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Stoffwechsel der Pflanzen — Stoiker.
Stoffwechsel der Pflanzen, s. Ernährung derPflanzen.
Stahmann, Friedrich, hervorragender Che-miker, geb. 25. April 1832 zu Bremen; studirte rnGöttingen u. London, wurde daselbst 1853 Assistentvon Prof. Graham, 1857 Assistent einer landwirth-schaftlichen Versuchsstation zu Weende bei Göttingen,1862 Vorstand einer solchen in Braunschweig, 1865desgleichen in München, 1865 — 66 in Halle, 1866Professor für Agrikultur-Chemie ebenda, seit 1871Professor u.Direktor des landwirthschaftlich-physio-logischen Instituts an der Universität Leipzig. Erschr. zahlreiche Werke ».Abhandlungen, meist che-misch-technischen Inhalts; bes. bemerkenswerth:Biologische Studien, Brnschw. 1873; Die Stärke-fabrikation, Berl. 1878; Handbuch der Zuckerfabri-kation, ebd. 1878 f.; in Gemeinschaft mit Engler:Handbuch der technischen Chemie nach Payers 6!ii-irüs iiuinstrlsUs, Stuttg.1872. MitHenneberg zu-sammen gab er: Beiträge zur Begründung einer ra-tionellen Fütterung der Wiederkäuer, Brnschw. 1860u. 1864, 2 Bde., u. die Jahresberichte über die Fort-schritte der Landwirthschast, Gott. 1857—68, heraus.VonseinerEncyklopädiedertechn.Chemie (anfGrund-lage von Muspratts Chemistry) erscheint gegenwär-tig die von ihm in Gemeinschaft mit Kerl u.A. der-anstaltete 3. A. in 7Bdn., Brnschw. (erschienen bisNov. 1878 6 Bde.). Außerdem hat S. eine großeReihe von Abhandlungen landwirthschaftlichen, phy-siologischen, analytisch-chemischen rc. Inhalts in ver-schiedenen, meist landwirthschaftlichen u. technischenZeitschriften veröffentlicht. Jungck.
Stoicismus, s. Stoiker.
Stoiker, der Gesammtname einer griechischenPhilosophenschule, welchen sie von der Stoa, einer-offenen Säulenhalle in Athen, erhielt, in welcher ihrStifter, Zeno (s. d.) aus Kition, zu lehren pflegte.Der Lehrbegrisf dieser Schule wurde von Zeno nurin seinen Grundzügen ausgestellt u. erst von seinenSchülern ».Nachfolgern, namentlich von Kleanthesans Assos in Troas und noch mehr von Chrysipposaus Soli in Kilikien weiter ausgebildet. Die Ent-wickelung der stoischen Lehre fiel in eine Zeit, inwelcher das eigentlich spekulative Interesse unter denGriechen schon sehr gesunken war, n. es tritt daherin derselben das Bestreben hervor, die Philosophiein gemeinverständlicher Form n. mit vorherrschen-der Rücksicht auf das thätige Leben zu behandeln.Die S. definirten die Philosophie als die Kenntnißgöttlicher u. menschlicher Dinge n. behielten die seitPlato u. Aristoteles eingcfllhrte Eintheilung dersel-ben in Logik, Physik u. Ethik bei. Das größte Ge-wicht legten sie auf die Ethik, welcher sie die Physikbeiordneten, während sie der Logik als vorbereiten»LerWissenschaft eine untergeordnete Stelle anwiesen.Die Logik enthält zugleich ihre Theorie der Erkennt-niß. Ausgangspunkt der Erkenntniß ist ihnen diesinnlicheEmpfindung, der Eindruck, welchen die Dingeauf den Vvrstellenden machen. Das Kriterium derWahrheit war ihnen die Unabweisbarkeit theils ver-sinnlichen Empfindung, theils des vernünftigen Den-kens. Ihre Physik (Naturphilosophie u. Theolo-gie) bewegte sich um die beiden Begriffe des Stoffsund der Kraft; die Materie als Vas allgemeine, derWelt zu Grunde liegende stoffartige Wesen u. Gottals das thätige u. bildende Princip dachten sie nicht
als von einander getrennt existirend, sondern als zueiner Einheit verbunden. Gott ist die ewige, ver-nünftige, Alles lebendig durchdringende u. harmo-nisch zusammenhaltende, der Welt immanente Ur-kraft, die Welt in ihren einzelnen Erscheinungen dieDarstellung derselben. Die Welt, als die Darstell-ung der einen, Alles durchdringenden Urkraft ist eine,u. Alles steht in ihr in genauestem Zusammenhangs;aber sie ist vergänglich, weil alle einzelnen Dinge inihr vergänglich sind. Der Verwandlungsproceß dergöttlichen Urkraft in die Welt ist daher an gewissePerioden gebunden; jede dieser Perioden bezeichne-ten sie als ein Weltjahr, und die Zurücknahme allesGewordenen in die göttliche Urkraft als Weltver-brennung. Nach Ablauf eines Weltjahrcs beginnteine neue Weltentwickelnng in derselben Form. DieWelt ist immer vollkommen, im Ganzen wie im Ein-zelnen (stoischer Optimismus). Hiermit suchten siedas Dasein des Übels u. des Bösen dadurch zu ver-einigen, daß sie es als eine Nebenfolge ansahen,welche unvermeidlich sei, wenn das Gute u. Vortreff-liche in seinem rechten Lichte erscheinen sollte; auchkönne das, was an sich als schlecht u. unvollkommenerscheine, im Verhältnis zum Ganzen gut sein. Soenthält die Physik der S. einen Pantheismus, inwelchem die Begriffe Kraft u. Stoff, Vorsehung u.Schicksal in einander fließen. Für die Ethik, alsdie Wissenschaft von dem, was für den Menschendas höchste Gut u. der letzte Zweck ist, stellten sie alsobersten Grundsatz ein mit der Natur übereinstim-mendes Leben auf. Dieses Princip, dessen Unbe-stimmtheit auch dadurch nicht verbessert wird, daßsie unter der Natur bald die allgemeine in der Weltverbreitete Vernunft, bald das ihr entsprechenderichtige Urtheil über das, was zu thun n. zu lassensei, verstanden wissen wollten, bekam eigentlich erstdadurch seinen Sinn, daß ihnen die Würde der sitt-lichen Gesinnung unabhängig von allen anderenMotiven fcststand u. sie die Glückseligkeit (Eudämo-nie) von der Tugend, nicht diese von jener abhängigdachten. Die Glückseligkeit ist ihnen nicht Motiv dessittlichen Handelns, sondern eine natürliche u. noth-wendige Folge. Das persouificirte Ideal der Sitt-lichkeit führten sie in der Schilderung des Weisenaus. Das Gewicht, welches sie auf die sittliche Ge-sinnung legten, führte sie zu dem, zu ihren Para-doxen gerechneten Satze, daß die Handlungen desWeisen untadelhast seien, selbst wenn er äußerlichunrecht handle, u. daß ihm eine vollkommene Selbst-genügsamkeit (Autarkie) u. Unempfindlichkeit (Apa-thie) gegen Alles zukomme, was nicht zur Tugendgehöre; daher man durch den Ausdruck Stoicis-mus häufig vorzugsweise die ruhige Gleichgiltigkeitgegen Schmerzen, Leiden u. Entbehrungen bezeich-net. Fehler u. Laster erschienen ihnen als Schwächenu. Krankheiten der Seele, und den ausführlichen u.namentlich bei den späteren S-u sehr ins Einzelne,oft selbst ins Kleinliche gehenden Classificationen u.Definitionen der einzelnen Tugenden steht eineebenso ausführliche Classification der Affecte u. Lei-denschaften gegenüber.
Unter den zunächst auf Chrysippos folgenden Re-präsentanten der StoischenSchule sind vorzugsweisezu nennen: Boethos, Zeno aus Tarsus, Diogenesaus Seleukia (gewöhnlich Babylonins genannt),Anlipater aus Tarsus, Archidemos, Panätios aus