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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
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Erdbrennen Erde.

leichte u. hüpfende Flammen ans, die sich, wennsie schwach u. niedrig sind, ausblasen lassen, jedochgleich wieder auflodern; wenn sie aber mächtigersind, nur durch Ausgießen mit Wasser auf einigeZeit verlöscht werden. Dergleichen finden sich sehrviele in der Nähe des Kaspischen Meeres (beiBaku und auf der ganzen Halbinsel Apscherou),in Italien bejPietra Mala u. an vielen Ortenin Frankreich, bei Barthelemy (Vontains nr-äenbs); in den Öldistricten NAmerikas entströmenvielen Bohrlöchern brennende Gase. Ans den inSteinsalzlagern angelegten Gruben entwickelt sichhäufig ebenfalls Kohlenwasserstofsgas, welches beiSzlatina in Ungarn sogar znr Beleuchtung ver-wendet wird. Das Brennmaterial bei ihnen istwahrscheinlich in hoher Temperatur entwickeltesKohlenwasserstoffgas, das bei Berührung der Luftsich selbst entzündet. Die tiefer brennenden eigent-lichen E. beruhen entweder aus Selbstentzündungschwefelkiesreicher Steinkohlen- (seltener Braun-kohlen-) lager, od. entstehen durch Verwahrlosungin Steinkohlengruben. Diese Brände dauern ge-wöhnlich eine lange Reihe von Jahren hindurch.Ein Steinkohlenflötz bei Duttweiler, 1660 entzün-det, war 1780 noch nicht erloschen. Auch beiPlanitz unweit Zwickau glimmt ein Steinkohlen-bergwerk schon mehrere hundert Jahre. VerloscheneE. hinterlassen die pseudo-vulkanischen Fossilien,als E-schlacken; indem die Hangenden u. liegen-den Schichten (Sandsteine, Schieferthon u. Thone)der brennenden Flötze gefrittet, gebrannt und ver-glast und zum Theil zu grauen oder röthlichenSchlacken umgewandelt sind. Lehmann.

Erdbrenncn, eine schon im Alterthum be-kannte Methode der Bodenmelioration, wird beistrengem Thonboden, sowie bei Humus od. Moor-boden angewandt. Der Thonboden verliert durchein richtig geleitetes, weder zu schwaches, noch zustarkes Brennen sein chemisch gebundenes Wasser, erzerfällt, wird weniger bindend und dadurch leich-ter bearbeitbar. Bei kalkreichem Thonboden wirktder Kalk ansschließend auf die Mineraltrllmmer,indem er die Alkalien löslich macht. KalkarmemBoden wird deshalb beim Brennen Kalk zngesetzt.Sind reichlich organische Stoffe vorhanden, so wer-den die Phosphate auch wenigstens löslicher. Fer-nerer Nutzen des Brennens ist die Überführungvon schädlichem Eisenoxydul in Eisenoxyd, Reini-gung des Bodens von Unkräutern, Eiern u. Lar-ven von Insekten, und Bereicherung des Bodensan assimilirbaren Aschenbestandtheilen. Man un-terscheidet Ränderbrennen, bei dem nur die Rän-der, Ecken, Vorwenden abgestochen und gebranntwerden, und Schollenbrennen, bei dem eine dünneSchicht vom ganzen Acker abgeschält und geröstetwird. Das Brennen geschah früher in kostspieligengemauerten oder transportablen gußeisernen, jetztwol nur noch in aus Erde oder Rasenstücken er-richteten Öfen oder in Gräben. Das Schollen-brennen geschieht im Frühjahr so zeitig als mög-lich, das Nänderbrennen während des ganzenJahres mit Ausnahme des Winters. Das Bren-nen des Moorbodens hat zum Zweck, diesenfeuchten, kalten u. sauren Boden so gut wie mög-lich kulturfähig zu machen u. wird besonders inder Provinz Hannover leider häufig genug an-

gewandt. Da der Humus selbst, die Grasnari,das Brennmaterial liefert, so ist dieses Brenn«billig. Der Moorrauch oder Höhenrauch j»eine lästige Folge des Moorbrennens. Von Re-giernngen u. Vereinen wird daher aufs lebhaftes,gegen dasselbe agitirt. Bgl. Moorcultnr. May.

Erde. I. (Astron. u. phys. Geogr). li.) E. HMder von uns Menschen bewohnte Planet, der alzWeltkörper in der Planetenreihe des Sonnensystem;in der Region zwischen Mars u. Venus die dritteStelle einnimmt. Schon die alten griechischen Phi-losophen wußten, daß die E. im Allgemeinen eiaekugelförmige Gestalt habe; doch ging diese Ansichtmit dem Verfall der Wissenschaften im Mittelalterwieder verloren. Man nahm bis in das 16. Jahrh.allgemein an, die E. sei eine runde Scheibe undsie galt als der Mittelpunkt der Welt. CopernicnSstellte die alte Ansicht von der kugelförmigen Ge- 'statt der E. wieder her u. fand gleichzeitig, daßsie sich im Welträume bewege. Für die kugelför-mige Gestalt der E. gibt es eine Reihe verschieden-artiger Beweise. Zu ihnen gehört die Thatsache,daß die Oberfläche der E., von jedem Stand-punkte aus gesehen, rund erscheint; daß bei Reisenin der Richtung von N. nach S. neue Sterne imS. über dem Horizonte erscheinen; daß ferner dieSpitzen der Masten am Horizont früher gesehenwerden als deren untere Theile; daß bei Mond-finsternissen der Schatten der E. rund erscheint; daßdie Sonne an einem weiter nach O. gelegenen Ortefrüher aufgeht, als an einem westlicher gelegenen;daß endlich die E. seit 1519 häufig nach verschiedenenRichtungen hin umschifft wurde. Später fand man,daß die E. etwas von der Kugelgestalt abweicht n.daß sie ein sog. Sphäroid d. h. ein an den Polenabgeplatteter Körper ist. Diese Abplattung beträgtjedoch nur des Äquatorialdurchmessers, d. h.der Polardurchmesser ist kürzer als der Äqua-torialdurchmesser. Diese Abplattung ist jedenfallsdurch die Rotation entstanden, in der Zeit, da dieE. noch in einem feuerflüssigen Zustande sich be-fand, weil die bei dieser Umdrehung auftretendeCentrifugalkraft die Schwere unter dem Äquatorverringerte; es mußte somit hier eine größereMasse angehäuft werden, um dem stärkeren Druckeder ruhenden Massen an den Polen das Gleich- lgewicht zu halten. Die Abplattung der E. wurdedurch die sog. Gradmessung ermittelt. DieseMethode besteht darin, daß man an verschiedenenOrten einen Theil eines ihrer größten Kreise(eines Meridians), welcher zugleich nach seinemWinkelmaß ans astronomischem Wege bekannt sein

muß, geodätisch vermißt. Besondere Berühmtheit

hat die von Delambre und Mechain begon-nene, von Arago und Mot fortgesetzte und voll-endete Gradmessung (1792 1808 ), welche sich vonDünkirchen bis Formentera über 12" erstreckteu. die Feststellung des Metermaßes zum Zweckehatte, ferner in neuerer Zeit die von Schu-macher in Dänemark, von Gauß in Hannover, -von Bessel in Preußen, endlich die 1817 be-gonnene u. 1853 unter Struve u. Tenner mRußland vollendete, erlangt, welche letztere 2SHumfaßt und unter Anwendung der vorzüglichstenMeffungs- u. Rechnungsmethoden ausgesührt ist.Eine europäische Gradmessung im großartigsten