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Elberfeld.
Elberfeld (1176 Elueruelde, 1450 Eluerfelde),kreiseximirte Stadt im Muß. Regbez. Düsseldorf,an beiden Seiten der Wupper in einem ziemlichengen Thale, Station (Personen-Stat. Döppers-berg, Güter-Stat. Steinbeck) der Bergisch-Märk.Eisenbahn, eine der bedeutendsten Fabrik- u. Han-delsstädte des Deutschen Reiches. In dem älterenStadttheile sind viele Straßen eng u. unregelmä-ßig, die neueren sind modern gebaut. Unter denöffentlichen Gebäuden sind hervorzuheben dasimposante, ans Quadern u. in modernem Nund-bogenstil erbaute Rathhaus, das Post-, das Land-gerichtsgebäude, das städtische Krankenhaus, dasWaisenhaus, das Centralverwaltungsgebände derBerg.-Märk. Eisenbahn, die neue reformirte, dieneue lutherische n. die katholische Kirche. Behör-den rc.: Landgericht für die Städte Elberfeld u.Barmen u. die Kreise Mettmann, Lennep n. füreinen Theil von Solingen, Friedens-, Handels-u. Gewerbegericht, Hauptsteueramt, Handelskam-mer, königl. Direction der Berg.-Märk. Eisenbahn,Bank-Commandite und sonstige Bank-Institute,Feuer-, Hagel- u. Lebensversicherungs-Gesellschaft.Lehranstalten rc.: Es hat 6 evang. Kirchen,1 kathol. Kirche, mehrere Bethäuser verschiedenerSecten, eine Bibelgesellschaft, Gymnasium, Real-schule, städtische höhere Töchterschule, verbundenmit einem Lehrerinnenseminar, höhere Privat-Töchterschule, Gewerbeschule, Lehranstalt für tech-nische Chemie, gewerbliche Zeichnenschule, Museummit permanenter Kunstausstellung, Theater, meh-rere Waisenhäuser, ein städtisches u. mehrere an-dere Krankenhäuser, eine Irrenanstalt u. mehrereandere gemeinnützige Anstalten. An gemein-nützigen Kassen besitzt es: eine Sparkasse, 2Unterstützungskassen für Fabrikarbeiter, 11 Hand-werksgesellen-Unterstützungskassen, eine für Buch-drucker- n. Schristgießergehilfen, 7 Kranken- undStcrbekassen für selbständige Gewerbetreibende;ferner zahlreiche, theils allgemeine, theils für ein-zelne Berufsklassen bestimmte Kassen, wie 28 Kran-ken- und Sterbe- und 44 Sterbe-Auflagen, eineKranken-Auflage und eine Unterstützungskasse fürwandernde Handwerksgesellen. In seinen zahlrei-chen gewerblichen Etablissements sind weitüber 20,000 Menschen beschäftigt. Von hervor-ragender Bedeutung ist die Fabrikation von Sei-den- und Halbseidenwaaren, von Bändern, Litzenu. Kordeln (ganz od. theilweise aus Wolle, Baum-wolle und Leinen), von seidenen und halbseidenenModebändern, von Möbelstoffen (in Halbseide,Plüsch rc.), von wollenen Streichgarn- und mitStreichgarn gemischten Maaren, von wollenenKammgarn- u. mit Kammgarn gemischten Klei-derstoffen, von Zanella u. Confectionsstosfen, vonwollenen, halbwollenen u. mit Seide gemischtenWestenstoffen, fagonnirten Sammetwesten und ge-webten Gummiwaaren. Zahlreich sind die Fär-bereien, darunter die ansehnlichsten Türkischroth-Garnfärbereien in Deutschland, ferner die Kattun-druckereien. Wichtig ist ferner die Fabrikation vonChemikalien, namentlich ist die Fabrikation deskünstlichen Alizarins, das zuerst in E. fabrikmä-ßig in erheblichen Quantitäten dargestellt wordenist, hervorzuheben. Außerdem: Knopffabriken,Maschinenfabriken und Eisengießereien, Eisen- u.
Stahlwaarenfabriken, Fabriken in Pianofortes,Wagen, Leder, Tapeten, Teppichen, Posamentier,waaren, Papier, Briefcouverts, Regen- u. Son-nenschirmen, Stearinlichten u. Seifen, dann vieleSchlosser-, Bild- und Steinhauer-Werkstättcn, be-deutende Bierbrauereien. Außer dem Handelmit den Producten seiner Industrie u. mit Wech.seln u. sonstigen Werthpapieren ist von Bedeutungder Handel in Getreide, Rohseide, Baumwolle u.baumwollenen Garnen, in Droguen, Farbstoffenu. Chemikalien, in Colonialwaaren und Kohlen.E. hat großartige Manufacturwaarenhandlungen,zahlreiche Agentur- und Commissionsgeschäfte, 17Buchhandlungen rc.; große Jahrmärkte od. Messen.1874 kamen auf den beiden Stationen der Berg.-Märk. Eisenbahn 7,128,939 Ctr. Güter an (dar-unter 2,834,400 Ctr. Steinkohlen u. Cokes) n.außerdem 89,373 Ctr. Eilgut und 41,774 StückVieh rc.; es gingen ab 1,174,252 Ctr. (darunter29,700 Ctr. Steinkohlen u. Cokes) n. außerdem81,500 Ctr. Eilgut und 10,110 Stück Vieh.Personenverkehr: angekommen 843,033, abgereist741,897 Personen. Dem Verkehr zwischen E. n.Barmen dient eine Pferde-Eisenbahn. Noch imBan begriffen (Mai 1876) ist die Strecke Düssel-dorf - Elberfeld - Barmen - Hagen - Dortmund derRheinischen Eisenbahn. Postverkehr: Briefe :c.5,435,961, Pakete 593,525, Werthsendungm409,304 (75,070,880 Thlr.). Telegraphenver-kehr: Staatstelegraph 98,494, Eisenbahntelegraph24,273 Depeschen. 1875: 80,599 Ew. (1708:3000, 1800: 11,720, 1816: 21,710, 1823:24,545, 1858 : 53,474, 1864 : 62,008, 1871:
71,384). E. ist Geburtsort des preußischen Mi-nisters von der Heydt u. des österreichischen Mi-nisters Freiherrn von Bruck. Ein schöner Punktin der unmittelbaren Nähe von E. ist die Die-melshöhe, eine parkähnliche Anlage auf derHaardt im N. von der Wupper, mit einem Denk-mal des hl. Suitbertus (gest. 713), einem Krie-gerdenkmal (seit 1872) u. einem Nundschauthurmauf der Elisenhöhe (letzterer im Privatbesitz); fer-ner die Anlage auf dem Nützeuberge mit Aussichtnach Westfalen und dem Rhein. — E. war ur-sprünglich ein Hof (onrtis), der 1176 in denPfandbesitz des Grafen Engelbert von Berg kam,was 1179 u. 1189 Kaiser Friedrich I. genehmigte;im Mittelalter war cs nur ein unbedeutender Ort;1398 wurde es von dem Grafen Dietrich von derMark belagert. Sein erstes Aufblühen verdanktes der Einwanderung der aus Frankreich, denNiederlanden, Köln rc. vertriebenen Protestanten,welche hier die ersten Fabriken gründeten. DieZunft Garnnahrnng erhielt ihr Privileg 13. April1527; 1537 brannte der ganze Ort ab; 1581wüthete die Pest darin; 1610 bekam E. Stadt-rechte u. Märkte. Während des DreißigjährigenKrieges hatte die Stadt große Drangsale zu er-leiden; 1632 wurde sie durch die Hessen einge-nommen und geplündert. Noch zu Anfang des18. Jahrh. war E. ein kleiner Ort, doch befaßes schon ansehnliche Fabriken, die mit Westindienin unmittelbarer Verbindung standen. 1740 wurdedie Siamoisen- u. Bettzeugfabrikation (durch Ar-beiter aus Brabant) eingeführt. Nach dem Sie-benjährigen Kriege hoben sich Handel u. Industrie