Druckschrift 
Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6

Rcidschputcn

größtenTheil aus Dschat, dann aus ind.Aboriginer-stämmen,denMera, Mina,Bhil, endlich aus Nadsch-putenjs.d.) als derherrschenden Klasse, vondensndasLand den Namen führt; in dem Staate Tank sind derFürst u. ein Theil der BevölkerungMohammedaner.In der Indischen Geschichte haben die jetzt unter demNamen R. vereinigten Landstriche nie eine hervor-ragende Bedeutung gehabt; die Natur des Landesbedingte die Bildung von kleinen, schwer zugäng-lichen und abgeschlossenen Herrschaften. Erst in spä-terer Zeit drang hier die herrschende Klasse der R.als Eroberer ein. Seit 1818 datirt die Oberaufsichtder Engländer, von denen mit Erfolg die Abschaff-ung mancher barbarischen Sitten und Ausschließungdes Landes (so durch Anlage einer Eisenbahn überDschaipnr nach Adschmir) angebahnt ist. TlMemaiin,

Radschputen (Najpoots, vom sanskr. Radscha-putra.d.h. Königssöhne),der Name einer weitverbrei-teten Kaste inJndien, die ihreHerkunft von der brah«man. Kriegerkaste der Kschatrija ableitet, deren Ent-stehung aber auf die Zeit um den Anfang der christl.Aera znrückznführen ist, als die Einfälle der tnrani-schen Stämme ins Pendschab (s. Indien, S. 692) diedortigen Inder zu energischer Vcrtheidignng n. zurEroberung neuer Wohnsitze zwangen. Ursprüngtichwol hauptsächlich Mitglieder der Kriegcrkaste, dannverstärkt durch die kriegerische Beschäftigung thcilendeAngehörige anderer Kasten, unterwarfen sie sichdie Landstrecken u. Stämme des mittleren u. westl.Hindostan (Gond, Bhil, Mina, Mera), n. erreichtengegen das Ende des 10. Jahrh., wo Dynastien ansihnen in Adschmir, Gwalior, Delhi (s. Indien, S.694) regierten, den Höhepunkt ihrer Macht. Durchdie Angriffe der Mohammedaner, namentlich desGhoriden Sebektegin, Ende des 12. Jahrh., undspäter noch Aureng-Zeybs, wurde ihre Macht ge-brochen u. im Ganzen aus die Gebiete beschränkt, indenen sie noch gegenwärtig die herrschenden sind.Sie leben in der Gesammtzahl von ungefähr 10Will.) in Radschputana (s. d.), zahlreich in den NW-Provinzen, Bengalen, den Ländern Baghelkand u.Bundelknnd Central-Indiens, in Katsch n. anderenVasallenstaaten im nördlichen Theil von Bombay,im Pendschab, weniger im S. des Vindhja. Phy-sisch von schlanker Gestalt mit dnnkelgelber Haut,glänzend schwarzem Haar, feurigen Angen n. gebo-gener Nase, religiös Anhängerdes Brahmanismus,aber ohne das starre Kastenprincip, ihrem Charakternach ein Gemisch der verschiedensten Eigenschaften,ritterliche Tugend mit sklavischer ilnterthänigkeit ge-gen Obere, aufopfernden Mnth mit seiger Hinterlist,Treue und Anhänglichkeit mit Grausamkeit (so demweitverbreiteten Kindesmord bei Mädchen) vereintzeigend, lebten sie früher in feudalen Verhältnissenals Lehnsgrundbesitzer, in viele Stämme zerspalten,dem Krieg hingegeben und von Pächtern ernährt;jetzt ist ein großer Theil zu Landbauern herabge-sunken. Sie zerfallen noch m viele Stämme, dar-unter die Baghela, Dschareja, Parmar die bekann-testen. Thielemann.

Radschschahi(Rajshahye), 1) Division der indo-brit. Präsidentschaft Bengalen, im NO. derselbenzwischen Ganges und Brahmaputra gelegen, undvon zahlreichenNebenflüssen derselben bewässert, mitReis, Weizen, Hirse,Indigo vorzugsweise angebaut.45,825 u. 8,893,738 Ew. Sie zerfällt in die

Radziwill.

DistricteMurschidabad,Dinadschpnr,Maldah, Rang-pur, Pabna, Bogra n. R.; Sitz der obersten Behör-den ist Burhampore. 2) District darin, längs deslinken Gangesusers; 5786 festem n. 1,316,729 Ew.,Hanptort ist Rampnr-Balija, 22,291 Ew.

Radstadt, Stadt im Bez. St. Johann des öfter-reich. Herzogthums Salzburg, an der Enns, Stationder Kaiserin Elisabeth-Bahn; Kapnzincrkirche mitbyzantinischem Thnrme, Bürgerhospital (ans dein14. Jahrh.); 1869: 854 Ew. (Gem. 2048). In derNähe der Paß Mandling, welcher ans dem Pongaunach Steiermark führt. Im S. von R. liegt Ver-schon den Römern bekannte Paß des RadstädterTauern (1738 m).

Radwcllc , s. u. Rad.

Nadyn (Radzyn, Radin), Kreisstadt im rnss.Gonv. siedlce, im früheren Podlachien, mit lebhaf-tem Handel; 4351 Einw.; Besitzthnm der FamilieCzartoryski.

Ntldziwill, altes Geschlecht, dessen Ursprung sichin der Sagengeschichte Litauens verliert; Ahnherrwar Lizdijko. Schon 1750 betrugen die Besitzungendes Hauses R. zusammen 23 feste Schlösser, 426Städte n. Flecken, 2032 Vorwerke, 10,053 Dörfermit 502,658 Fencrstellen. Sie besaßen ans LiesenGütern fast sämmtliche Sonveränetät, in mehrerendie statutarische Gesetzgebung, das Recht, daß nur ansie appellirt werden konnte und das Recht Truppen(über 6000 Mann), selbst Artillerie, zu halten. 1) Ni-kolaus I., geb. 1366, wurde 1386 getauft u> starb1446 als Wojwode von Wilna. Bald bildeten sichdreiLinien. L.) Linie von Goniazd n. Medele:2) Nikolaus III., Kanzler von Litauen n. Palatinvon Wilna, wurde 25. Febr. 1518 vom Kaiser-Maximilian I. zum Neichsfürstcn ernannt, jedochohne Sitz n. Stimme im Fürstencollcginm. Als seinstamm schon 1547 in Nikolaus IV., Bischof vonSamogitien, ansstarb, übertrug Kaiser Karl V. dieFürstenwürdelO.Dec.1547 anfdievonNikolans'III.jüngerenBrüderngestiftetcnLinien. L) Linie vonBirze n. Dnbinki; Stifter: 3) Georg II., derjüngere, st. 1551. 4) Barbara, Tochter des Bor.,geb. 1523, welche 1546 die Gemahlin des KönigsSigismund August II. n. trotz allen Widerspruchs derpoln. Edeln 1550znPetrokow als Königin von Polengekrönt wurde, st. 1551 an Gift. 5) Nikolaus V.,Bruder der Vorigen, wurde 10. Dec. 1547 Reichs-fürst n. als solcher 14. Jan. 1549 vom Polenkönigebestätigt. Er hatte zwei Söhne, Nikolaus VIII.,dessen Linie 1613 ausstarb u. Christoph I., Fürst zuBirze. Dieser hatte auch zwei Söhne: Christoph III.und Janus I. a) Der Erstere 6) Christoph III.trat, da König Sigismund III ihm einige Kronen-ämter verweigerte n. dieselben dem Fürsten Sapieyagab, als beider Gegner und Freund der Schwedenauf und vermittelte ans dem Reichstage 1632 nachSigismunds Tode seinen Glaubensgenossen, denReformirten, einen günstigen Vertrag; von KönigWladislaw IV. zum Großfeldherrn von Litauen undzum Palatin von Wilna ernannt, focht er tapfergegen Rußland u. st. 1640; sein Sohn Janus II.beendete den Ast im Mannsstamme 1655. d) Dervon Janus I. gestiftete Ast: 7) Janus warCastellan von Wilna, wurde aber als Protestant vonSigismund III. von Polen seines Amtes entsetzt;er reihte sich den Gegnern des Königs an, wurde