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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
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Erdmagnetismus.

1 u. 2 Uhr Nachmittags, worauf sie wieder sinkt,u. zwar in den Nachmittagsstunden schneller, inden Abend- u. Nachtstunden langsamer. Die to-tale Intensität erreicht ihr Maximum Abends10 Uhr, ihr Minimum Morgens 10 Uhr. Einder Intensität entgegengesetztes Verhalten zeigt dieInklination; sie hat Morgens gegen 10 Uhr ihrMaximum, Abends gegen 10 Uhr ihr Minimum.

Außer diesen periodischen Änderungen tretenauch noch hänfige unregelmäßige Änderungen od.Störungen des E. auf, die sich, wie Gauß undWeber gezeigt haben, gleichzeitig an verschiedenenziemlich weit von einander entsernten Orten gel-tend machen, so daß ihre nicht-locale Natur voll-ständig außer Frage ist. Namentlich stehen Erd-beben, vnlcanische Ausbrüche n. insbesondere dieNordlichter in innigem Zusammenhänge mit denStörungen des E.

VI. Magnetische Curven u. Karten. Manhat schon seit längerer Zeit namentlich die De-klination, später auch die Inklination u. in neue-ster Zeit auch die Intensität des E. an zahlreichenOrten bestimmt u., um eine bequeme Übersicht zuerhalten, ein graphisches Verfahren angewandt,indem man aus genauen Karten die gefundenenResultate eintrng. Alsdann verband man die Orte,in welchen je eines der drei Beobachtungsobjectegleichen Werth hatte, durch Linien, die man iso-gonische, isoklinische od. isodynamische Linien nannte,je nachdem es Linien gleicher Deklination, Inkli-nation oder Intensität waren. Die erste der soconstrnirten Karten von Hallcy für das Jahr 1700ist eine Declinationskarte. Zu erwähnen sind fer-ner die magnetischen Karten Hansteens (1819) u.vor Allem die berühmten Gauß-Wcberschen Karten.Ausgezeichnete Specialkartcn für Deutschland be-sitzen wir in den magnetischen Karten von Lamont(München 1854).

Diejenige Linie, welche die Punkte verbindet,für welche die Deklination gleich Null ist, heißtAgone; sie ist wie alle Jsogonen eine vielfach ge-krümmte, geschlossene Linie, welche die Erdober-fläche in zwei Hälften trennt, von denen die einewestliche, die andere östliche Deklination zeigt.Westlich ist augenblicklich die Deklination in dennordöstl. Theilen von N- u. SAmerika, im größ-ten Theil des Atlantischen Oceans, in ganzAfrika u. Arabien, in Europa mit Ausnahme desöstl. Rußland, im Indischen Ocean, südlich vonCeylon u. Java, sowie im westl. Australien, end-lich in einem isolirten, Japan u. einen kleinerenTheil von China umfassenden Gebiet im O. Asiens,in den übrigen Theilen der Erde, also dem östl.Rußland, dem Großen Ocean und dem größtenTheil Asiens u. Amerikas ist sie östlich. Die Jso-gonen schneiden sich alle in den beiden Polen derErde, da sich in denselben ja auch alle astrono-mischen Meridiane schneiden; dort hat also dieDeklination, obgleich sie eine ganz bestimmte Richt-ung hat, alle möglichen Wcrthe, die davon ab-hängen, welchen astronomischen Meridian man zuGrunde legt. Außerdem schneiden sich dieselbennoch in zwei anderen Punkten in der Nähe derbeiden Pole, den beiden sogenannten magnetischenPolen. Der eine derselben befindet sich auf derInsel Boothia Felix bei 70° 5' n. Br. n. 96°

46' w. L. von Greenwich, der andere befind,csich südl. von Tasmania bei 66° südl. Br. u. l«>östl. L., wie sowol aus den Berechnungen v«,Gauß hervorgeht, als auch durch direkte Beobacht,ungen von dem Capitän James Roß beMwurde. Aus dem Gesagten geht hervor, daß disogonischen Linien in der Nähe der Pole ei,ziemlich verwickeltes System bilden; es rührt dichVerwickelung jedoch nur von der Wahl des Cur-vensystems her und verschwindet, wenn man mitDnperrey diemagnetischen Meridiane» zu Grund,legt. Reist man nämlich von einem Orte ausimmer in der Richtung etwa des NPols der Mag-netnadel fort, so ist der zurückgelegte Weg eiamagnetischer Meridian". Alle magnetischen Meri-diane schneiden sich nur in zwei Punkten, denmagnetischen Polen der Erde. Curven, welche dirmagnetischen Meridiane rechtwinklig durchschneiden,heißen nach Dnperrey magnetische Parallele. DieVerbindungslinien der Punkte ohne InklinationAkline oder magnetischer Äquator, schneidet denastronomischen Meridian in mehreren Punkten u.ist, wie alle Jsoklinen, eine mehrfach gekrümmtegeschlossene Linie. Die Jsodynamen haben an-nähernd denselben Verlauf, wie die Jsoklinen.

VII. Theorie des E. Die ersten Versuche,die Erscheinungen des E. zu erklären, von TobiasMayer, der in der Mitte der Erde, später ctmum den 7. Theil des Erdradius von dersebe»entfernt einen kleinen Magneten annahm, sowievon Hansteen, der die Wirkungen des E. durchAnnahme zweier kleiner Magnete von ungleicherLänge u. Stärke zu erklären suchte, lieferten keinegenügenden Resultate. Gauß legte deshalb seinerTheorie keinerlei Hypothesen über die magnetischeVertheilnng ini Innern der Erde zu Grunde.Seine Untersuchungen finden sich ini 3. Bande derResultate aus den Beobachtungen des Magneti-schen Vereins u. liefern in Kurzem folgende Er-gebnisse. Zunächst liefert seine Theorie eine For-mel, die uns in den Stand setzt, den magnetischenZustand der Erdoberfläche (Deklination, Inklina-tion u. Intensität) durch Rechnung zu finden. Erzeigt dann ferner, daß der Sitz des E. im In-nern der Erde und nicht etwa in der Atmospärezu suchen ist, findet, daß die magnetische Achse derErde nicht die Verbindungslinie der beiden mag-netischen Pole, sondern der Punkte 77° bv' n. Br.,63° 31' w. L. von Greenwich u. 77° SO' südl. Br.116° 29' östl. L. ist. Was die Stärke des E.betrifft, so sind nach Gans; 8464 Trillionen ein-pfündiger Magnetstäbe erforderlich, um dieselbemagnetische Wirkung im äußeren Raume zn er-zielen, wie die Erde; bei gleichförmiger Bertheu-ung des E. übt jedes ebin der Erde dieselbeWirkung, wie 8 solcher Stäbe ans.

Über die Art u. Weise der Vertheilnng u. überdas Wesen des E. enthält die Gaußsche Theorienichts. Dagegen hat Lamont es wahrscheinlich ge-macht, daß der E. in einem kompakteren Hohl-kerne, der sich unter der weniger dichten Erd-rinde befindet u. von zahlreichen metallischen Aderndurchzogen ist, seinen Sitz habe. Diese Hohlkugelteilt er sich nicht überall gleich dick vor, sondernnimmt an, daß sie mehr od. minder hohe Erheb-ungen resp. Senkungen ähnlich der Erdoberfläche