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Reflexion —
R. zeichnen sich vor den unter Mitwirkung des Be-wußtseins hervorgerufenen Bewegungen meist durchgrößere Einfachheit aus; doch gibt es auch coinpli-cirtere Bewegungen unter den N. Derartige wur-den besonders an enthaupteten, also cnthirnlen Frö-schen beobachtet und hatten eine Zeit laug zu derAnsicht geführt, daß auch das Rückenmark Sitz desBewußtseins, also der Seele, der sog. Rllckenmarks-seele sei; der modernen Physiologie ist es indeß ge-lungen, diese scheinbar mit Bewußtsein ausgeführtenBewegungen aus R. zurückzusühren. v. Merlng.
Reflexion (v. lat. Rsüoxio), Zurllckwerfung; s.Licht, Wärme, Schall; bes. die Zurückwendnng desDenkens auf das Gedachte, also diejenige geistigeThätigkeit, durch welche Begriffe u. Gedanken selbstwieder zum Gegenstände eines bestimmenden, ver-gleichenden, prüfenden Denkens gemacht werden.Reflcctiren heißt daher im Allgemeinen so vielals seine Gedanken sich zum Bewußtsein bringen,Nachdenken, überlegen.
Reflexionswinkel, s. Licht S. 222 .
Reflexiv (v. Lat.), zurückwirkend, rückbezüglich.
Ncflexkräuipfe, Krämpfe, die durch ErregungPeripherischer Gefühlsnerven und Übertragung derErregung von den Gefühlsnerven auf die Bewe-gungsnerven entstanden sind. Zu den R. gehörenz. B. die Zahnkrämpfe; bei diesen findet die Erre-gung der Gefllhlsnerven in den Kiefern statt undwird von da auf die Bewegungsnerven übertragen.Ebenso gehören hierher die Krämpfe, die durch denGenuß schwerer Speisen bei Kindern entstehen, dieEmpfinduugsnerven des Darms leiten hier die Er-regung auf die Bewegungsnerven über. Die Zahlder Ursachen der R. ist eine sehr große, namentlich imKindcsalter, da dieses eine ganz besonders erhöhteReflexerregbarkeit besitzt. Die Heilung der R. hat esbesonders mir der Wegräumung der Reize zu thun,welche auf Gefllhlsnerven einwirken. Kunze.
Neflexthätigkeit, so v. w. Neflexerscheinungcn.
Reform (v. Lat.), Umgestaltung, Veränderungder Form irgend eines Gegenstandes mit dem Be-griff einer Verbesserung oder Wiederherstellung desUrsprünglichen.
Reformation (v. Lat., Umänderung, Verbesser-ung), die 1517 im Abendlande durch Luther begon-nene Wiederherstellung des evangelischen Christen-u. Kirchenthums. Da die Vergleichung des beste-henden Kirchenthums u. Dogmas mit dem Evange-lium den Gedanken, daß die Kirche des Mittelaltersdurch den HierarchiSmus verderbt sei, leicht erweckenkonnte, so erhoben sich in derselben fort u. fort ein-zelne Männer u. selbst Gemeinschaften, welche baldvom evangelischen, bald vompantheistisch-mystischcn,auch libertinischen Standpunkt aus eine R. der Kircheaustrebten; so die Mystiker Amalrich von Bena, Da-vid von Dinanto, die Brüder und Schwestern desfreien Geistes , die Katharer, Albigenser, Waldenserin SFrankreich und Italien, der Franciscaner Se-garelli von Parma mit dem Apostelorden. Ja im14. u. 15-Jahrh. wurde bei dem herrschenden Ver-derben der Geistlichkeit von allen Völkern u. Stän-den, bes. auch von Fürsten, Karl VIII. in Frank-reich u. Maximilian I. in Deutschland, eine R. auHaupt u. Gliedern verlangt u. von Bischöfen, Car-diuälen, Päpsten u. Kirchenversammlungen (z. B.zu Pisa, Basel, Konstanz) versprochen u. auch ver-^
Reformation.
sucht. Am regsten betheiligten sich an einer solchenR. der Minorit Alvarus Pelagius um 1330, Peterd'Ailly, Gcrson, Nikolaus von Clemange, Nikolausvon Cusa, Nikolaus Wlasenic, der Cardinal Julian(1430) u. bes. Hieronymus Savonarola. Den re-formatorischen Tendenzen des 16. Jahrh. am mei-sten verwandt waren dieBestrebungenJoh.Wicliffs,Joh. Hus' u. der Böhmischen u. Mährischen Brüder,Lenen die Humanisten, wie Reuchlin u. Erasmus dieHand reichten u. auf welche die eigentlichen Vorläu-fer der Reformatoren in Deutschland, Pupper (od.Goch), Wesel (od. Wessel) folgten. Indessen waren dieBemühungen derselben doch eigentlich nur auf eineevangelische Reinigung der Lehre ver Kirche, nichtaus eine Reform der Kirche selbst gerichtet. Dieseletztere begann erst damals als der WittenbergerProfessor der Theologie Luther (s. d.), über Joh.Tezels Ablaßkram entrüstet, 31. Oct. 1517 an derSchloßkirche zu Wittenbevgseiue95reformatorischenThesen anschlug. Die hierdurch hervorgerufene Be-wegung erschien anfangs in den Augen Leos X. le-diglich als ein streit der Augustiner u. Dominica-ner. Aber bald zeigte es sich, daß es sich jetzt umdas eigentliche Princip des katholischen Kirchcnwesenshandelte. Schon auf dem Gespräche, welches Lutherim Juni 1519 mit Eck u. Karlstadt zu Leipzig hatte,erhob sich der Erstere gegen die Autorität der Con-cilien, womit die Tradition der Kirche verworfen u.das Schriftprincip des Protestantismus zur Geltunggebracht war. Das Wormser Edict vom 8. Mai1521, durch welches Luther in die Reichsacht erklärtwurde, war ohne wesentliche Folgen, da Luther vondem Kurfürsten Friedrich von Sachsen auf die Wart-burg versteckt wurde. Von hier aus erhielt das deut-sche Volk den Anfang seiner deutschen Bibelübersetz-ung Luthers, während Melanchthon in seinen I-ooioommuuoo (tstsoloAioi) die erste evangelische Dog-matik veröffentlichte. Der von Karlstadt (s. d.) be-gonnene Bildersturm u. Bilderstreit (s. d.) veranlaßteLuther von der Wartburg nach Wittenberg zurllck-zukehren.
Indessen fehlte es in der sich bildenden neuenKirchengemeinschaft schon damals nicht an Mißver-ständnissen und Streitigkeiten. 1524 entzweite sichLuther mit Karlstadt u. Zwingli wegen der Abend-mahlslehre; 1525 brach der Bauernkrieg in Schwa-ben, Elsaß und Lothringen ans, der namentlich imMißverständniß der Lehre von der evangelischen Frei-heit seinen Grund hatte; auch bedrohten die Wieder-täufer das Werk der R. in seinem Innern. Denglücklichsten Umschwung führte jedoch der Beschlußdes Reichstags zu Speyer von 1526 herbei, der dasVerhalten gegen den Wormser Reichstagsbeschlußvon 1521 dem Gewissen der Gerichtsstände überließ.Infolge dessen führte Landgraf Philipp von Hessen1526 in seinem Lande die Reformation ein u. ordneteder Kurfürst von Sachsen im Jahre 1527 eine Kir-chenvisitation an, durch welche dieser ebenfalls dieR. zuerst in die Hand nahm. Schon damals hattesich die R. in Pfalz-Zweibrücken, Magdeburg, Lüne-burg, Nürnberg, Straßburg, Frankfurt a. M.,Nordhausen, Bremen, Braunschweig, Ostfrieslandu. Holstein ansgebreitet, in der Schweiz war die R.schon längst im Gange, ebenso seit 1525 indem neuenHerzogthum Preußen; in Schweden durch Olaf und^ Lorenz Petri bereits seit 1519 u. durch Gustav Wasa