Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
355
Einzelbild herunterladen
 

355

England (Geschichte).

der Herzog von Dort theilgenommen haben sollten. in das selbst die Königin verwickelt wurde. DieAnklage lautete auf Complot zum Königsmord, zuErhebung des Herzogs von Jork zum König undzur Unterdrückung des Protestantismus. Mehrerekatholische Peers wurden angeklagt u. verurtheilt,der Viscount Srafford, Coleman, Secretär des Her-zogs von Dork, und mehrere katholische Priesterhingerichtet, u. der Herzog von Dork selbst kam inGefahr, vom Throne ausgeschlossen zu werden.1679 löste der König, der dieser Verschwörungs-lomödie ruhig ihren Gang gelassen, das 17 Jahrelang beibehaltene n. nun in die Hände der Gegen-partei gefallene Parlament ans, als es seinen Mi-nister Danby wegen eines Jahrgehaltshandels mitLudwig XIV. anklagte. Das neue Parlament be-harrte bei der Anklage, auch als man ihm dieVerweisung des Herzogs von Uork aus E. zurVersöhnung zugestand, und Danby mußte, vomKönig begnadigt, aus dem Ministerium treten.Shaftesbnry wurde Präsident des Geheimen Ra-thes, der nun, unterstützt vom Unterhause, mitaller Macht die Ausschließung des Herzogs vonJork von der Thronfolge betrieb. Der König bliebjedoch in diesem Punkte hartnäckig und löste dasParlament abermals auf, welches sich durch An-nahme der Habeas-Corpns-Acte von 1679 zurSicherung der persönlichen Rechte gegen willkür-liches Gerichtsverfahren ein besonderes Verdiensterwarb. Shaflesbury und Tcmple legten infolgeLessen im Sept. ihre Stellen nieder, worauf derKönig ein Ministerium bildete, das seinem Bru-der nicht absolut entgegen war; u. im Sept. kehrteder Herzog von Dort von Brüssel nach E. zurück.Da jedoch der Sturm gegen die Papisten fort-danerte, die Gerichte eine cannibalische Justiz ge-gen Unschuldige übten, Adressen u. Petitionen denKönig bestürmten, wurde der Herzog zur Über-nahme der obersten Verwaltung nach Irland ge-sendet, während der Herzog von Monmonth, derSohn der Lucy Walter u. Karls, seine Stelle alsOberbefehlshaber des Heeres niederlegeu u. dasLand verlassen mußte. Indessen, so oft auch derKönig ein neues Parlament berief, stets drangdas Unterhaus auf Ausschluß seines Bruders vonder Thronfolge u. machte davon die Geldbewillig-ungen abhängig, bis ihn endlich die Geduld verließu. er nach Abschluß eines neuen Pactes mit Frank-reich wegen des Jahresgehaltes aus 4 Jahre, 28.März 1681, sein fünftes n. letztes Parlament auflöste.

Von nun an ging Karl II. mit raschen Schrit-ten auf das Ziel einer absoluten Monarchie losu. fand dabei in dem durch rasch aufblühendenHandel reich gewordenen Mittelstand eine Stütze,insofern derselbe Ruhe um jeden Preis verlangte.Diese Stimmung benutzend, brachte er ohne Mühedie Opposition des Unterhauses in den Verdachtdes Republikanismus n. Puritanismus und ließzunächst Len Grafen Shaftesbnry u. seine Helfers-helfer verhaften. Als die große Jury die Anklageznrückwies, wurden der Krone ergebene Sheriffs,da in deren Händen die Ernennung der Geschwo-renen lag, eingesetzt. Um dies durchführen zutonnen, nahm man den wichtigeren Gemeinden(zunächst London) auf Grund geringfügiger Über-schreitung ihrer Freiheitsbriefe dieselben oder gab

sie ihnen nur unter der Bedingung, daß Lord-mayors u. Sheriffs künftig der königl. Bestätig-ung bedürfen sollten, zurück. So wurden die wich-tigsten Gemeindeämter von der Krone abhängig.Was dem Streben der Krone bes. zu Gute kam,war die unter dem Namen Lz-siiouso Ovmplobbekannte Verschwörung 1681, welche gegen dasLeben des Königs gerichtet war u. vor ihrem Aus-bruche entdeckt wurde. Die Theilnehmer an dieserVerschwörung waren meist ehemalige Offiziere derRepublik ohne Einfluß u. Bedeutung. Aber dieAnklage richtete sich auch gegen angesehene Män-ner, die dem Hofe mißliebig waren, wegen geheimerMitwissenschaft an dem Complot. Obwol der Be-weis auf sehr schwachen Füßen stand, wurdenHampden, Lord Ruffel u. Algernon Sidney hinge-richtet. Shaftesbnry, der nach seiner Freisprech-ung die Opposition noch eifriger betrieben, ent-kam noch zu rechter Zeit nach Holland. Seitdemschreckte Karl vor keiner Maßregel zurück, die ihndem Ziele näher brachte; die Universität Oxfordmußte öffentlich erklären, daß die Lehre, welchedie bürgerliche Gewalt als vom Volke ausgehenddarstelle, gotteslästerlich sei, und alle Diener derKirche und Lehrer wurden ermahnt, diese Lehremöglichst zu verbreiten; die gerichtlichen Verfolg-ungen wurden immer ärger n. endeten entwedermit Hinrichtungen od. mit hohen Geldbußen, wennnicht Einziehung des Vermögens der Verurtheil-tcn. Auch der Herzog von Uork kehrte wieder u.nahm seinen Platz im Cabiuet ein. Von einerBerufung des Parlaments war keine Rede mehr,um so eifriger aber wurden der Papismus u. dieJesuiten begünstigt unter dem Vorgeben der To-leranz, ja, Karl II. empfing sterbend die Sacra-mente der katholischen Religion; er verschied 6.Febr. 1685.

Jakob II., jüngerer Sohn Karls I. u. Bru-der Karls II., bestieg ohne Widerstand den Thronu. gab die Versicherung, die Gesetze u. die Staats,religiou nngekränkt lassen zu wollen; aber nur zubald zeigte sich, daß seine Zugeständnisse nicht treugemeint waren. Immer größer wurde der Pompder kirchlichen Aufzüge in der Hofkapelle, immergrößer wurde die Anzahl der am Hofe weilendenKatholiken. Gelegentliche Äußerungen des Königsund die plötzliche Freilassung aller eingekcrkertenPapisten u. Quäker ließen keinen Zweifel übrig,was Jakob beabsichtigte. Dennoch erhielt er vondem Parlament, dessen Berufung man überhauptschon als ein günstiges Zeichen ansah, eine außer-ordentliche Geldbewilligung für seine Hofhaltungn. Subsidien gegen die Herzöge von Argyle undMonmonth, welche einen Aufruhr gegen ihn er-regt hatten. Beide wurden ohne Mühe besiegt,gefangen u. hingerichtet. Nun begann ein grau-sames Strafgericht über Alle, welche an dem Auf-ruhr theilgenommen hatten oder der Theilnahmeverdächtig waren. Der Großrichter Jeffreys brachteauf diese Weise mehrere Tausend Verurtheilnngenzu Staude, von denen 330 auf Tod, über 800aus Deportation lauteten; Jeffreys stieg znm Lord-kanzler. Den Test-Eid, welchen Jakob für diezahlreichen katholischen Offiziere seiner Armee mitHilfe des Parlaments nicht beseitigen konnte, er-ließ er denselben eigenmächtig. Mit einer zügel-

23 *