Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

47

Ehrenberg.

es sei denn, daß es sich um Verwandte absteigen-der Linie handle u. die obervormnndschaftliche Be-hörde od. der Familienrath die Genehmigung er-theile. Neben der Gefängnißstrafe, mit welcherdie Aberkennung der bürgerlichen E-nrechte über-haupt hätte verbunden werden können, kann aufdie Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämterauf die Dauer von 1 bis zu 5 Jahren erkanntwerden. Die Aberkennung der Fähigkeit zur Be-kleidung öffentlicher Ämter hat den dauerndenVerlust der bekleideten Ämter von Rechts wegenzur Folge. Jede Verletzung der bürgerlichen E.eines Menschen, mag sie sich nun durch Schimpf-worte od. Bezeignng verächtlicher Handlungen ans-sprechen, ist als Injurie, Beleidigung, od. insofernsie in dem gegen Dritte ausgesprochenen Vorwurfeverächtlicher bestimmter Handlungen besteht, alsVerleumdung strafbar. Doch tritt die Bestrafunghier immer nur auf Antrag des Verletzten, nichtvon Amtswegen ein. Insoweit genießt auch diebesondere Standesehre, d. i. die äußere Acht-ung, welche durch den besonderen Stand des Men-schen begründet wird, einen besonderen rechtlichenSchutz. Handlungen, welche im gemeinen Lebennicht ohne Weiteres als E-nverletzungen betrachtetwerden können, können doch z. B. einem Offiziergegenüber, wegen der diesem Stande anhaftendenEigenthümlichkeiten, zur Injurie werden. ImÜbrigen aber kann die Standesehre juristisch nichtals besondere Art der E. gelten u. ist deren Ver-letzung nicht mehr Begriff einer besonderen straf-rechtlichen Handlung. Vgl. Sammlung gemein-verständlicher wissenschaftlicher Vorträge, Nr. 152(Berl. von Osenbrüggen). 2 ) (Lat. Horror) Allegori-sche Gottheit, dargestellt als Göttin, mit Kranz u.Füllhorn in der Linken, mit Scepter in der Rech-ten. Der Tempel derselben war in Rom an dender Tugend so gebaut, daß man durch diesen injenen gehen mußte; Marcellus hatte beide errich-tet. Man opferte dieser Gottheit mit entblößtemHaupte. Gwtefeiid.»

Ehrenberg, 1) (Ehrenberger Klause) Paß imr Bez. Neutte des österreich. Kronlandes u. der ge-fürsteten Grafschaft Tirol; durch denselben führteine Knnststraße ans dem Innthal in das des Lech.Die hier befindliche, ehemals starke, jetzt aber ver-, fallene Festung E. wurde im Schmalkald. Kriege10. Juli 1546 von den Truppen der Union unterSebastian Schärtlin erobert, 19. Mai 1552 vonMoritz von Sachsen erstürmt, 1634 von Bernhardvon Weimar vergeblich belagert, 1703 von denBayern genommen, aber kurz darauf von denKaiserlichen wieder erobert; im Französ. Rcvoln-tionskriege wurde sie geschleift. 2 ) Kirchdorf imBez. Schlnckenau (Böhmen), besteht aus den beidenDörfern Alt-E. und Neu-E.; Mühlen, bedeutendeWebereien u. Manchestermanufacturen, Verfertig-ung von Siebböden; Alt-E. (als Gemeinde) 5175,Neu-E. 1612 Ew., wovon jedoch in den Ortenselbst zusammen nur 4881. H. Berns.

^ Ehrenbcrg, 1) Friedrich, Theolog u.prak-tisch-theologischer Schriftsteller, geb. 6. Dec. 1776; in Elberfeld; wurde reformirter Prediger in Pletten-! berg, später in Iserlohn, 1806 in Berlin, 1834^ Oberconsistorialrath n. Hof- u. Domprediger das. u./ st.hier7./8. Dec. 1852. Er schr.:,Blätter dem Genius

der Weiblichkeit gewidmet, Berl. 1809; Reden angebildete Menschen, Düsseld. 1802—1804, 3 Bde.;Reden an Gebildete ans dem weiblichen Geschlecht,Elberf. 1804, 5. Aust. 1853; Handbuch für ästhe-tische, moralische u. religiöse Bildung des Lebens,ebd. 1807; Der Charakter u. die Bestimmungdes Mannes, ebd. 1808, 2. Aust. 1822; Weib-licher Sinn u. weibliches Leben, Berl. 1809, 3. A.1836; Betrachtungen über die wichtigsten Ange-legenheiten des religiösen Sinnes, ebd. 1812;Bilder des Lebens, Elberf. 1811 —15, 3 Bde.,n. Ansg. 1830; Andachtsbuch für Gebildete desweiblichen Geschlechtes, ebd. 1816, 7. Ausl., 1856;Für Frohe u. Trauernde, Lpz. 1818, 2. A. 1820.2 ) Christian Gottfried, geb. 19. April 1795 inDelitzsch; stndirte erst in Leipzig Theologie, dannMedicin u. seit 1817 in Berlin bes. Naturwissen-schaften; er bereiste auf Kosten der Königl. Akademie1820—1825 mit Hemprich in natnrhistorischeinInteresse Ägypten u. Nubien bis Massua (Mas-süwah), Arabien n. Palästina, begleitete mit G.Rose 1829 Alex. v. Humbold auf dessen großerReise nach dem Ural n. dem afiat. Sibirien biszum Altai, bereiste dann 1838 Frankreich undEngland, wurde erst außerordentlicher, dann 1839ordentlicher Professor der Medicin an der Hoch-schule in Berlin, 1827 Mitglied, 1842 Secretärder Akademie der Wissenschaften daselbst. Die Er-gebnisse seiner wissenschaftlichen Reisen finden sichniedergelegt in dem, gemeinsam mit seinem Reise-genossen Hemprich verfaßten Werke: Natnrgs-schichtliche Reisen durch NAsrika und WAsien inden Jahren 1820 — 26, Berl. 1828; besondersaber in seinem: 8^mbv1as pliMoas ssn leorisset ässoriptloirss mammallnm, 2H., Berl. 1828bis 1833; 8^mb. pirxs. avium, ebd. 1828; 8zuub.pü^s. lussotornm (von Klug besorgt), 5 H., ebd.1829—34; 8Mib. pb^s.svsrtsbratorum(Mollus-ken u. Würmer), ebd. 1829—31. Seine Korallen-studicn finden sich besonders niedergelegt in: DieKorallenthiere des Rothen Meeres, Berl. 1834;Natur u. Bildung der Koralleninseln n. Korallen-bänke im Rothen Meere, ebd. 1834; Das Leuchtendes Meeres, ebd. 1835; Akälephen des RothenMeeres u. Medusen der Ostsee, ebd. 1836; Bei-trag zur Kenntniß der nordafrikan. Wüsten (Berl.Akadem. Abh.), 1827; Erfahrungen über die Pestim Orient, ebd. 1831. Entschieden größere Be-deutung aber hat E. ans einem anderen Gebieteerworben. Durch seine mikroskopischen Forsch-ungen u. Entdeckungen hat er die Kenntniß vondem kleinsten Leben der Erde, dem der Infusorienn. ähnlicher Geschöpfe, ungemein erweitert, undwenn auch manche der von ihm gezogenen Schlüssenicht ganz haltbar waren, so bleibt doch dasgroße Verdienst dauernd, diese ganze Richtungmikroskopischer Natnrforschnng angebahnt zu haben.Von besonderer Bedeutung sind: Organisation,Systematik n. geogr. Verhältniß der Jnfnsions-thierchen, Berl. 1830; Zur Kenntniß der Orga-nisation in der Richtung des kleinsten Raumes,ebd. 1832—34, mit Zusätzen, 1836. Am wich-tigsten aber wurde: Die Jnfusionsthierchsn alsvollkommene Organismen, ein Blick in das tiefereLeben der organischen Natur, mit 34 Taf., Lpz.1838. In zahlreichen Mineralien wies er Panzer