ist die Behauptung aufgestellt worden, das; beimmännlichen Geschlecht mehr E. zu finden sei, alsbeim weiblichen; ob dieselbe begründet ist, mußdahin gestellt bleiben. Schroot.
Eiter (lat. ?ns, gr. Pyon), ist verflüssigtes,gewissermaßen geschmolzenes Gewebe und bestehtans zahlreichen Zellen, den sog. E-körperchen, diein einer Flüssigkeit, dem E-sernm, schwimmen. Imreinen, frischen Zustande ist der sog. gute, nor-male E. (kns bonum st lanänbils der Alten)eine milchrahmähnliche, mehr oder weniger dick-flüssige, nicht fadenziehende, gelblichwciße bis grün-lichgelbe, zuweilen von beigemengtem Blute roth-gestreifte od. rothgefärbte, geruchlose od. (bcs. inder Wärme) eigenthümlich süßlich riechende Flüssig-keit von neutraler od. schwach alkalischer Rcactionu. schwachem faden Geschmack, deren specifischesGewicht im normalen Zustande durchschnittlich zuangegeben wird. Läßt man E. einige Zeitin einem durchsichtigen Gefäße stehen, so sonderter sich in zwei Schichten, indem die in ihm ent-haltenen E-körperchen wegen ihres größeren spec.Gew. zu Boden sinken, während das E-scrum sichan der Oberfläche sammelt. Dies E-serum ist einedünne, klare, blasse od. schwach gelblich gefärbteFlüssigkeit von alkalischer Neaction u. besteht che-misch ans Wasser, Eiweiß (1—4 »/„), Faserstoff,den Salzen, die sich im Blutserum finden, undExtractivstoffen. Die untere, dickere Schicht vonmehr gelber Farbe wird von den E-körperchcn ge-bildet, die nach den neuesten Untersuchungen voll-ständig identisch mit den weißen Blutkörperchensind. Es sind mikroskopisch kleine, kugelige, mitseinen Körnchen theils erfüllte, theils gleichsam be-stäubte, im Durchmesser ca. 0,„i mm, zuweilenetwas mehr, zuweilen etwas weniger messendebewegliche Zellen, die ebenso wie die weißen Blut-körperchen amöboide Bewegungen zeigen, letzteresaber nur im frischen E., während sie in solchem,der einige Zeit gestanden, stets unbeweglich sind,keine Membram haben, sondern hüllenlose Proto-plasmaklnmpcn sind (vgl. Artikel Blut 8, ln).Aus Zusatz von Essigsäure verschwinden die seinenstaubsörinigen Körnchen in den E-körperchcn undes zeigen sich die Kerngcbilde, gewöhnlich zwei od.mehrere kleine, unregelmäßige, meist glänzendeKerne. Der sog. gute, rahmige E. von gut ans-sehenden Wund- od. Geschwürsflächen hat gewöhn-lich noch sehr viele einkernige E-körperchen, da-gegen aller anderer E. gewöhnlich nur mehrkernige.Aus Zusatz von Wasser oder wasserreichen Flüssig-keiten vergrößern sich die E-körperchcn, werdenglatt, kugelig, durchsichtig und ihre Kerne tretendeutlicher hervor; manche dehnen sich so weit aus,bis sie platzen; ans Zusatz von Essigsäure od. ver-dünnten Mincralsäurcn werden die E körperchenso durchsichtig, daß nur noch die Kerne sichtbarsind. Auf Zusatz wasserentziehender od. alkalischerSubstanzen schrumpfen die E-körperchen zusammen,nehmen ein zackiges Aussehen an n. gehen schließ-lich zu Grunde. Außer diesen E-körperchen ent-hält der E. fast regelmäßig noch freie Zellkerne,einzelne rothe Blutkörperchen, sog. Körnchenzellen,d. h. zeitige Gebilde mit feinkörnigem, von fettigemZerfall herrührenden Inhalte, n. Detritusmassen.In Beziehung auf den Geruch des E-s ist noch
zu erwähnen, daß derselbe häufig Schwefelwasser-stoff verräth, der sich aus seinen zerfallenen Ei-weißverbindungen gebildet hat, während der vonKnochen herstammende nach Phosphorwasserstoffriecht. Einen höchst widerlichen Geruch besitztder ans der Nähe des Darmkanals stammende E.,der dort längere Zeit stagnirte (n. nimmt man an,daß dieser Geruch von einer Diffusion von Darm-gasen mit dem E. herrühre). In dem von Kno-chen hcrstammenden E. finden sich meist noch kleineKnochentrümmerchcn, die beim Reiben zwischen denFingerspitzen ein sandiges Gefühl erzeugen.
Die Bildung des E-s nennt man Eiterung(Lnppnratio), ein Vorgang, über den wie überdie Art der Entstehung des E-s in früheren Zei-ten die verschiedensten Ansichten geherrscht haben.Man betrachtete denselben gleichsam als eine heil-same Ausschwitzung aus dem Blute, die sich wieandere Ausscheidungen (z. B. Harn, Galle, Spei-chel) durch einen eigenthümlichen Stoff, das Pu-rina!, Pnrnline, dem sie ihre Eigenthümlichkeitcnverdanke, charaktcrisire. Diesen eigenthümlichenStoff wollte man auch als eine weiße, undurch-sichtige, in Wasser schwer auflösliche, nicht gerinn-bare Verbindung von Kohlen-, Wasser-, Stick- n.Sauerstoff dargestellt haben. Spätere Untersuch-ungen erwiesen jedoch diese Annahme als falsch,bes. als mit der weiteren Ausbildung der mikro-skopischen Anatomie die Zusammensetzung des E-saus E-körperchen und E-sernm festgestellt wurde.Darüber, daß letzteres aus dem Blute stamme u.eigentlich nur ansgeschwitztes Blutserum sei, herrschtschon länger kein Zweifel mehr. Anders verhieltcs sich dagegen mit der Frage nach der Herkunftder E-körperchen, die erst in der neuesten Zeitdurch die Untersuchungen Cohnheims über Ent-zündung ihrer Lösung näher gebracht wurde. Erwies nach, daß bei der Entzündung die farblosenBlutkörperchen in Masse aus den Capillargefäßenn. den kleinsten Venen (vermöge ihrer amöboidenBewegung) auswandern, u. daß diese ansgewan-dertcn Blutkörperchen den bei weitem größtenTheil der E-körperchen bilden. Die vorher vonVirchow mit einein großen Anfwande von Scharf-sinn ausgestellte n. vertheidigte Theorie, daß alleE-körperchen aus der Vermehrung der schon vor-handenen zeitigen Gebilde der einzelnen Gewebe(des Epithels der Schleim- n. serösen Häute, derBindegewebskörperchen u. wandernden Zellen desBindegewebes, derHornhautkörperchenrc.) stammen,die auch jetzt noch von verschiedenen anerkannt tüch-tigen Forschern aufrecht erhalten wird, wurde da-durch sehr erschüttert. Obwol die Beteiligung derzuletzt erwähnten Zellen an der Bildung der E-körperchen nicht abgestritten werden kann, so stehtdoch wol so viel fest u. wird auch von den mei-sten neueren Forschern angenommen, daß die mei-sten E-körperchen, wie Cohnhcim zuerst nachwics,nichts weiter als ansgewanderte farbloseBlutkörper-chen sind. DieUrsachen der Eiterung sind die derEntzündung überhaupt, sobald dieselbe höhere Gradeerreicht (s. Entzündung). An äußeren Thcilen sindes bes. Verletzungen, die zu einer Trennung od.! Zerstörung der Gewebe führen, Wunden, die län-gere Zeit dem Zutritte der Luft ansgesetzt blieben;ferner fremde Körper, die in ein Gewebe od. ein