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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
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Erfurt.

: Lwdwcrker, patriotische Vereine, Franenvcrem,Mrcm für verwahrloste Kinder; die Stiftung' Retionaldank hat hier ein Commissariat, in wel-Om mehrfache wohlthätige Stiftungen begründetÖffentliche u. milde Anstalten: Ar-beitshaus, Hospital, 2 Krankenhäuser, 2 Waisen-»Suser, ferner das Martinsstift (s. ob.), Institut.hir Aligenkranke, 2 Rettungshänser (evangelischesu. katholisches). Die Industrie E-s ist ziemlich be-deutend; es hat Teppich-, Tapeten-, Glas-, Leder-,' abak-, Starke-, Nudeln-u. Cichorienfabriken, Fa-briken für Chemikalien, Gummi-, Eisen- u. Blech-waren, starke Schuhmacherei; ferner gibt es Eisen-meßercienn. Maschinenfabriken, eine kaiserl. Gewehr-Mrik, Kammgarn- n. Zwirnspinnereien, Band-ebcreien, Strumpfwirkereien, Getreide- u. Öl-mühlen, Bierbrauereien, Branntweinbrennereien,iLollgarnfärbereien, Bleichereien, Möbel- u. Lam-'msabriken rc. Es hat einen sehr lebhaften'andel, namentlich mit den Producten des Garten-'aues, Getreide, Holz u. Kohlen, der durch starkbesuchte Märkte noch gehoben wird. Berühmt ist-E. durch feine Gartencnltur, die gegenwärtig, nachleumann, Deutsches Reich II., von 37 Kunst- n.'andelsgärtnern (darunter 27 Engroshändler), aufeinem Flächenranm von 140 Im (ohne den Dreien-brunneu) betrieben wird. Jährlich werden dnrch-chiüttlich 300,000 Kataloge versandt. Die Cultnrrou Bluniensamen umfaßt 56 n. die von Gemüse-jauienöl ba, während die Gewächshäuser, Kalt- u.ISarmbeete für die Cultnr exotischer Pflanzen ca.

25.000 Hfm bedecken. Von Blumen werden vor-wgsweise Astern u. Levkojen in je 250 verschiedenenArien cnltivirt. An Levkojensamen allein kommtjährlich ein Quantum im Welche von ca. 140,000 Nin den Handel. Versandt werden außerdem durch-schnittlich jährlich ca. 150,000 Stück junge Geor-ginenpflanzen, 160,000 Stück junge Nelkenpflanzen,

120.000 Edelrosen, dann in Millionen von Exem-plaren Orchideen, Pelargonien, Fuchsien, Ver-benen, Heliotropen rc. In einzelnen Gärtnereienwerden aus getrockneten Blumen Bouquets her-gestellt, die nach allen Welttheilen, namentlichnach SAmerika, ausgeführt werden. Von Ge-müsen werden gezogen: Blumenkohl (jährlich ca.

10.000 Schock), ungeheuere Mengen Brnnnen-Iresse, Wirsing (über 20,000 Schock jährlich),Spargel, Gurken, Sellerie rc. An Productendes Gartenbaues wurden in einem Jahre schonversandt: 1730 Ctr. Blumenkohl, 36,564 Ctr.Mensriichte, 17,087 Ctr. Anis, Fenchel, Co-mnder rc., 3838 Ctr. Kleesamen, 11,350 Ctr.Olsamen, 1122 Ctr. Gartensämereien, 235 Ctr.Eträucher u. Bäume, 121 Ctr.Blnmensamen. Dieschönste Gartenanlage bei E. ist der oberhalb derStadt gelegene Dreien- oder Trennenbrunncn,aO na groß, von denen 18 lm zum Gemüsebaun. S üg. Mein zum Anbau der Brunnenkrcsse(>n langen Wassergräben, sogenannten Klingen)dwwandt werden; diese Fläche war noch im 16 .IS ^ Sumpf n. ist erst seit dem Ende desui.^ahrh. cnltivirt worden. In Garnison liegenn E.: der Stab der 8. Div., der 15. u. 16. Jiif.-

der 8. Cav.-Brigade, 2 Bat. des Jnf.-Reg.

^Eat. des Jnf.-Reg. Nr. 71, ferner eineHeilung Feldartillerie. E. hat ein Theater; die

Umgebungen der Stadt (Steiger) bieten viele an-mnthige Punkte. Freimaurerloge: Karl zu dendrei Adlern. 1875: 48,025 (im 16. Jahrh. an-geblich 58,000) Ew., von denen ca. V» Katholiken(1816: 18,066, 1858: 35,412, 1867: 41,760,1871: 43,616). E. ist Geburtsort des Theologenund Alterthnmsforschers Johann Joachim Beller-mann, des Orientalisten Ludolf, des AstronomenSchröter, des Chemikers Trommsdorff. — 2 kmnördl. von E. auf dem Johannisfeld bei Ilvers-gehofen ein Steinsalzbergwerk, das 1870 357,000Ctr. reines Salz förderte; es ist durch eine Eisen-bahn mit dem Bahnhof E. der Thür. Eisenbahnverbunden.

E. soll der Sage nach von einem gewissenErpes gegründet n. darnach Erpesford genanntworden sein, wahrscheinlicher aber wurde es zurZeit des Bonifacins angelegt, welcher hier um741 ein Bisthnm gründete, das jedoch schon 755einging. 805 von Karl dem Gr. zum Handels-platz mit den Sorben bestimmt, wurde E. iniMittelalter, besond. vor Einführung des Indigos,Mittelpunkt des thüringischen Waidhandels undzugleich Stapelplatz des Saflors u. Anis zwischenOber- n. Nieder-Deutschland. 1080 wurde E.von Heinrich IV. geplündert u. in Brand gesteckt,stand von 1109—1137 unter der Oberhoheit derLandgrafen von Thüringen u. wurde 1118 vonLothar von Sachsen eingenommen. Hier unterwarfsich ans dem Reichstag 1181 Heinrich der Löwe demKaiser Friedrich Barbarossa n. 1184hieltHeinrich VI.in E. eine Fürstenzusammenknnft, wobei der Ein-sturz eines Saales viele Menschen tödtete. 1203,als Philipp von Schwaben, dessen Partei es ge-nommen, sich dort befand, wurde cs längere Zeitbelagert. E. gehörte zu dem Kirchsprengel u. derweltlichen Gerichtsbarkeit der Erzbischöfe, nachmalsKurfürsten von Mainz und ward, da die Stadtden Gehorsam verweigerte, in: 13. Jahrh. mehr-mals mit Bann u. Jnterdict belegt. ErzbischofGerhard I. gestand E. 1255 eine besondere Stabt-obrigkeit (3 Rathsmcister u. 12 Beisitzer) zu.Hier 1289 großer Reichstag, von Rudolf vonHabsburg angeordnct, wodurch dem Faustrecht inThüringen gesteuert wurde. Viele Fehden führteE., so mit Friedrich dem Gebissenen, der von E.die Grafschaft an der Schmalen Gera, die seinVater Albrecht der Unartige 1270 wiederkäuflichan die Stadt verkauft hatte, znrücksorderte, von1309—1316, wo E., zugleich von innerlichen Un-ruhen bedrängt, den Frieden für 10,000 MarkSilber erkaufte. Für ein jährliches Schutzgeldbegab sich E. 1483 in die Schntzgerechtigkeit desHauses Sachsen, welchen Vertrag es, bei innerenUnruhen von Mainz verlassen, 1516 erneuerte.Luther studirte von 1501 daselbst, auch war erdort Augustinermönch u. 1524 nahm E. die Re-formation an. Deshalb ausgebrochene Unruhenstillte ein Vergleich mit Kurmainz. Viel litt E.im Dreißigjährigen Kriege u. öffnete 1631 denSchweden die Thore. Der Petersberg wurde vonden Schweden besetzt gehalten, während Banerdaselbst 1640 lange sein Hauptquartier hatte. ImWestfälischen Frieden wurde die Oberhoheit desErzstiftes über E. anerkannt, aber Knrsachsenweigerte sich, seiner Schutzgerechtigkeit zu entsagen,