedrichvon Holstein, welcher ihn nach Moskau auslieferte,wo er 1654 hiugerichtet wurde. Wie der vierte Di-mitri endete, ist unbekannt. Alexei befahl 16. Juli1648 die Abfassung eines allgemeinen Landrechts,so entstand die Illoslisnis vom Octbr. 1649. Auchschuf Alexei als Geheimpolizei die Kammer der ge-heimen Angelegenheiten. Allmählich drang euro-päische Luft in N. ein. Längst schon unterstützte R.die kleinrnssischen Kosaken heimlich im Kampfe gegenPolen, 1653 versprach Alexei ihnen offenseinen Schutz >u. 1654 wurden sie durch den Vertrag von Pereja-slawl russische Unterthanen, Alexe! nannte sich nunHerr von Klein-R. Für den Krieg mit Polen machteer eine Reihe europäischer Reformen im Heerwesen.

In diesem Kriege (seit 1654) war Alexei siegreich u.erhielt endlich im Frieden von Andrnssow (20. Jan.1667) Smolensk u. die jenseits des Dnjepr liegendenThcile von Sewerien, Tscheruigow n. der Ukraine,die Oberherrschaft über Kiew u. die jenseitigen Ko-saken der Ukraine, die übrigen Eroberungen gab erzurück. Seitdem nennen sich R-s Herrscher Zarenvon Weiß- n. Kiein-R. Das Oberhaupt der nicht-nnirten Griechen von Polnisch-R., der Metropolitvon Kiew, trat unter den Patriarchen von Moskau.Auch mit Schweden war Alexei 1656 in Krieg ge-rochen, der aber keinen Erfolg hatte; denn im Frie-den zu Karins 21. Juni 1661 gab er alle Erober-ungen (Dorpat, Düuaburg rc.) zurück. Durch Ver-schlechterung der Münze hatte die Regierung der Fi-nanznoth abhelfenwollen,doch war daraus die frechste !Falschmünzerei entstanden, 1662 kam es dagegen inMoskau zu einem furchtbaren Aufstande, der blutig ^unterdrückt wurde. Eine Kirchenspaltung von nach-haltigen Folgen entstand in R. durch den Patriar-chen Nikon (s. d.); die Altgläubigen, seine Gegner, ^trinmphirten, indem ihn das Concil der orientalischenorthodoxen Kirche in Moskau 1666 absetzte, aber esschuf auch eine Reihe Neuerungen, die die Kirche ^dauernd zerrissen. Da Alexei in die Sonderrechte u. >Verfassungder dänischen Kosaken eingriff, erhoben sie ^sich 1667 unter Stenko Nasin, der die Gegend an derWolga verheerte, die Bevölkerung zum Anschlüssezwang, sich derStadt Jaik bemächtigten, bis Persienhin raubte. Nothgedrnugeu umerwarf er sich scheinbardem Statthalter Fürsten Prosorowski in Astrachan,