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Runkelrübenzuckc'r.
einbrechenden Katastrophen und seinem endlichenSturze gerieth die Angelegenheit ins Stocken u. diemeisten Fabriken erlagen der Concurrenz des Colo-nialznckers. Stur wenigen, bes. franz. Fabriken ge-lang es, der dortigen znckerreichenRüben wegen sichmühsam durchzukämpfen. Dnbrunsaut u. Deslisleerwarben sich um die Verbesserung wesentliche Ver-dienste. Allmählich hob sich die Production nicht nurin Frankreich wieder, sondern auch Belgien machtegroße Anstrengungen darin; es entstanden neueFabrikanlagen, und während die französischen Fa-briken 1829 nur 8 Will. Pfund Rübenzucker pro-ducirten, wurde 6 Jahre später schon das Zehnfachegewonnen. 1836 wurde aus Preußen auf BeuthsVeranlassung eine Commission zur Untersuchung derfranz. Znckerindnstrie gesandt, deren klarer n. licht-voller Bericht als der Wendepunkt für die deutscheZnckerindnstrie anznsehen ist. Dieselbe hob sich so,daß man 1840 schon ansangen konnte, sie znbesteuern.Ihr Wachsthum seitdem läßt sich wol am besten ausfolgender Tabelle sehen:
Zollverein Oesterreich
Jahr
Zahl
der
Fabri-
ken
Rüben
Mill.
Ctr.
Production per1000 Pfd. RübenZucker ! ü)ielasse
Zahl
der
Fabri-
ken
Rüben
Müll.
Ctr.
1840
175 l 4,s
5,88
3,7
61
2,l
1850
184
14,7
7,'.2
2,7
100
4,9
1860
274
29,3
8,62
2,1
125
14,31
1870
304
61
8,62
2,6
181
25,29
1873
324
63
8,26
2,88
275
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1876—77 betrug die Quantität der verarbeitetenRüben 71 Will. Ctr. Nach R. Wagner soll die Rüben-zuckerproduktion 1874 23,g Will. Ctr.betragen haben,wovon Frankreich 8, der Zollverein 5,», Rußland 3,«,Österreich 3,g, Belgien 1,^, Schweden n. Holland jeO^Mill.Ctr. producirten. Die Methoden, nach denender Zucker aus den Rüben gewonnen wird, sind sehrmannigfach und haben im Laufe der Zeit vielfacheÄnderung erlitten. Die im Herbst geernteten Rübenwerden, soweit sie nicht sogleich verarbeitet werdensollen, im Freien in Mieten aufbewahrt. Bis EndeMärz müssen übrigens sämmtliche Rüben verarbeitetsein. In der Fabrik werden die Runkelrüben zuerstauf Waschtrommeln oder Steinschlägern ge-waschen, dann vom Kopf- und Wnrzelende befreit(köpfen), a) Beim Preßverfahren werden sie dannaus der Reibe (einer mit vielen querlicgenden Säge-blättern versehenen n. in einer Minute zwischen 800bis 1000 Umdrehungen machenden Trommel) ineinen seinen Brei verwandelt, welcher zu je 1^—3RZ in viereckig über einander geschlagene Tüchereingepackt und unter hydraulische Pressen gebrachtwird, durch deren Druck der Rübensast zum größtenTheile ausgepreßt wird u. ans den Entsaserapparat(runde, feine, mit Bürsten versehene Siebe) läuft.Um den in den Rüben noch enthaltenen Saft zu ge-winnen, setzt man dieselben zuweilen mit Wasser anu. preßt sie nach, was aber viel Arbeit machtu. ein sehrunreines Product liefert, b) Beim C e n t r i f u g a l v e r-fahren wird der Runkelrübenbrei verdünnt in einesich drehende Centrifuge gelassen, welche 1000—1200Umgänge pro Minute macht u.so entsaftet, v) BeimMacerationsversahren wird derselbe in einerReihe neben einander stehender Kasten mit Wassersuccessive ausgelangt, was jedoch sehr viel reinesWasser erfordert und einen mit seinen Fasern ganz
durchsetzten Saft gibt, ä) Das beste Verfahren istjetzt das Diffusionsverfahren. Bei ihm werdendie Runkelrüben auf derRübenschneidemaschine (s. d.)in 3—4 mm dicke Bänder zerschnitten u. in 8—12je 1 m dicken u. 3—3^ m hohen eisernen Diffuseu-ren mit Wasser von 40—60" behandelt. Der Zuckerdiffundirt nach den Gesetzen der Endo sin ose (s. d.)durch die Zellwände der Rüben, während die Gummi-u. Eiweißstoffe derselben größtentheils Zurückbleiben.Das Wasser wandert dabei von einem Diffuseur zumandern. Die erschöpften Rübenschnitzel werden indem Klusemannschen Apparate, einer trichterförmi-gen Presse, durch deren durchlöcherte SeitenwändeLas Wasser abfließt, während die entwässerte Masseunten als Band continuirlich auslritt, entsaftet unddienen wie die Rückstände der andern Methoden alsViehfutter, s) Der so gewonnene Saft wird in denSaturirgefä ßen durch abwechselnden Zusatz vonKalkmilch n. Kohlensäure von verschiedenen Neben-bestandtheilen (bes. Eiweiß und Gummistoffen) ge-schieden, auf der Filterpresse (s. d.) vom Kalke u. auseiner Knochenkohle-Filterbatterie (s. d.) von den son-stigen noch nicht abgeschiedenen Stoffen (bes. Farb-stoffen) u. dem aufgelösten Kalke befreitu. als D ü n n -fast auf complicirten Apparaten (früher dem sogen.TischbeiuschenjetztRobertschenApparat)cingedampft,sodann nochmals durch frischeKnochenkohle als Dick-saft filtrirt (während zur ersten Filtration gebrauchteKohle genommen wird) und dann in der Vakunm-psanne V. (s. d. Tafel Runkelrübenzuckerfabrikation)völlig eingedampft. Die Vakuumpsanne V.ist ein mitDampf durch Röhren ä, ck,, s u. durch den hohlen Ba-dend geheiztes,nahekngelförmigesGefäß. DerHahn1 dientzum plötzlichen Ablassen des Dampfes, b, u. n,des entstehenden Condensationswassers. Durch diemit starkem Glas versehenen Fenster u, das Ther-mometer b, das Barometer m, die Standröhren i n.den Schlüssel x, mit welchem jederzeit eine Probedes Saftes genommen werden kann, läßt sich derZustand des Saftes, welcherdnrch die Röhren 2 1,2,3 u. 4 eingeleitet n. nach erfolgter Verkochung durcha n. 1' nach dem Behälter L abgelassen wird, erken-nen. ^ ist ein Mannloch zum Reinigen des Apparats,A ein verschließbarer Trichter, durch welchen etwasFett (Butter, Paraffin rc.) zur Masse gelassen wer-den kann, um ein zu starkes Schäumen u. Übersteigenderselben zn verhindern. Mittels des Hebels d wirddas Auslaßventil o nach erfolgter Verkochung geöff-net. Da der zähflüssige Dicksaft sehr zur Schanm-bildung n. zum Übersteigen geneigt ist, so wird dersich entwickelnde Dampf durch das System n, v,k,Lnach dem Eondensator O I geleitet, während der über-steigende Saft durch Ic ins Vakuum zurückfließt, od.bei g, abgelassen werden kann. Der Lurch die RöhreSi n. O 2 mit kaltem Wasser gefüllte Condensator ver-dichtet den größten Theil des entstandenen Dampfes,während der Rest n. die mit dem Dampfe entwei-chende Luft durch den eigenthümlichen Apparat 0,rv, Vz mit kaltem Wasser gemischt und mittels einerPumpe durch die Röhren x ausgepumpt werden.V ist eine regulirbare Kappe, welche die Höhe desdurch rv unter Druck einströmenden Wasserstrahlsregnlirt. Der Dicksaft verändert sich nämlich schonbeim Siedepunkte des Wassers sehr leicht zu seinenUngnnsten n. muß deshalb bei weniger als 80" Cel-sius, d. h. im lnjtverdünnten Raume eingekocht wer-