54 Ravennaschlacht
Langobarden, denen es von den Franken entrissenu. 768 von Karl d. Gr. dem Papst geschenkt wurde.Es wurde seitdem vou Consulu regiert. Im 11.Jahrh. war es derSitz einer berühmtenRechtsschule,in der die roman. Jurisprudenz blühte. Im Kampfeder Guelfen u. Ghibellinen trat in R. als Haupt derElfteren Pietro Travcrsara an die Spitze der Re-gierung, später wechselten kaiserliche und päpstlicheBefehlshaber, bis Ostasio I V. die Alleinherrschafterlangte (1318); die Herrschaft der Herzöge vou R.oder vou der Romagna dauerte 123 Jahre. 1440kamR. in dieGewalt derVcuetiauer; 1508 erobertees Papst Julius II. für den Kirchenstaat und setzteeinen Cardinallegaten hierher. Durch den FriedenvonTolentino 1797 wurde es deuFrauzvsen unter-thau, durch den Wiener Kongreß 1815 dem Kirchen-staat zurückgegeben, 1860 mit Italien vereinigt.Den 11. April 1512 hier Sieg der Franzosen unterGastou de Foix, Herzog von Nemours, über daspäpstlich-spanische Heer. Classis ist unter dem Lon-gobardeutöuig Luitprand 728 zerstört worden u. alseinziger Rest S. Apolliuare in Classe (s. oben) übriggeblieben; wo sonst Cäsarea stand, ist jetzt das DorfPorto di Faori. R. lag im Alterthum näher amMeere als jetzt; namentlich ist die Stelle der einsti-gen Hafenstadt Classis durch den Anwachs des Usersjetzt über eine Meile vom Meere entfernt. Vergl.Prutz in Räumers Histor. Taschenbuch, Jahrg. 1874.
(Geogr.) Schroot. (Gesch.) TlMemaim.
Navennaschlncht, s. Rabenschlacht.
Ravensberg, sonst Grafschaft im WestfälischenKreise, von Lippe, Paderborn, Rietberg, Rheda,Münster u. Münden begrenzt; zählte 1801 auf 16Af^W 89,900 Ew.; entspricht gegenwärtig den Krei-sen Bielefeld, Herford u. Halle des prenß. Rcgbez.Minden. Wappen: drei rothe goldene Sparren imsilbernen Felde. Hauptstadt: Bielefeld. — R. warfrüher eine Grafschaft, deren Besitzer sich von demalten Schlosse R., früher Grasen vonCalvelage nann-ten. Der erste bekannte Graf ist Hermann I., 1072bis 1082; sein Sohn Hermann II. verband sich mitden sächsischen Fürsten gegenKaiserHeinrich V. DieUrenkel Hermanns II., Ludwig u. Otto II. theiltenso, daß letzterer Vlotho u. Vechta, elfterer R. undBielefeld bekam. Vechta verkaufte Otto an den Bi-schof von Münster, Vlotho kam nach Ottos Tode(1244) zum Theil wieder an N.; Ludwig selbst ver-kaufte seine Besitzungen in Barmen an Len Grafenvon Berg u. st. 1249, sein Sohn Otto III. 1306,dessen Sohn Otto IV. 1328; sein Bruder Bernhard,vorher Propst in Osnabrück, folgte u. setzte, da erkinderlos war, 1338 seinen Neffen, Ludwig vonHes-sen, zum Nachfolger ein; als er aber 1346 starb, sobelehnte Kaiser Ludwig IV. den Markgrafen Ger-hard von Jülich, Gemahl der Margarethe, der Toch-ter Ottos IV., niit R., welches nun gleiches Schick-sal mit Jülich hatte. 1614 kam R. an Brandenburg.Vgl. A. Lamey, Diplomatische Geschichte der altenGrafen von R., Mannh. 1779. Klemschmidt.
Ravensburg, Oberamtsstadt im Württemberg.Donaukreise, an der Schüssen u. an der Württem-bergischen Staatsbahn (Ulm-Friedrichshafen), sonstReichsstadt, von Mauern mit Zinnen u. Thürmenumgeben; Lateinische Schule (Lyceal), Realschule,Hospital, Arbeits-u. Krankenhaus; Maschinenfabri-ken, Eisengießerei, Hanf- und Flachsspinnerei mit
— Rawlirison.
Leinweberei und Bleichanstalt, Weißwaarenüickerei,Ornatstickerei, Holzwaaren, Papier, Öl, Chocolade,Nudeln, Weinbau; 10,034 Ew. ;Hauptortdes Frucht-handels für Oberschwaben, verkehrreiche Märktejeden Samstag. Dabei dieVeitsbnrg, Stammschloßder Guelfen und eine Stunde östlich die Waldburg,Stammburg der Truchsessen von Waldburg.
Navignan, Gustave Francois Lavier De-lacroix de, berühmter franz. Kanzelredner, geb.2. Dec. 1795 in Bayonne; stndirte in Paris Juris-prudenz, wurde 1816 Auditor an der 6onr rozmis,vertauschte dann seine juristische Laufbahn mit dertheologischen, ging nach zwei Jahren zu den Jesuitenin Montronge, wurde hier bald darauf Professor derDogmatik und, 1837 nach Paris berufen, bald alsein ausgezeichneter Kanzelredner Nachfolger Lacor-dairss an Notre-Dame; er st. 26. Febr. 1858. Ersehr.: I/iustitnb ckss Issuitss, Par. 1844, 7. Aust.1855; Lcmkorsnoss prsoitöss ä Hotrs Oams ckokaris, Par. 1859; Biographie vonPoujoulat, 2.A.1862. Löffler.»
Nawa, Kreisstadt im russ.-poln. Gouv.Petrokow,an der Rawka, ehemals befestigt; altes Schloß, ehe-malige Residenz der masovischen Herzoge von Plozk;5527 Ew. 2) (R.-rnska) Bezirkshanptort in Ga-lizien (Österreich); 5482 Ew.
Rawalpindi, s. Raulpindi.
Rawi (ind. Jravati, griech. Hydraotes od.Hya-rotis), einer der fünf Ströme des Pendschab (s. d.S. 205), entspringt in mehreren Omellarmen amBungal, einer SKette des Himalaja in dem Berg-staat Tschamba, fließt mit trägem n. sehr gekrümm-tem Laufe an Lahors vorbei, wo er schiffbar wird u.vereinigt sich, in seinem unteren Laufe das Land be-wässernd, bei Fazilschah mit dem Tschinab.
Rawil, Paß der Berner Alpen, eine Einsenknngzwischen Wildhorn und Wildstrubel, verbindet dasBerner Ober-Simmenthal mit dem Wallis. DerPaßweg sührt von Lenk im Ober-Simmenthal durchLas Pöschenriedthälchen und das Thal des Jffigen-baches zur Paßhöhe (2264m), auf der Grenze zwi-schen Len schweizer. Kantonen Bern u. Wallis, welchedurch ein Kreuz bezeichnet ist, u. dann abwärts zuden Hütten von Nieder-Rawyl u. weiter überAyentund Grimisnat nach Sitten (Sion) im Rhonethal.Das Rawilhorn hat eine Höhe von 2908 m.
Nawitsch (poln. Rawicz), Kreisstadt im KreiseKröben des preuß. Regbez. Posen, an der Posen-Breslauer Eisenbahn; Realschule I. O., Simultan-seminar, höhere Töchterschule, Strafanstalt, Schulefür verwahrloste Kinder; Tuch- und Tabakfabriken,Gerbereien, Töpfereien, Maschinenfabrik u. Eisen-gießerei, Roßhaarfabrik, Tuch- u. Leinwandhandel;11,141 Ew. einschließlich Garnison. sKÜ ,
Raivli nson, 1) SirHenry Creswicke^engii
Archäolog, geb. 1810; trat 1827 als Cadct in diebritisch-indische Armee u. begleitete John MalcolmzuverschiedenenMalen auf seinen Reisen; 1833 ginger mit mehreren englischen Offizieren nach Persien,um die Truppen des Schah auf europäischen Fußeinzuüben, u. beschäftigte sich seit 1838 mit der Un-tersuchnng über die Lage des alten Ekbatana, bes.aber mit der Entzifferung zunächst der persischen,später auch der assyrischen Keilinschriften, namentlichder großen Felseninschrift vou Bagistana od. Bisn-, tun. 1844 wurde er großbritannischer Consul in