Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

Eisenbahn-Telegraphen.

steht, daß der Farbschreiber eingeschaltet ist, son-dern erst, nachdem znvor mittels des Schiebers dieApparate ansgeschaltet worden sind. Der Farb-schreiber dieser Wärterbudeutelegraphen ist sehreinfach; sein eiserner Anker liegt so zwischen denPolen des Elektromagnetes, daß beide Pole ihn ingleichem Sinne nm seine zwischen den Polen lie-gende horizontale Drehachse drehen; ein seitwärtsvom Anker anslanfender Arm trägt ferner entwe-der ein ans Stiftblan hergestelltes trockenes Farb-scheibchen od. ein Schreibrädchen, welches in einenkleinen Trog mit fliissiger Farbe eintaucht. DasFarbfcheibchen wird durch das von einem Ge-wichte getriebene Räderwerk des Apparates in be-ständige Umdrehung versetzt u. legt sich bei jederUnterbrechung des Ruhestromes durch sein eigenesGewicht und die Wirkung einer Abrcißfederschreibend auf die obere Seite des Papicrstreifens,das Schrcibrädchen dagegen wird bei der Unter-brechung des Ruhestromes von unten nach obenan die Unterseite des Streisens heranbewcgt.Diesen Telegraphen wird oft ein mechanischer (nichtelektrischer) Wecker beigegeben, welcher so langeweckt, als das mit Selbstauslösung versehene Lauf-werk des Farbschreibers läuft. Sollen in eine mitRuhestrom arbeitende Glockensignallinie zugleich dieBetricbstelegraphen oder die Wärterbuüentelegra-phen zu Morsecorrespondenz bei Ruhestrom einge-schaltet werden, ohne daß die Glocken während derMorsecorrespondenz läuten, so dürfen, wie aus derKaiser-Ferdinands-Nordbahn, die Morsetaster beimNiederdrücken des Tasterhebels die Telegraphcnleit-ung nicht ganz unterbrechen, sondern durch Einschalt-ung eines entsprechend großen Widerstandes in dieLeitung den in dieser vorhandenen Ruhestrom nursoweit schwächen, daß die Relais der Morseschrei-ber ihre Anker abfallen lassen, während die wenigerempfindlichen Elektromagnete der Läutewerke erstbei einer vollständigen Unterbrechung des Stromesdie Auslösung bewirken. Noch sicherer läßt sichdas Läuten der Signalglocken verhüten, wenn mannach dem von R. Blaschke in Wien 1866 veröffent-lichten Vorschläge in die mit Ruhestrom betriebeneGlockensignallinie die Morseschreiber wie znm Tele-graphiren mit Arbeitsstrom einschaltet u. dabei dieMorsezeichen durch Verstärkung des Ruhestromesentstehen läßt, indem man etwa den Tasterhebelbei seinem Auftreffen auf deu Arbeitscontact einenin die Leitung eingeschalteten entsprechend großenWiderstanddnrchHerstellnug eines kürzerenSchlnssesausschalten läßt. In ähnlicher Weise ermöglichtBlaschke auch das Weitergebcn der Zeichen (durchTranslation) aus einer Abtheilnng der Nuhejtrom-linie in die nächstfolgende Abtheilung und zwarmittelst zweier die Taster vertretender Relais ansder Translationsstation. 3) Die Ausrüstung desZuges mit einem tragbaren Telegraph en-Apparate bietet die Möglichkeit, diesen Apparatan jeder beliebigen Stelle der Bahn imFalle des Bedarfes in eine Glocken- od. Betriebs-Leitung einzuschalten u. den telegraphischen Ver-kehr mit den benachbarten Stationen zu eröffnen.Führt der Zug überdies eine passende Elektrici-tätsqnelle mit sich, so braucht man zur Einschaltungdes tragbaren Telegraphen nicht einmal jene Leit-ung zu zerschneiden, sondern nur durch einen Draht

mit dem tragbaren Apparate zu verbinden, vondiesem aber anderseits einen Draht zur Erdezu führen; der Strom der Elektricitätsqnelle wirdsich dann in jener Leitung nach links n. nach rechts ^hin zugleich verzweigen. Freilich ist die Mitführung ieines ganzen Apparatsatzes u. bes. das Mitnehmen !von galvanischen Batterien in mancher Beziehung jumständlich u. unbegnem. Den ersten Vorschlag i

zu Benutzung solcher tragbaren Apparate scheint >

Wheatstone schon 1838 gemacht u. 1845 wieder- lholt zu haben; inzwischen hatte auch Bain 1841 ;

das Nämliche vorgeichlagen. In Deutschland gin- sgen ähnliche Vorschläge von Fardely, Steiuheil,Stöhrer (mit Induktionsapparat), W. Gintl (184g -

mitBainschenNadeltelegrapheu) n.A. ans; in Frank-reichtrat1848BrcgnetmitscineminFig. üabgebilde-tcn tragbaren Zeigertelegraphen ('pvlöAra-pIrs mo-bilo on porta-tik). Der ganze Apparat befand sich !in einem hölzernen Kasten, in dessen unterem TheileLlLl eine Batterie von 18 kleinen DaniellschenElementen untergebracht war; an I* n. dt warender positive u. negative Pol der Batterie geführtn. von da mittels Kupferstrcifen mit den Schrau-ben und V verbunden; der eine Theil X desKastens wurde beim Gebrauche aufgeklappt u. dannder Draht I- an die betreffende Telegrapyenleitmiggelegt, der Draht 1? dagegen zur Erde geführt.

Die Drahtrolle o stand Lurch einen Kupferstreifenmit der Kurbel des Zeichengebers in Verbindung, sdessen Hebel im Ruhezustände an der Contactschraudev lag, so daß einem aus I- kommenden Strome lvon v' in dem Kupferstreifen nach V*, von hier Ians durch den Elektromagnet des Zcichenempsän-gers nach V und in den Kupferstreifen nach der ,Bussole L u. durch die Drahtrolle o* zur Erde I Ioffen stand. Legt sich dagegen der Hebel des Zeichen- tgebers an die Schraube v, so ging der Batterie-ström einerseits von v über c in die Linie I-, an- sderseits von Ik über V, L u. o* zur Erde ib. üAuch auf der Wiener Weltausstellung von 1873 ^

waren mehrere tragbare Telegraphen zu sehen. So ^hatten Siemens u. Halske außer drei, jedoch nicht -ausschließlich für den Eisenbahnbetrieb bestimmten -transportablen Telegraphen sür Morseschrift auchnoch einen zunächst für die Zwecke der Kriegs- »führung zu benutzenden n. daher feldmäßig ver- Ipackten, tragbaren magneto-elektrischen Zeigertele- Igraphen ausgestellt. Die österr. Staatstelegraphen- iVerwaltung endlich hatte einen aus Bussole, Taster 1u. Relais bestehenden tragbaren Apparatsatz aus- kgestellt, au dessen Relais noch eine Glocke so an-gebracht war, daß der Nelaishebel bei seinem Spielauf dieselbe anfschlug u. somit hörbare Zeichen gab.

4) Auch während der Fahrt selbst hat manden Eisenbahnzug telegraphisch mit den benach-barten Stationen zu verbinden gesucht. Zuerstthat dies Ther de Dalton 1851 auf einer «treckeder London-Dovcr-Bahn, ans welcher täglich 36ÜZüge zu fahren hatten; er befestigte dazu in Ent-fernungen von je 1 Icm, einer Fahrzeit von etwa3 Minuten entsprechend, au der Bahn je zwei 6 m .lange Metallstreifen, verband den einen der-selben leitend mit der Erde, den andern durch teinen in Guttapercha gehüllten Draht mit der Te- ,legraphenlcitung u. ließ auf diesen Streifen zwei an ider Locomotive angebrachte federnde Mctalltheile