347
England (Geschichte).
ließ u. ihnen gestattete, die reichstbeladenen Galleo-nen herauszuholen. Philipp rüstete die Armada,um einen Versuch zu E°s Eroberung zu machen.Dagegen bot Elisabeth ihr ganzes Volk auf, u. einennoch mächtigeren Verbündeten als ihr Volk fanddie Königin in den Naturgewalten; der Sturmzerstreute die spanische Flotte, welche erst 1588 imCanal erschienen war, und den nach Gravelingengetriebenen Theil vernichtete Drake am 30. Juli.Dieser Seesieg hob das stolze Nationalgefühl derEngländer u. den Ruhm der Königin noch höher;er gab den Anstoß zur Erweiterung der englischenSeemacht und zur Anlage geschützter Colonien inden asiatischen u. amerikanischen Gewässern. Aufder anderen Seite aber hatte die langjährige Ruhedem Lande genützt: Handel und Industrie hattensich zur herrlichen Blüthe entfaltet; neben demVerkehr mit Rußland war die Verbindung mitder Levante u. Ostindien eröffnet u. Elisabeth gabder Ostindischen Compagnie 1600 den ersten Frei-brief; in NAmerika wurde als erste englische Nie-derlassung Virginien gegründet. In den folgen-den Jahren der Regierung Elisabeths machte sichdie religiöse Intoleranz mehr als früher bemerk-bar. Die sog. Recnsanten (Personen, welche sichweigerten, die Kirchen der Staatsreligion zu be-suchen), mußten zu Gunsten der königlichen Kasseschwere Geldbußen zahlen, auch wurden noch vielekatholische Priester n. Laien um ihres Glaubenswillen hingenchtet. 1589 starb ihr treuester Rath-geber und Minister Cccil, Lord Bnrleigh; ihrenGünstling Essex, den Nachfolger des verstorbenenLord Dudley, erhob sie zum Statthalter von Ir-land. Als sich derselbe aber überhob, ließ ihndie Königin empfinden, daß er ihr Diener sei, n.als er, zur Rache gereizt, in London einen Auf-stand versuchte, wurde er gefangen genommen u.25. Fcbr. 1601 hingerichtet. Sein Nachfolger inIrland, Lord Monnthy, schlug 1602 die an derKüste gelandeten Spanier. Elisabeth st. 1603;mit ihr erlosch Las Haus Tudor.
IX. England unter den Stuarts 1603bis 1888. X) Bis zur Hinrichtung Karls I.184g. Das Haus Stuart bestieg 1603 mitJakob I., seither, als Sohn der Königin Maria,König von Schottland, den engl. Thron. Elisabethselbst hatte ihn auf ihrem Sterbebette zum Nach-folger berufen, u. er eilte herbei, um vom ThroneBesitz zu nehmen. Zwar wollte zu Gunsten derArabella Stuart, welche in demselben Grade wieJakob I. mit Heinrich VIII. verwandt war, einHäuslein Katholiken u. Unzufriedener ihm entge-gentreten, aber die Verschwörung wurde noch zu-vor entdeckt u. Robert Cecil, der Rathgeber desKönigs, ließ die Führer derselben, Walter Raleigh,Cobham u. A., bei Seite schassen. Ein Freundtheologischer Streitigkeiten, versammelte Jakob zuHampton-Court eine Synode, wo er die Katho-liken, Puritaner u. Episkopalen anhörte, sich jedochentschieden auf die Seite der Letzteren wendete. Ammeisten waren ihm die Puritaner verhaßt, zu de-nen die größere Mehrheit des englischen Volkesgehörte. Die englische Station war, seit ihr dieBibel erschlossen worden, eine andere geworden;das ganze Temperament der Station hatte sich ge-ändert, es gab sich eine ganz neue Auffassung des
Lebens u. des Menschen kund, ein neuer morali-scher n. religiöser Impuls durchdrang alle Klassen,die Nation war sozusagen eine Kirche. Ein sol-cher Zustand aber war dem König tief zuwiderund darum trat er der puritanischen Bewegungentgegen. Gegen sie wie gegen die Katholikenwandte er die Strafe der Recnsanten zum Vor-theile seiner Kasse an n. erregte dadurch das Miß-vergnügen beider Religionsparteien. Seine augen-fällige Begünstigung eingewanderter Schotten raubteihm, zudem er den Engländern doch immer nuvals der des englischen Geldes bedürftige Schottegalt, noch außerdem das Zutrauen der nationalenPartei. Alle diese Ursachen des Mißvergnügensgaben neuen Stoff zu hochverrätherischen Anschlä-gen. Einer derselben sollte 1605 bei dem Zu-sammentritt des Parlaments zur Ausführung kom-men. Nach der Eröffnung des Parlaments 1605vereinte er E. und Schottland zu einem Reiche(Großbritannien) u. nahm zuerst den Titel Königvon Großbritannien und Irland an, konnte je-doch auf keine Weise die Zustimmung des Parla-ments zu dieser Vereinigung erhalten. 10 Tagevor Eröffnung desselben erhielt Lorv Mountcagleeinen anonymen Brief, worin derselbe gewarntwurde, an der Eröffnung des Parlaments theilzn-nehmen. Der Brief kam zur Kenntnis; der Re-gierung n. des Königs u. leitete in seinen geheim-nißvollen Andeutungen auf die Vermuthung, daßeins Pulverexplosion beabsichtigt sei. In der Thatwurde in den Souterrains unter dem Oberhanseeine mit Pulverfässern gefüllte Mine gefunden, da-bei der zu deren Entzündung bereit stehende GuyFawkes, und damit jene Pulververschwöruug ent-deckt, welche die Ermordung des Königs n. seinerRathgeber und die Erhebung seines unmündigenSohnes Karl unter einer von Katholiken geleitetenRegentschaft zum Zwecke hatte. Da an derselbenauch zwei Jesuiten betheiligt waren, welche denVerschworenen im Voraus Absolution für dieseThat ertheilt hatten, war die nächste Folge derVerschwörung die Verbannung der Jesuiten ausdem Reiche u. dann das jedem Katholiken geltendeVerbot, sich dem Orte, wo sich der Hof anfhält,ans mehr als 10 Meilen zu nähern. Die Mißwirth-schaft des Königs wie seine ganze Politik entfremdeteihm sowol die englische wie die schottischeNation mehrn. mehr, so daß endlich auch Vas Parlament, ob-wol es unter den Tudors ein sehr gefügiger Kör-per geworden war, und Elisabeth demselben nureine berathende, keine beschließende Stimme zuge-standen, in entschiedene Opposition gegen den Königtrat, als dieser der Krone das Recht, Auflagenauszuschreiben, beilegen wollte. Die Politik Eli-sabeths war, in Übereinstimmung mit dem Par-lament zu regieren, ohne die Nothwendigkeit dieserÜbereinstimmung als in den Gesetzen begründetanzuerkennen. Jakob ging in seinem Absolutis-mus weiter, er steckte 1614 mehrere heftige Red-ner in den Tower, gab aber wieder nach, daseine Furcht vor üblen Folgen noch größer war,als seine Habgier. Da er indeß, um zu Gelbezu gelangen, Adelstitel verkaufte, so war dadurchder alte Adel in Gefahr, seine ganze politischeBedeutung zu verlieren, n. hatte deshalb nicht ge-ringeren Grund zur Unzufriedenheit, als das Haus