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1820.
damals im Brockhaus’schen Verlag erscheinenden Zeitschriften „Hermes“ um]„Zeitgenossen“.
Am 1. Dec. 1820 nahm das Blatt den Titel „Literarisches Conversations-Blatt“ an und erschien seitdem in täglichen Nummern. Brockhaus, welcherpersönlich an die Spitze der Redactionsgeschäfte trat, unterliess nichts, um diebesten Kräfte zur Mitarbeiterschaft heranzuziehen. In einem Briefe an Börnevom 26. April 1820 sagt er unter anderm: „Dem Blatte selbst werde ich einenveredelten Charakter geben, der alle rein persönliche Polemik gänzlich ausschliesstund von der Literatur und Politik (soweit sich diese aus Schriften behandelnlässt, da rein politische Aufsätze, die keine literarische Veranlassung haben,ausgeschlossen bleiben) das Neueste in kurzen, verständigen und womöglichgeistreichen Aufsätzen mittheilt.“
Die erwähnte Aenderung des Titels war durch einen Conflict mit der preussischenRegierung veranlasst. Durch ein Handschreiben des Staatskanzlers Hardenbergvom 4. Aug. 1820 war der Verlagshandlung angezeigt worden, dass das „Lite-rarische Wochenblatt“ verboten sein solle, bis man sich von den Tendenzendesselben näher überzeugt habe. Der eigentliche Grund zu dem Verbote, denBrockhaus erst später erfuhr, war eine Stelle aus der „Correspondance inéditede Napoléon Bemaparte “, welche in der vierten Juninummer des sechsten Bandes(1820) zum Abdruck gekommen und in der über den König von Preussen unddie Königin Luise einige verletzende Bemerkungen gemacht worden waren.Brockhaus änderte zwar, um den Wirkungen des Verbots zu entgehen, den Titelseiner Zeitschrift, doch musste er sich nach langem Widerstreben einer „Recensur“seines ganzen Verlags, sowie auch des „Literarischen Conversations -Blatt“ inPreussen unterwerfen.
Ein zweites Verbot in Preussen erfuhr das „Literarische Conversations-Blatt“durch einen von den Ministern Schuckmann und von Bernstorff UnterzeichnetenErlass wegen einer am 15. Dec. 1825 aus einem preussischen Kalender abge-druckten Notiz, die Thronfolge des damaligen russischen Grossfürsten Nikolausbetreffend, welche von den preussischen Behörden als eine geflissentliche Falsch-heit betrachtet wurde. Heinrich Brockhaus, der bereits im Herbst 1822 währendder Krankheit seines Vaters, welche 20. Aug. 1823 dessen Tod herbeiführte,die Redaction des Blattes übernommen hatte, reiste selbst nach Berlin undwandte sich an alle Instanzen, wurde aber überall abschlägig beschieden. Erwandelte nun den Titel des Blattes in „Blätter für literarische Unter-haltung“ um, welcher am 1. Juli 1826 zum ersten mal an der Spitze des Blatteserschien und letzterm verblieben ist.
Unter der dreissigjährigen Leitung von Heinrich Brockhaüs (1823—53) behaup-teten die „Blätter für literarische Unterhaltung“ ihre angesehene und einflussreicheStellung namentlich dadurch, dass sie inmitten der literarischen Bewegung,welche nach 1830 zum Ausbruch kam, sich von keiner Richtung ins Schlepptaunehmen Hessen und überhaupt ihren Kritiken einen unparteiischen Charakterund einen anständigen Ton bewahrten. Sie gehörten daher auch zu den wenigenBlättern, welche die mit dem Jahre 1848 über die gesammte deutsche Journalistikhereinbrechende Krisis überlebten, ohne dass sie ihren Grundcharakter im we-sentlichen zu ändern brauchten. Anfang 1853 wurde die Zeitschrift aus einemtäglichen Blatte in eine Wochenschrift verwandelt. Bald darauf entschloss sichdie Verlagshandlung, die literarische Leitung der „Blätter für literai’ische Unter-haltung“ an den bekannten Schriftsteller und Dichter Hermann Marggraff zuübertragen, der dieselbe noch im Laufe des Jahres übernahm und bis zu seinemTode (11. Febr. 1864) behielt, während den Behörden gegenüber Heinrich Brock-haus noch bis 1857 und von da ab Dr. Eduard Brockhaus als verantwortlicher Ré-dacteur zeichnete. Mit dem Jahre 1865 übernahm RunoLi? Gottsciiall die Leitungdes Blattes, unter welcher dasselbe am 1. Jan. 1868 das Jubiläum seines fünfzig-jährigen Bestehens feierte. Bei letzterer Gelegenheit erschien in den ersten beidenJanuarnummern ein historischer Rückblick, in welchem der Herausgeber die Stellungund das Wirken des Blattes im bisherigen Entwickelungsgange der deutschenLiteratur näher bezeichnet und sich über seine eigenen Bestrebungen ausspricht.Nach seiner Ansicht hat die Kritik mehr als je die Verpflichtung, „die Principiender modernen Dichtung, die er für die allein berechtigten hält, mit Entschieden-heit in den Vordergrund zu stellen und alles zurückzuweisen, was den siegreichenFortgang unserer literarischen Entwickelung zu hemmen vermöchte“. Ausser-dem fügt er hinzu: „Auf dem Gebiete der eigentlichen Production werden die«Blätter für literarische Unterhaltung» nach wie vor nach einer Vollständigkeit