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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
Entstehung
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Nadegast ist der Hauptgott der Obotriten, Diet-mar nennt als Sitz seines prachtvoll entwickelten Cnl-tns Radegast westl. der Peene, wovon der Name derGottheit selbst abznleiten wäre. Andere nennen dieStadt, in welcher der Tempel R-s gestanden hat,Rhetra; wegen der Unbestimmtheit der Lage dieserStadt wurde sie auch mit der schon früh zerstörtenmächtigen Stadt Wineta am Ausfluß der Oder(auch Jomsbnrg genannt) identiflcirt. Der Tempelu. das Standbild des Gottes werden nur mit weni-gen Worten von Helmold erwähnt, aus denen sichnichts Bestimmtes weder in Hinsicht der als goldenbezeichnet»! Bildsäule noch auch hinsichtlich Bedeut-ung der Gottheit schließen läßt. Spätere Schrift-steller schildern die Bildsäule des Radegast sehr ge-nau: eine nackte männliche Gestalt mit dem Speerin der linken u. einem mächtigen Schild in der rech-ten Hand n. mit einem Vogel auf dem Haupte. DieBedeutung des R. als Schutzgott der Gastfreund-schaft wird ans dem Namen gedeutet. Der Tempel istmit der Bildsäule selbst nach Helmold von dem Für-sten der Obotriten, Niklot, zerstört worden. Nehnng.

Radegast, 1) Stadt im Kreise Köthen des Her-zvgthnms Anhalt; Zuckerfabrik, Viehmärkte; 980Ew. 2) Nebenfluß der Stepenitz im Großherzogth.Mecklenburg-Schwerin.

Rädelsführer (lat. Dux oriminis), Anführerod. Anstifter einer Verschwörung ».Empörung; vgl.Oonoursus 5).

Radcmacher, Johann Gottfried, Medici-ner, geb. 4. Ang. 1772 in Hamm in der GrafschaftMark; stndirte in Jena u. Berlin u. lebte seit 1797als praktischer Arzt in Goch, wo er 7. Febr. 1849starb. R. befolgte in seiner Praxis dieHeilmethodender Ärzte des 16. Jahrh., welche er durch das Stu-dium der Schriften des Paracelsus u. dessen Schülerkennen lernte; er suchte vor Allem nach specifischenMitteln für jede Krankheit, thcilte jene in Universal-(Kupfer-, Eisen-, Salpeter-) u. Organmittel, welchletztere nur ans einzelne Organe wirkten, bestimmtedas Wesen der Krankheit nach der Heilwirkung derArzneien u. huldigte somit, jede wissenschaftliche For-schung ausschließeud, einer rohen Empirie. Er fandAnhänger genug, die Bernhardts u. Löfflers Zeit-schrift für Ersahrungshcilknnst zu ihrem Organemachten; sie bedienten sich fast durchgängig der Arz-neimittel, welche Paracelsus angewendet und derenHeilvcrmögenR. durch bloßes Probiren an den Kran-ken ermittelt hatte. R. schr. das berühmt gewordeneWerk: Rechtfertigung der von den Gelehrten miß-kannten verstandesgerechtcn Erfahrnngshcillehre deralten scheideknnstigen Geheimärzte, 4. A. Berl. 1852,2 Bde.; vgl. Bergrath, I. G. R., Eine biograph.Skizze, Berl. 1850; Jürgensen, Die wissenschaftlicheHeilkunde u. ihre Widersacher, Lpz. 1877. Thamhay».

Nadenhausen, Christian, bedeutender philo-sophischer Schriftsteller, geb. 3. Dec. 1813 zu Frie-

drichstadt a.d. Eider; war nach einander KaufmannLithograph n. Ingenieur n. lebt seit 1865 als Rent-ner in Hamburg. Schriften: Isis, der Mensch unddie Welt, Hamb. 1863, 4 Bde., 2 A. ebd. 1872; DcBibel wider den Glauben, ebd. 1865; Osiris, Welt-gesstze in der Erdgeschichte, ebd. 1876, 3 Bde. (der

з. Bd. in Separatansgabe als Mikrokosmos, DerMensch als Welt im Kleinen, ebd. 1876); Znm neuenGlauben, ebd. 1877. Die Tendenz dieser Schriftenist natnrphilosophisch in der umfassendsten Bedeut-ung, ans Grund der neuesten Ermittelungen in deneinzelnen Zweigen der Naturkunde, sowie der Welt-

и. Cnltnrgeschichte. Schroot.

Räder, Gustav, populärer Schauspieler u. Dra-matiker, geb. 22. April 1810 zu Breslau, betratdaselbst schon 1813 dis Bretter in Kinderrollen.L>eine eigentliche theatralische Carri^re begann er inAltcnburg, war dann in Kobnrg u. an verschiedenenanderen Bühnen, später am Berliner Königstädti-schen u. Hamburger Stadttheater, endlich von 1839bis zu seinem 16. Juli 1868 in Teplitz erfolgendenTode am Dresdener Hoftheater engagirt. Einer dervorzüglichsten Komiker, hat R. auch zahlreiche wirk-same Zanberpossen n. LÜngspiele (z. B. Der Welt--umsegler, 1843, Der artesische Brunnen, 1845, Ro-bert n. Bertram, 1856, Flick u. Flock, 1862) verfaßt,die gesammelt als Komische Theaterstücke, Dresden185964, 4 Bde.; n. Singspiele für kleinere Büh-nen, ebd. 1868 erschienen. Außerdem lieferte N.Bear-beitnngen, komische Opern u. gab 5 Hefte komischeCouplets, Dresd. 186970, heraus. Kürschner.

Rädern, eine qualificirte Todesstrafe, welchedarin bestand, daß dem Verbrecher bei der Hinrich-tung die Glieder zerschmettert wurden, entwedermittels eines Rades, welches über dem Verbrecherin Schwung gesetzt wurde, od. mittels eiserner Ken.len. Man unterschied dabei daS R. von oben herab,wobei der Anfang mit dem sogen. Gnadenstoß aufBrust od. Genick gemacht wurde, n. das R. von untenherauf, wobei mit dem Zerschmettern der Arme undBeine begonnen u.erst zuletzt der Brnststoß gegebenward. Zuletzt wurde der Leichnam auf ein Rad ge-flochten und mit demselben auf einer hohen Stangeausgestellt. Die neueren Criminalgesetzbücher habendas R. allgemein abgeschafft.

Näd erthi erchen, Rotatoria, mikroskopisch kleine,selten 1 mm große, meist im Wasser lebende Thier-chen, welche des letzteren Umstandes wegen früherzu denJnfusorien gerechnet u.jetzt von einigenZoo-logen den Gliederthicren, von anderen den Würmernzngezählt werden. Der durchscheinende Körper isteiförmig oder spindelförmig, zuweilen abgeplattet.Man kann an ihm meistens eine Rücken- u. Bauch-fläche unterscheiden. Die Haut ist weich n. elastisch,mit Ausnahme der Näderorgane nackt, bei einigenGattungen erscheint sie panzerartig u. trägt Stachel-fortsätze. Der Körper ist zuweilen durch seichte Eiu-

PiererS Uuiversal-LonversatwnZ-Lerikon. i>. Ausl- XV. Band.

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