Jmpietät —
die Haut u. dadurch herbeigeführte Übertragunggewisser Krankheiten, um andere Krankheiten zuverhüten oder zu heilen. Die Impfung kommtbesonders in Betracht bei den Pocken u. bei derSyphilis. Über die Pockenimpfung s. Kuh-pocke. Bei Syphilis hat man geimpft, indemman das syphilitische Gift theils schon Syphilitischenbeibrachte, um dadurch die vorhandene Syphilismilder zu machen u. selbst zu heilen, theils Gesunden,nm sie vor einerAnsteckung mitSyphilis zu bewahren(Syphilisation). Das Zweite muß als eine completeThorheit betrachtet werden, u. heutzutage wird zudiesem Zweck wol von keinem vernünftigen Arztedie Einimpfung des syphilit. Giftes mehr vorge-nommen werden. Dagegen ist von zuverlässigenBeobachtern (z. B. Sigmund u. Hebra) constatirt,daß einzelne schlimme Fälle von Syphilis durcheine größere Anzahl Einimpfungen (bis 400 aneiner Person) wirklich geheilt, andere in mildereFormen umgewandelt wurden. Die Methode hatalso einen gewissen Werth u. dürfte in Anwend-ung kommen, wenn Mercur u. Jod in einzelnenFällen ihre Wirkung versagen. Außer bei denPocken u. bei Syphilis hat man auch bei MasernScharlach, Cholera u. Diphtheritis geimpft, dochhat die Impfung in diesen Krankheiten keine prak-tische Bedeutung. — Durch Gesetz vom 8. April1874 ist die I. gesetzlich geregelt u. zwar dabeidas Princip der allgemeinen zwangsweisen u.Wie-der-J. zu Grunde gelegt. Die erste I. hat bisspätestens zum Schlüsse des 2. Lebensjahres, dieWieder-J. (Revaccination) im 12. Lebensjahre zuerfolgen. Vgl. desfalls Jacobi, Das Reichsimpf-gesetz vom 8. April 1874 rc. nach den Materialiendes Reichstags dargestellt, Berl. 1875. 2) (Gärtn.)s. Oculircn. 1) Kunze.
Jmpietät (v. Lat.), Gottlosigkeit, Verruchtheit.
Jmplacabel, unversöhnlich, unvereinbar.
Jmpliciren (v.Lat.), hereinziehen, verwickeln.Iinxlioits, einbegriffen, ohne deshalb besondersgenannt zu sein. Jmplicirte Function (Math.),s. u. Function.
Jmploration (lat.), 1) (röm. Recht) Gesuchan ein Gericht, welches keine Klage enthielt; 2)jetzt die Klage, welche im Summarischen Processeverhandelt wird; daher Jmploriren, klagendauftreten. Implorant u. Jmplorat, Klägeru. Beklagter.
Jmpluvium, s. u. Wohnhaus.
Jmponderabel (v. Lat.), unwägbar; Im-ponderabilien nannte man früher die für un-wägbare Stoffe gehaltenen physikalischen Agentien:Licht, Wärme, Magnetismus u. Elektricität. Esist jetzt theils nachgewiesen, theils wahrscheinlichgemacht, daß die Ursachen der bezüglichen Erschein-ungen gewisse Bewequnqszustände der Körper od.Äthermoleciile sind.
Jmponderabilitiit (v. Lat.), Unwägbarkeit.
Jmponiren (v. Lat.), 1) hineinlegen, auflegen;2) Eindruck machen, Achtung gebieten; daher Im-st onirend (Imposant), auffallend, Eindruck machen,ital. imxonsnts, in der Musik, gebieterisch.
Import (v. Lat.), Einfuhr; Jmportabel,einführbar, zur Einfuhr gestattet. Jmportiren,einführen; daher Jmportirte Maaren, ausdem Anslande bei uns eingefiihrte Maaren. Jm-
Jmprägniren. 663
portant, bedeutend, wichtig. Jmportanz, Be-deutung, Wichtigkeit.
Jmportnn (v. Lat.), zur Unzeit, ungelegen,dann auch ungestüm.
Imposant, s. u. Jmponiren.
Imposit» silsnUo (lat.), mit Auflegung der Ver-schwiegenheit.
Jmpossibel (v. Lat.), unmöglich; daher Jm-possibilität, Unmöglichkeit.
Jmpost (v. Lat.), 1) indirecte Abgabe, für denVerbrauch einer Maare, z. B. des Weines, Bieres;vgl. Accise und Steuer; daher Jmpostiren, be-steuern; 2) (Bank.) so v. w. Kämpfer.
lmpostöres (lat.), Betrüger; I. äootü, Gelehrte,welche absichtlich Schriften Anderen untergeschoben,oder falsch citirt, oder ausgelegt, oder auch mitWissen irrige Lehrsätze vertheidigt haben.
Impotent (v. Lat.), unvermögend, besoud. ingeschlechtlicher Beziehung.
Impotenz (lat. Impotsntüa), das Unvermögen,Kinder zu zeugen. Dieselbe beruht häufig aufFehlern der Geschlechtsorgane, und zwar beiMännern im Fehlen oder Entartungen derHoden, so daß keine Samenzellen gebildet werden,n. in mangelhafter, abnormer Entwickelung desmännlichen Gliedes; in letzter Hinsicht gilt bes. dieLage der Harnröhrenmündung am unteren Theileder Schwellkörper (Hypospadie), nicht an der Spitzeder Eichel, als Hinderniß, den Samen bei der Ent-leerung in den Eingang der Gebärmutter einzu-spritzen; Frauen sind impotent oder, richtigergesagt, unfruchtbar bei Verwachsungen der Scheide,des Gebärmnttereingangs, bei Knickungen der Ge-bärmutter, Entartungen der Eierstöcke rc. Bis-weilen sind allgemeine Krankheiten die Ursachender I.; bes. gelten Zuckerruhr, Geisteskrankheiten,Fettsucht u. Alkoholismus als solche. Meist ist essehr schwierig, die Ursachen zu ermitteln, oft ganzunmöglich, und selbst manche der oben genanntenKrankheiten der Geschlechtsorgane lassen nicht immermit Sicherheit darüber bestimmen, ob Jemand im-potent ist. Dies gilt besonders, wenn entschiedenwerden soll, ob eine männliche Person wegen ihreshöheren Alters impotent ist; während bei Frauen,sobald die Periode aus Altersgründen verschwun-den ist, niemals eine Empfängniß stattfinden kann,weil die Eientwickelung in den Eierstöckeu damitaufgehört hat, lehrt dagegen die Erfahrung, daß sehr-alte Männer noch Kinder zeugten. Bei dem Bestre-ben aller Verheiratheten, Kinder zu zeugen, ist eserklärlich, warum Schwindler, die vorgeben, einMittel gegen I. u. Unfruchtbarkeit zu besitzen, soleicht Gehör finden. Nur dann, wenn eine zubeseitigende Störung der Geschlechtsorgane vor-handen ist, z. B. bei Frauen eine Verstopfungdes Gebärmuttereingangs, kann man durch Be-handlung dieser die Hoffnung haben, daß die Frauempfangen werde; bei Männern ist jedoch fastausnahmslos die I. ein unheilbarer Zustand u.kennt man namentlich keine inneren Mittel gegenImpotenz. Kunze.
Jmprägniren (v. Lat.), 1) schwängern; daherJmprägnator, Schwängerer; 2) (Chem.) einenKörper mit einer Flüssigkeit, Gas rc. durchdrungen,d. h. sein Inneres damit anfüllen, z. B. Holzmit einer Salzauflösung, um es vor Fäulniß zu