Rcimar — Reims.
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Der End-R. ist bei uns nicht von außen eingeführtu. noch weniger absichtlich und willkürlich erfundenworden, sondern nach einem Gesetz innerer Noth-wendigkeit erwachsen. Der Stab-R. war gleichsamnur die Knospe, die im End-R. als Blume aufging,als Frucht reifte. Im Stab-R. lag ein sinniges,ahnungsvolles Suchen und Tasten; im End-R. er-klang der volle Ton der Seele, über den keine anverenationale Form hinausgehen konnte. Die wenigennational-literarischen Reste, die wir aus der Zeit vorOtfried gerettet haben, lassen bereits vereinzelteKlänge des End-R-es hören, ohne daß wir zu ent-scheiden vermöchten, wie weit hier die Absicht, dasunbewußte Walten und der Zufall gegangen seien.Noch weniger sind wir in: Stande, den Eutwickel-nngsgang ans der einen Form in die andere nach-zuweisen. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde diesemetrische Umwandlung bei uns, wie bei den Angel-sachsen u. bes. im scandinavischen Norden, später ein-getreten u. langsamer vollzogen worden sein, hättesich die deutsche Geistlichkeit nicht früher und eifrigerbemüht, eine rhythmische Bindungsartzu verdrängen,die zu innig mit den Liedern, den Anschauungen n.derGefllhlsweise des Heidenthumes verwachsen war,umnichtsortwährcndihre Abneigung,ihr Mißtrauenund ihren Versolgungsgeist zu erwecken. Insofernhängt der Sieg des End-R-es über den Stab-R.,nicht die Entstehung des ersteren mit dem Christen-thume zusammen, u. die Behauptung, die DeutschePoesie habe diese spätere Form der lateinischen Kir-chenpoesie abgelcrnt, ist nicht minder haltlos, als dieZnrücksührnng unseres End-R-es ans das Vorbildder Araber, Altfranzoscn u. Provenxaleu. Dagegenlag für die R°sorm der christlich-deutschen Poesie eineErmunterung in den bei den Geistlichen jener Zeitüblichen leoninischen Versen. Über die R-knnst dermittelhochdeutschenBlüthczcit s. d.Art.Deutsche Na-tionalliteralnr,S.163. Seit der Mitte des 14. Jahrh.gerieth sie in Verfall; mit Opitz begann sie wiederaufzuleben. In der genialen Verwendung des deut-schen R-cs steht der 1. Theil des Götheschen Faustobenan. Unter den Meistern dieser Form verdienenaußerdem namentlich Bürger, Rückert u. Platen ge-nannt zu werden. R-lexika von Peregcinus Syntax(Ferd. Hempel), Leipz. 1825, 2 Bde., u. a. Vergl.Ferdinand Wolf, Über Lais, Sequenzen und Leiche,Heidelberg 1841, S. 161 fs.; Joh. Minckwitz, Lehr-buch der deutschen Versknnst, 3. A., Lpz. 1854, Z.145; I. I. Schneider, Systematische und geschicht-liche Darstellung der Deutschen Versknnst, Tübingen1861,S.18sf., 61 ff., 140 fs., 242 sf. G. Zünmcrmann.
Neimar, Freimund, Pseudonym für Rückert.
Reimarus, Hermann Samuel, deutscherPhilosoph, geb. 22. Dec. 1694 in Hamburg, studirtein Jena Theologie, wurde später Gymnasialprosessorin Hamburg u. starb daselbst 1. März 1768. R. warein Anhänger der Wölfischen Philosophie u. wurdebesonders durch die von Lcssing heransgegebenenFragmente eines Ungenannten bekannt, welche R.zum Verfasser hatten. Das ganze Werk, im Besitzeder Hamburger Stadtbibliothek, führt den TitelSchutzgeist für die vernünftigen Verehrer Gottes,ist aber bis heute noch nicht vollständig veröffentlicht.Außerdem schrieb R.: Die vornehmsten Wahrheitender natürlichen Religion, 6. A., Hamb. 1792; Be-trachtungen über die Knnsttriebe der Thiere, 4. A.,
ebd. 1798; Vernunftlehre, 5. A., ebd. 1790. Vgl.D. Fr. Strauß, Herm. Sam. R. und seine Schutz-christ, 2. A., Bonn 1877. Specht.
Reimer, Georg Andreas, Buchhändler, geb.27. Aug. 1776 in Greifswald, übernahm 1800 dieseit 1750 bestehende Realschulbuchhandlung in Ber-lin, die er mit der Zeit zu einer der ersten Buchhand-lungen in Deutschland erhob. In den Jahren von1805 bis 1813 war sein Haus der Sammelplatz echtdeutsch gesinnter Männer, wiesFichte, Arndt,Schleicr-macher u. v. A., auch machte er den Befreiungskriegals Hauptmann inderLandwehr mit. Im 1.1819 er-öffnete er sein Berliner Geschäft unter der Firma: G.Reimer mit Druckerei und erwarb 1822 die Weid-mannsche Buchhandlung in Leipzig. Er st. 26. April1842. DieGeschäfteführtenseine drei Söhnefort. DerältesteKarl August, geb. 26.Oct.1801 in Leipzig,übernahm 1830 mit seinem Schwager Hirzel die Weid-mannsche Buchhandlung. Nachdem Letzterer 1853ein eigenes Geschäft gegründet, siedelte R. mit derWeidmannschen Buchhandlung nach Berlin über u.st. daselbst 29. Juli 1858; der zweite, Georg Ernst,geb. 25. Nov. 1804, übernahm nach des VatersLode die Firma G. N. in Berlin, während der jüngste,Dietrich, geb. 13. Mai 1818, 1845 eine Sorti-mentshandluugunter eigener Firma iu Berlin grün-dete u. 1848 den Knust- u. Landkartenverlag seinesVaters übernahm. Schrooi.
Neimmann, Jakob Friedrich, erster Her-ausgeber einer Literaturgeschichte in Deutschlnnd,geb. 22. Jan. 1668 zu Gröningen im Halberstäd-tischeu, wurde 1692 Rector in Osterwiek, dann inHalberstadt, u. st., seit 1704 Prediger in Ermsleben,1714 Domprediger in Magdeburg u. 1717 Super-intendent in Hilüesheim, daselbst 1. Febr. 1743; erschr.: Einleitung in die Listorig. Utor., Halle 1708bis 1713, 6 Thle.; Icksa sxsksmgtis antiguitatislitor., Hildesheim 1718; Einleitung in die Listoria.autockilnv., Halle 1709; Einleitung in die Historieder Theologie, Magdeb. 1711, List. püi1osopüig.sLinsnsinm, Braunschw. 1727; List, utüsismi sto.,Hildesh. 1725 rc. Selbstbiographie herausgeg. vonThaune, Braunschw. 1745.
Reims (Rheims), Stadt und Hanptort in dem10 Cantone u. 182 Gem. mit (1877) 173)891 Ew.umfassenden, gleichnam. Arr. des franz. Dep. Marne,rechts an der Vesle u. am Kanal von der Aisne zurMarne, in einer von Weinbergen umgebenen Ebeneder Champagne, Knotenpunkt von vier Linien derfranz. Ostbahn, eine der ältesten und durch seine ge-schichtlichen Erinnerungen, seine Bau- n. Kunstwerke,sowie durch seine Industrie eine der bedeutendstenStädte Frankreichs. Das hervorragendste Bauwerkin R. ist die Kathedrale (Notre-Dame), eines deredelsten u. reichsten Werke gothischen Baustils, 1212unter dem Erzbischöfe Alberich von Humbert nachden Plänen Roberts von Coucy begonnen, aber erstim 14. Jahrh. vollendet. Prachtvoll ist die westlicheFaxade mit ihren drei tiefen Portalen, einer großenRosetteu.ihremreichenSculpturenschmuck (s.Taf.X..zum Art. Baukunst). Von den ursprünglich vorhan-denen 7 Thürmcn sind 1481 fünf abgebrannt; da-mals verloren auch die beiden anderen, noch 80 mhohen u. mit reichen Sculpturen versehenenThürme,von denen dersüdliche eine 1570 gegossene, 11,500lc§schwere Glocke enthält, ihre Spitzen. Das Innere