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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
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Englisches Leder —

/ Kunstsphärc leisteten englische Baumeister auf deml Gebiete der öffentlichen Zwecken dienenden Archi-tektur. Der auf den prakischen Richen gerichteteSinn der Engländer leistete hier mehr, als jedeandere Nation, vorzugsweise seitdem das Eisenvielfach an der Stelle von Holz n. Stein in derBaukunst angcwendet wurde. Die Hafen-, Docks-- u. Schiffsbauten, die Eisenbahnbrücken ans Gitter-werk u. endlich der Ban der großen, unter demNamen Krystallpalast bekannten Jndnstriehalle inLondon, sind Zeugnisse für die hohe Läufe, welchedie Bantechnik in England erreicht hat. In dervon der Architektur sich gegen Ende des Mittel-alters ablösenden Skulptur hat England nichtsEigenthümliches geleistet, ist vielmehr vom Ans-lande stets abhängig gewesen n. viele seiner Bild-werke stammen ans der Hand fremder Meister.Bon Bedeutung sind u. A. nur die plastischenWerke an der Kathedrale von Wells (13. Jahrh.)u. an der von Lincoln. Ungleich wichtiger abererscheinen die zahlreichen Grabdenkmale mit ihremAusdrucke individuellen Lebens, in denen sich vom16. Jahrh. an viele Beispiele vom Eindringender realistischen Auffassung jener Periode finden.Erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrh. begann mitJohn Flaxman eine bemerkenswerthe Regsamkeitauf dem Gebiete der Plastik, welche mit den con-tinentalen Bestrebungen zur Wiederbelebung desklassischen Geschmackes gleiche Wurzeln hatte. Dochvermochte das Genie Flaxmans nicht, durch seinBeispiel einer idealen Kunstrichtung Bahn zubrechen, n. das Vorzüglichste, was seine Schüleru. Nachfolger leisteten, beschränkte sich auf dasPorträtfach. Ebenso dürftig sind die LeistungenEnglands auf dem Felde der Malerei, welche,nach den wenigen Bruchstücken mittelalterlicherFresken zu nrtheilen, wahrscheinlich von fremdenKünstlern ausgellbt wurde. Interessant sind übri-gens die angelsächsischen u. irischen Miniaturenals Denkmale nach dem Norden verpflanzter alt-christlicher Kunst. Auch Holbein u. van Dyck,welche auf englischem Boden namentlich im Por-trätsache Vorzügliches leisteten, haben nur wenigbefruchtend auf die heimische Entwickelung derMalerei eingewirkt, und wenn sie auch englischef Schüler u. Nachahmer hatten, so blieben diesedoch bei der Porträtmalerei stehen. Erst mit William' Hogarth begann die engl. Malerei ein selbständiges! Wesen zu entwickeln, indem dieser Künstler dems Geschmack der französ. Geschichtsmalerei, welcheW Thornill nach England überführt hatte, mit seinemlj derben Naturalismus gegenübertrat u. das mo-1 ralisch-humoristische Genre begründete, aus welchem!, sich später die englische Caricaturzeichnung zu^ großer Fruchtbarkeit entwickelte. Nicht minder> bedeutend als Künstler war Hogarths Zeitgenosse,i Joschua Reynolds, der Begründer der englischenMalerschule, welche ihm die Auszeichnung im Co-lorit verdankt, dessen Studium er mit ebensok großem Eifer wie Erfolg oblag. Als Präsident

j der 178g neu errichteten Akademie der bildenden

1 Künste übte er einen großen Einfluß auf die Be-! lebnng u. Förderung des Knnstgeschmacks u. bahntedie Historienmalerei an, welche durch Benj. West,James Barry, John Opie u. A. zu höheremAufschwünge gelangte. Auch die Landschaftsmalerei

Englischer Schweiß.

trieb um diese Zeit Blüthen; Richard Wilson u.Thomas Gainsborongh begründeten ihre spätereEntwickelung. Vorherrschend bis in die neuesteZeit blieb in der Malerei das humoristische Genre,namentlich vertreten von dem Schotten Wilkie, n.das idyllische Genre, dessen Hanptvertreter Landseerist. In den nachbildenden Künsten haben englischeMeister zahlreiche Werke hervorgebracht, doch stehtdie Massenhaftigkeit der Production zu ihrem künst-lerischen Werthe in keinem Verhältniß. Fabrik-mäßig angeferligte Illustrationen zu gedrucktenWerken weisen auch hier auf den vorherrschendindustriellen Sinn der Engländer hin, welcher dieKunst zur Dienerin der Spekulation machte. DieKnpserstecherkunst blühte im 18. Jahrh. unterStrange, Woollet, Sharp n. Townley. Sie wurdedurch die S tahlstichindustrie allmählich fastganz verdrängt, bis der Holzschnitt infolge derAusbildung, welche englische Künstler, wie Johnn. Thomas Bewick, William Harwey n. A. dieserVervielfältigungsart zu geben wußten, zur Herr-schaft kam ii. auch von England aus nach Frank-reich n. Deutschland überführt wurde. Regnet.»

Englisches Leder, starker baumwollener, meistweißer Satinett, doch auch in anderen Farben,z. B. grau; dient zu Hosenstoffen, auch zu An-zügen, des. häufig zu Matrosenanzllgen. Beyssell.'

Englische Leinwand, 1) eine im Fadenbuntgefärbte, geglättete, oft gestreifte, feine Lein-wand. 2) Der zu Bücherdeckelllberzügen verwen-dete Banmwollenstoff (Bnchbinderleinen).

Englische Literatur, s. ».Englische Spracheu. Literatur.

Englisches Pflaster, schwarzer od. röthlicherSeidentaffet, mehrmals mit wässeriger Auflösungvon Hausenblase in Wasser (unter Zusatz von etwasSalicylsäure) angestrichen u. trocknen gelassen. DieRückseite wird dann einmal mit Benzoetinctnrüberstrichen. Das E. Pfl. dient zur Bedeckungleichter Schnittwunden u. Verletzungen.

Englisches Riechsalz (8ak LNAlioua vokabikissioorw), Kalk mit Lalmiak vermengt; wird ineinem Gläschen mit eingeriebenem Stöpsel anf-bewahrt; das sich entbindende Ammoniak dientals reizendes Riechmittel in Ohnmächten u. an-deren Schwächezuständen. Statt dieser Mischungwendet man auch das flüchtige kohlensaure Am-moniak an.

Englisches Salz (8al amMons), das in Eng-land aus vielen mineralischen Wassern, besond. inEpsom (daher Epsomer Salz) gewonnene Bitter-salz, dient in der Medicin als abführendes Mittel;es wird auch als Nebenprodukt bei der Bereitungkünstlicher Mineralwasser gewonnen.

Englischer Schweiß (Lncior anAlions), merk-würdige, am Ende des 15. u. im Anfänge des16. Jahrh. epidemisch verbreitete, fast immertödtliche Fieberkrankheit, die sich auszeichnete durchheftigen, 8—24 Stunden anhaltenden Schweißmit höchster Erschöpfung, unersättlichem Durste n.großer Angst. Sie brach zuerst in Wales in Eng-land im August 1486 (oder 1485) aus, dauertebis zu Ende Oktober u. verbreitete sich über dasganze Land. Der 2. Ausbruch erfolgte 1507,ver 3. 1517. Der Verlauf war in diesen Epi-demien meist so rapide u. bösartig, daß der Tod