Elektricität.
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Um den Strom der Influenz-Elektrisirmaschinedurch einen Körper hindurchgehen zu lassen, dienendie zwei auf dem Grundbrett befestigten metallenenSäulchen; über jedes ist eine metallene Hülse gescho-ben, die sich mit einiger Reibung bis zur Berührungmit dem Stabe In resp. op in die Höhe schiebenläßt; in die Klemmschrauben am Fuße der Säul-chen befestigt man die Zuleitnngsdrähte. So kannman eine große elektrische Flasche (s. u.) od. Batterierasch laden, indem man die äußere Belegung mitdem einen, die innere mit dem anderen Säulchenverbindet.
IV. Die elektrische Flasche (Tafel II., Fig.1)wurde 1745 vom Domherrn v. Kl eist in Kammin(daher Kleist'sche Flasche) und unabhängig davon1748 von Cunäus in Leyden (daher LeydnerFlasche) zufällig erfunden. In ihrer jetzigen vonBevis (1695—1771, prakt. Arzt) in London her-rührenden Form besteht sie ans einem weiten cy-lindrischen Glasgefäß (Einmachglas), dessen Bodenu. Seitenwand bis auf einige om vom Randeaußen u. innen mit Stanniol belegt ist. Der un-belegte Theil des Glases wird mit Schellackfirniß(früher gewöhnlich Sicgellacklösung) überzogen.In die Öffnung paßt ein gleichfalls gefirnißterHolzdeckel, durch dessen Mitte ein starker Messing-draht lothrecht hindurchgeht, der oben mit eineri Messingkugel (Knopf), unten mit einer bis auf die^ innere Belegung hinabgehenden Messingkette endigt.
! Bei enghalsigen Flaschen vertreten Eisenfeilspäneoder unächter Goldschaum die Stelle der innerenBelegung. Um die Flasche zu laden, bringt manden Knopf einige Zeit niit dem Condnctor einerElektrisirmaschine oder mit der einen Elektrode derJnflnenz-Clektrisirmaschine in leitende Verbindung,oder man läßt aus dem Deckel des ElektrophorsFunken auf den Knopf überspringen oder theiltihm auf irgend eine andere Weise E. mit, welchesich auf der inneren Belegung ausbreitet, währenddie äußere Belegung mit dem Erdboden, od. beider gewöhnlichen Elektrisirmaschine auch mit demReibzeug, bei der Jnfluenz-Elektrisirmaschine aber! mit der andern Elektrode in leitender Verbindungi sieht. Die Verbindung mit dem Erdboden stelltman am Einfachsten dadurch her, daß man dieFlasche an der äußeren Belegung in der Handhält. Um die Flasche zu entladen, dient der Ans-lader oder Entlader, Taf. II., Fig. 2; derselbe be-steht aus 2 nach Art eines Zirkels verbunden, mitKugeln endigenden Messingbügeln obn. o b', welchegewöhnlich mit isolirenden Handgriffen in n. in'(oder auch mit mir einem am Charnier angebrach-ten Handgriff) versehen sind. Man legt die eineKugel des Entladers an die äußere Belegung u.nähert die andere dem Knopf der Flasche; sobaldsie in eine gewisse Entfernung von derselben (dieSchlagweite) gekommen ist, springt zwischen beidenein knatternder hell leuchtender Funke über. Be-rührt man mit der einen Hand die äußere Bele-gung u. nähert dann die andere dem Knopf, soempfindet man einen mehr oder weniger heftigenelektrischen Schlag. Der Vorgang bei der Ladungder Flasche ist folgender. Wenn der Knopf mitdem Condnctor einer gewöhnlichen Elektrisirmaschineleitend verbunden ist, so wird der inneren Belegungsi- L mitgetheilt. Diese wirkt vertheilend auf die
äußere Belegung, sie zieht — bl derselben an u.bindet dieselbe, während zugleich die abgcstoßene-l- H in den Erdboden (od. auf das Reibzeng derMaschine) entweicht. Durch die — H der äußerenBelegung wird aber auch umgekehrt die -ff H derinneren gebunden, d. h. diese wird durch die An-ziehung seitens der — H der äußeren Belegungverhindert, sich von der inneren Belegung zu ent-fernen. Wäre die äußere Belegung nicht vor-handen, so würde die innere vom Condnctor nurso viel -l- H aufnehmen, bis die Spannung derH auf beiden gleich wäre; durch die Anziehung,welche die — il der äußeren Belegung auf die-b II der inneren ausübt, wird aber das Bestre-ben der Theilchen derselben, sich von einander zuentfernen , im Gleichgewicht gehalten; es kann alsodurch diese Wirkung der — II der äußeren Be-legung viel mehr -l- II auf der inneren sich an-saimneln, als ohne jene. Die -l- H der innerenBelegung bindet, weil beide Belegungen durch einenkleinen Abstand von einander getrennt sind, nichteine ihr gleiche, sondern eine etwas kleinere Menge— Hanf der äußere»; n. auch diese bindet wiedereine etwas kleinere Menge -p II der inneren Be-legung; es bleibt also ans letzterer ein kleiner Über-schuß freier E.; offenbar kann die Ladung derFlasche nur so lange verstärkt werden, bis dieSpannung dieser freien E. derjenigen auf demCondnctor gleich ist. Wenn den auf den beidenBelegungen angesammelten E°en durch den Ent-lader od. durch den menschlichen Körper od. einenandern Leiter ein Weg dargeboten ist, auf welchemsie sich vereinigen können, so findet diese Vereinigungstatt, sobald der Leitnngswiderstand auf diesemWege von der Spannung der E-en überwundenwerden kann. Dies tritt stets ein, wenn zwischendem Knopf der Flasche u. der Kugel des Entladersod. der Hand noch ein kleiner Abstand (die Schlag-weite) besteht. Es kann auch Vorkommen, daß eineFlasche sich selbst entlädt, ehe die vorhin angedeu-tete Grenze der Ladung erreicht ist; die Vereinigungder E-en findet dann entweder durch die Luft, überden unbelegten Rand der Flasche weg, od., wenndiese aus zu dünnem Glase besteht, durch dieseshindurch statt, wobei dasselbe durchbohrt wird. Setztman eine geladene elektrische Flasche auf eine gutisolirende Unterlage und bringt dann den Knopfderselben mit der Erde in leitende Verbindung,so wird der Überschuß freier -l- L der innerenBelegung abgeleitet; die noch übrige -l- II bindetaber eine etwas kleinere Menge — H der äußerenBelegung, so daß nun auf dieser eine kleine Mengefreier — H vorhanden ist, die man nun ebenfallsableiten kann; berührt man also abwechselnd denKnopf u. die äußere Belegung, so kann man dieFlasche nach u. nach entladen. Man kann dies sehrleicht mittels der nach dem Princip der elektrischenMasche eingerichteten Franklin'schen Tafel,einer vertical aufgestellten, beiderseits bis auf einenfreien gefirnißten Rand mit Stanniol belegten Glas-platte, zeigens; man lädt dieselbe, indem man dieeine Belegung (a) ableitend berührt n. die andere(b) mit dem Condnctor der Elektrisirmaschine lei-tend verbindet. Hat man vor jeder Belegung sinaus Hollundermarkkügelchen u. Leinenfaden beste-hendes elektrisches Pendel anfgehängt, so wird zu-