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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
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Europa (Grschichtl. Entwicklung).

wußtsein, durch Familiengeist und Sittenreinheit.Jahrhunderte lang waltet der Römer Herrschaftüber dem Erdboden: aber sobald das Römervolkherabsinkt zu willkürlichem Bedrückungsgeiste, mitunersättlicher Herrschsucht bis in die fernsten Völ-kersitze um sich greift, im Innern aber durchMachtdünkel u. Schwelgerei seinem alten Cha-rakter und seinen alten Tugenden untreu wird u.damit seine innere Festigkeit, seinen inneren Halterschüttert, erscheinen Germanen und die wildenHorden aus dem nordöstlichen Asien aus demhistorischen Schauplätze u. bereiten dem im In-nern bereits verfallenden römischen Koloß denUntergang um so rascher, als sie Roms politischeKünste sich aneignen. Was das Christenthnm inden bereits erschlafften Elementen des Römer-reiches nicht mehr fand, das bot sich ihm in dernoch ungebrochenen Kraft der germanischenStämme der kräftige Keim zu segensreicherEntwickelung.

Mit dem Einbruch der Hunnen von Asien ausbegann die große Völkerwanderung, u. der Sturzdes weström. Reichs durch Odoaker 476 bezeichnetden Anfang des heutigen E. und der neuerenStaatenbildung. Während das oströmische Reichmit der neuen Residenz Constantinopel noch^ durch ein Jahrtausend ein kümmerliches Daseinfristet, erhebt sich auf den Trümmern der rö-mischen Macht in WE. die neue politische Weltder Germanen.

In Italien ersteht, nachdem das HernlerreichOdoakers schon 493 untergegangen, das Ostgothische^ Reich, dem der Byzantiner Rarses ein Ende machte,

! worauf im Herzen Italiens dasExarchat, eine oström.

^ Provinz, errichtet wird, welche wiederum dasseit568im nördl. E. sich erhebende Longobardenreich ansich reißt, um sie kurz darauf schon an den Fran-ken Pipin zu überlassen, welcher aus Theilen vonihr den Grund zum Kirchenstaate, zur weltlichenMacht des Papstes, legt. Das Longobardenreichmuß Karl d. Gr. sich unterwerfen, bis auidas Lagnnen-Gebiet, in welchem oberitalienischeFlüchtlinge den Grund zu der nachmals so mäch-tigen Republik Venedig legen. In Spanienwährte die Herrschaft der ersten dorthin eingedrun-" genen Deutschen, der Sueven, nur von 411585,das daneben erstandene Westgothische 419712,von den Alanen 411418 und den Vandalen!- 411429 nicht weiter zu sprechen. In Gallien!! herrschten die Westgothen seit 412 ein Jahrhunderti lang, u. ebenso lange seit 436 die Burgunder;I in Dacien u. Pannonien die Gepiden 453568,u. Avaren 568 799. Diesen theilweise ephe-meren Völkererscheinungen gegenüber erhielt sichdie Angelsächsische Herrschaft in Britannien seit449, das Spanisch-Westgothische Reich in Astu-rien seit 712, während der übrige größere TheilSpaniens erst eine Provinz des Khalifats, danndie Beute verschiedener unabhängig sich machender! Statthalter derselben wird. Das Frankenreich aber,^ durch Chlodwig in Gallien 486 gegründet, schreitets stetig im Herzen E-s fort, um endlich dem ims N. u. O. noch währenden Drängen u. Wogen derVölkerstämme durch Karl d. Gr. einen mächtigenDamm zu setzen; nicht nur das ganze nördliche! Italien und die jenseits der Pyrenäen gelegene

Spanische Mark, auch das ganze Sachsenland imN. u. O. u. das Land der Avaren im SO. beugtsich unter fränkischer Herrschaft. Die Normannen,die Dänen gehen auf abenteuerliche Züge aus, dieersteren bis in den S. E-s; aus den Angelsäch-sischen Staaten hat sich ein Königreich England827 u. im N. seit 819 ei l schottisches Königreichentwickelt; an der unteren Wolga bis zum Dnjestrsetzen sich die Chazaren fest u. Ende des 9. Jahrh.müssen die Bulgaren an der untern Donau u. derTheiß den Magyaren Platz machen.

Während im südwestlichen n. nördlichen E. ger-manisches Lehnswesen bis ins Extrem sich aus-bildet, in Allem die unbeschränkteste Selbstsuchtroher Aristokratie sich breit macht, die Vasallenzur Erbherrschaft und damit zur Landeshoheit sichempor zu schwingen suchen, treten im O. slavischeStaaten mit alleiniger Giltigkeit der machthabendenFamilien u. daher ohne Keime eines für künftigeEntwickelung empfänglichen Bllrgerstandes hervor.Zu Beginn des zweiten Jahrtausends ist das rö-misch-deutsche Kaiserthum der Mittelpunkt derenrop. Geschichte, das von ihm losgerissene Kö-nigreich Frankreich muß nach demFaulen"Ludwig sich erst wieder erneuern u. die beidenBurgund, kaum 100 Jahre lang zu Einem ver-bunden, fallen an die fränkische Monarchie. InOberitalien erheben sich neben reichen Bischöfenmächtige Herzoge u. Markgrafen, beginnen größereStädte unter beständigen Reibungen der Kaiserlichen(Ghibellinen) und der Päpstlichen (Gneisen) dieUnabhängigkeit anzustreben n. wird die deutscheHerrschaft mehr n. mehr zurückgedrängt, währendin Unteritalien neben den Osrrömischen Herzogenund Statthaltern selbständige Staaten u. unab-hängige Städte sich behaupten, bis die Nor-mannen Siciliens dies- n. jenseits der Meerengesich bemächtigen. In Spanien tritt von demkleinen Oviedo aus das Königreich Leon u. mitihm die Grafschaft Castilien schon kräftiger gegen-über dem arabischen Element hervor. Im N.reicht das vereinigte Königreich Norwegen bisznm Weißen Meere u. an Stelle des Chazaren-Reichs erhebt sich ein russisch-slawisches Reich,das bald vom Ladogasee bis zum Kaukasus sichansdehnt. Die von Len Magyaren verdrängtenBulgaren finden neue Wohnsitze im Oström.Reich, u. am Nordrande des Schwarzen Meereszeigen sich bereits türkische Stämme, die Petsche-negen. Das Wcltregiment aber führt die durch dasGenie Gregors VII. geschaffene Obermacht des Papst-thums. Aus kirchlich-religiöser Ueberzeugung ruftUrban II. zur Wiedercroberung des heiligenLandes den Occident, u. dem ersten Kreuzzng folgtnoch eine Reihe anderer, aber mehr von politischenBerechnungen hervorgerufen. Das Gelobte Landwurde nicht europäischer Besitz, wenn auch eineZeitlang ein Lateinisches Kaiserthum besteht unddie Lateinischen Ritter Königreiche rc. in Klein-asien, Griechenland rc. errichten, aber im Ver-ein mit andern in der Zeit wirkenden Factoreubrachten diese Züge einen mächtigen Ausschwung,neues Leben. Die Krenzzüge entvölkerten zwarden Occident, aber sie brachten jene Veredelungund Reinigung des Ritterwesens, die sich so treff-lich in den geistlichen Ritterorden spiegelt, und