Und eine ähnliche Rolle spielt der Bernstein in der Kindheitdes Menschengeschlechts, in den Anfängen der Geschichte.j
Da bringen phönicische Männer das Elektron, denSonnenstein, den Völkern, die das Mittelmeer umwohnen, ausfabelhafter Ferne, vom Ende der Welt als größte Kostbarkeit;nnd während sich die schönen Griechinnen mit ihm schmücken,und die Dichter dieses begabtesten aller Völker von ihm fabeln,daß die glänzenden Stücke versteinerte Thränen solcher Heroinenseien, die von den Göttern mit tragischem Geschicke heimgesuchtwurden, entdeckten griechische Philosophen in ihm jene im Diensteder Menschheit heute so gewaltige physikalische Kraft und nennensie nach ihm die Elektrizität. —
Der erste, der den Bernstein erwähnt, ist Homer (950 v. Ehr.).— Man hat zwar in neuerer Zeit bezweifeln wollen, ob Homermit dem Worte Elektron den Bernstein, und nicht vielmehr eineMetalllegiruug aus Gold und Silber (4:1) gemeint habe;ich glaube mit Unrecht; — daß die ursprüngliche Bedeutung desWortes Elektron der Bernstein war, ist unbestritten, die zweiteBedeutung der Metalllegirung tritt uns erst bei Pausanias undPlinius, also fast ein Jahrtausend später entgegen, und es istWohl sehr wahrscheinlich, daß man erst eine geraume Zeit nachdem Bekanntwerden des Bernsteins darauf versteh eine ihn inder Farbe nachahmende Metalllegirung mit demselben Namenzu bezeichnen. Die Zeit aber, in welcher der Bernstein denGriechen bekannt wurde, dürfte zwischen die Dichtung der Iliasund der Odyssee fallen. In der Odyssee erwähnt Homer ihndrei mal, in der Ilias gar nicht, und dies spricht stark dafür,daß er ihn noch nicht kannte, als er die Ilias dichtete (derenfrühere Entstehung auch ohnehin allgemein angenommen wird),da bei seiner Neigung, glänzende Kostbarkeiten ausführlich zuschildern, er ihn wohl so wenig in der Ilias übergangen habenwürde, wie in der Odyssee.