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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
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Eiter.

Organ cingedrnngen sind u. hier EntzündungenHervorrufen, dann überhaupt alle Reize, die aufeinen Körpcrthcil, inneren sowol wie äußeren, ein-wirken und dort schwerere Störungen in der Er-nährung Hervorrufen. Nach den Stellen, an denendie Eiterung stattfindet, ist das Vcrhältniß desE-s zu den Geweben ein verschiedenes. Entwederbildet er sich an der Oberfläche oder im Innernder Organe und Gewebe, und man unterscheidetdarnach eine oberflächliche Eiterung, z. B. an deräußeren Haut, den Scküeim- u. serösen Häuten,mit Inbegriff der Drüsengänge, bei der dergebildete E. entweder frei abfließen (wie ander äußeren Haut und verschiedenen Schleim-häuten), oder sich in schon vorhandenen Hohlräu-men (Kanälen, Höhlen rc.) sammeln kann (z. B.bei eiteriger Entzündung der Luftröhrenschlcimhaut,eiteriger Rippenfellentzündung rc.), u. eine paren-chymatöse od. tiefe Eiterung. Bei letzterem Vor-gänge müssen wir noch kurz verweilen. Hat ansirgend einen Punkt im Innern eines Gewebes od.Organs ein entzündlicher Reiz eingewirkt, so fin-det ein vermehrter Blutandrang nach dieser Stellestatt, die Capillaren u. kleinsten Gefäße erweiternsich an dieser Stelle, der Blntstrom wird langsa-mer od. geräth auch wol vollständig in Stockung,u. es tritt eine reichlichere Dnrchtränkung des umden gereizten Punkt liegenden Gewebes mit Blut-serum ein. Gleichzeitig verlassen aber auch eineMenge farbloser Blutkörperchen (n. einzelne rothe)die Gefäße, n. wir finden die ganze Nachbarschaft vonihnen reichlich durchsetzt. Diesen Zustand bezeichnetman als entzündliche Schwellung, entzünd-liche Infiltration, u. wenn die farblosen Blut-körperchen noch mehr zunehmen, als eiterige In-filtration. Ist der entzündliche Reiz nicht sehr-groß, od. wird die entzündliche resp. eiterige In-filtration nicht zu stark od. durch die richtige undrechtzeitige Anwendung der geeigneten Mittel zumStillstände und Rückgang gebracht, so kehren dieGewebe ohne Veränderung erlitten zu haben zuihrer Norm zurück. Im entgegengesetzten Fallenimmt aber die Durchtränkung der Gewebe undhie Auswanderung der farblosen Blutkörperchenimmer mehr zu, die farblosen Blutkörperchen rücken,sowol wegen ihrer amöboiden Bewegung, als wegender nach dem gereizten Punkte hin gerichteten stär-keren Strömung der Gewebsflüssigkeit auf letzterenPunkt zusammen u. drängen das hier liegende Ge-webe auseinander. Hier entsteht dann eine um-schriebene, knotige Verhärtung, die Blutgefäßewerden znsammengepreßt, der Blutstrom steht still,das Gewebe wird infolge des Blutmangels blaßu. seine Ernährung aufgehoben. Infolge dessen trittein fettiger Zerfall u. eine Erweichung des Gewe-bes, sog. eiterige Schmelzung, ein, die früherharte Stelle wird weich u. bietet dem betastendenFinger das Gefühl der Fluctuation (s. d.). Hierhat sich ein E-Herd (E-beule, Absceß, Apostema)gebildet. In der Umgebung des E-Herdes fühltsich das Gewebe gewöhnlich härter an, dort istdasselbe im Stadium der sogen, entzündlichenInduration (s. Entzündung). Entweder wirdnun dieses Gewebe auch mit in den Bereich dereiterigen Schmelzung gezogen, u. der E-Herd dehntsich immer mehr aus u. kann so zu ausgedehnten

Zerstörungen des Gewebes führen, bevor er andie Oberfläche gelangt u. nach außen durchbricht,wenn ihm nicht vorher durch die Kunst, d. h.durch die Eröffnung mittels des Messers, der Lan-zette, des Troicarts dieser Ausweg geschafft wird,oder es bildet gleichsam einen Wall gegen dasFortschreiten der Eiterung und leitet die jetzt zuerwähnenden Veränderungen (Metamorphosen) desE-s ein, Veränderungen, die der E. immer ein-geht, wenn er nicht bald nach seiner Entsteh-ung auf natürlichem oder künstlichem Wege nachaußen entleert wird. Diese Veränderungen(Metamorphosen) des E-s betreffen sowol die E-körperchen wie das E-sernm u. sind nicht alleinfür das Verbleiben des E-s, sondern auch für dasbetreffende Gewebe od. Organ, ja selbst für denganzen Organismus von größter Wichtigkeit. Diegünstigste unter diesen Veränderungen ist die Auf.saugnng (Resorption) des E-s durch die benach-barten Blut- n. Lymphgefäße. Das E-sernm wirddirect, d. h. ohne weitere Umänderung, wieder indie Gefäße ausgenommen, während von den E<körperchen vielleicht auch manche wieder direct indie Gefäße einwandern, die meisten aber erst vor-her durch fettigen Zerfall in einen feinkörnigen,fettigen Brei umgewandelt und so zur Aufnahmein die Gesäße vorbereitet werden. Auf diese Weisekönnen selbst beträchtliche Mengen E-s, die schonlängere Zeit im Körper vorhanden waren, aller-dings aber auch nur in einer entsprechend langenZeit — in Wochen, Monaten, selbst Jahren —wieder vollständig anfgesangt werden. Kommt esaber bloß zu einer Aufsaugung des E-serums,nicht aber auch zu der der fettig zerfallenen E-körperchen, so bilden die zerfallenen Theile derletzteren eine gelbweiße, dichte, mürbe od. schmie-rige Masse, von deren Ähnlichkeit mit gewissenKäsesorten von Virchow die Bezeichnung der Ver-käsung od. käsigen Metamorphose für diesenVorgang gewählt wurde; fälschlicher Weise nannteman dies früher Tuberknlisirung des E-s, vonder Ähnlichkeit der gebildeten Masse mit gelbenTuberkeln. Lagern sich außerdem in diesen ver-kästen Massen od. in einem Theile derselben nochKalksalze ab, so führt dieser Vorgang, die Ver-kalkung, zur Bildung verschieden harter, zuwei-len selbst steinharter Massen. Ebenso wie zu einemfettigen Zerfall kommt es auch unter gewissenBedingungen zu einem schleimigen Zerfall,Schleimmetamorphose, der E-körperchen. Diebis jetzt erwähnten Veränderungen des E-s tra-gen, wenn nicht durch die Lage des E-Herdes ineinem lebenswichtigen Organe (z. B. dem Gehirn)das Leben gefährdet wird, keine Gefahr in sich,anders dagegen verhält sich die jetzt noch zu er-wähnende Veränderung des E-s, die Verjauch-ung, die stets einen nachtheiligen Einfluß aus dieGesundheit übt und bald lebensgefährlich wird,wenn es nicht gelingt, ihrer rechtzeitig Herr zuwerden. Diese Verjauchung des E-s besteht in derUmwandlung des E-s zu einer dünnen, mißfarbi-gen, übelriechenden Flüssigkeit, der sog. E-jauche(8rmiss), die sich von gutem E. auch noch da-durch unterscheidet, daß sie ätzend und zerstörendans ihre Umgebung einwirkt u. dieselbe zu bran-digem Zerfall bringt, während der gewöhnliche E.