LX
Zur beschichte îles Conversations -Lexikon.
schliessen. Die neue, neunte Auflage „sollte das Conversations-Lexikonauf allen Gebieten des Wissens dem Bedürfnisse der Zeit entsprechend er-weitern, den zeitgeschichtlichen Stoff des letzten Ergänzungswerks in sichaufnehmen und weiterführen, dabei aber in Form und Haltung streng anden Begriff der Eneyklopädie gebunden bleiben“. Die Arbeiten begannenbereits im Jahre 1843 unter der Deduction Espe’s und wurden Ende 1847zum Abschluss gebracht. Filter der grossen Anzahl von Fachmännern undGelehrten, zum grossen Theile Professoren und Doeenten an den verschie-denen deutschen Universitäten, welche dieser neuen Bearbeitung des eney-klopädischcn Stoffs ihre Thätigkeit zmvamlten, heben wir hervor die TheologenBockei, Bretsehneidcr, Francke, Dudelbach und Goldhorn, die JuristenSchietter und Weiske, den Medicinen Dosenbaum, den Philosophen Harten-stein, den Chemiker Wendig, den Botaniker Kunze, den Zoologen Poppig;die historischen Artikel verfassten oder revidirten Kurtzel, Obst, Ranishorn,die orientalischen Hermann Brockhaus, die classisch-philologischen und alter-thumswissensehaftliehen Jaeobitz, Klee, Koch, die kunstgeschichtlichen Kuglerund Burckhardt, die landwirthschaftlichen W. Löhe, die geographischenvon Sydow u. a., die bibliographischen Naumann; die Literatur des Mittel-alters bearbeitete Leyser, die neuere französische Literatur Günther, diespanische und portugiesische F. Wolf, die italienische Reumont, die schwe-dische Palmblad, die polnische Werner. Für die Kriegswissenschaften tratenvon Decker und von Plümickc, für das Fach der Musik Iircndcl, für dieStaatswissenschaften Btilau, für Pädagogik Gräfe, für llandelswissenschaftenK. Noback ein. Wie sehr diese durch ihre stoffliche Ausbreitung auf15 Bände erweiterte neunte Auflage dem Wissens- und Bildungsnufschwungedes Publikums entgegenkam, bewies am besten der Umstand, dass dasWerk in seiner neuen Gestalt wiederum in mehr als 30000 Exemplarenverkauft wurde. Auch zu dieser neunten. Auflage kam ein „Universal-Register“,das von Dr. Wilhelm Jahn in Leipzig (später in Zittau) bearbeitet wurde.
Noch im Jahre 1847 begann die Verlagshandlung die Vorbereitung zueinem neuen Nebenwerke, welches sie dem Hauptwerke zur geeigneten Zeitzur Seite zu stellen gedachte. Da Dr. Espe wegen Krankheit seiner re-dactionellen Thätigkeit entsagen musste, wurden die Umrisse des pro-jeetirten Unternehmens unter Zuziehung des Dr. August Kurtzel*), eines derthätigsteu Mitarbeiter der neunten AuHage besonders für das Fach der neuernabendländischen Geschichte, entworfen, doch traten die Märzereignisse von1848 der Ausführung theilweise hindernd entgegen. Um aber die Gelegenheitfür die frische und anschauliche Darstellung der ebenso wirren wie gewal-tigen Zeitereignisse nicht vorübergehen zu lassen, beschloss die Verlags-handlung unter dem Titel: „Die Gegenwart. Eine encyklopädisclie Dar-stellung der neuesten Zeitgeschichte für alle Stände“, ein Werk zu beginnen,welches „die Scenerien jener Tage in umfänglichen Schilderungen wie.der-geben, die grossen, bewegenden Fragen beleuchten, die Staaten- und Völker-geschichte in einem mehr pragmatischen Zusammenhänge behandeln und mitEintritt ruhigerer Verhältnisse auch die Gebiete der Wissenschaft, Kunstund Literatur in ähnlicher “Weise in seinen Kreis ziehen sollte“. Dielexikalische Form, welche die frühem zeitgeschichtlichen Ergänzungswerkedes Conversations-Lexikon festgehaltcn hatten, musste deshalb aufgegebenund der zeitgeschichtliche Stoff in freierer und mehr betrachtender Behaud-
*) August Kurtzel, geh. 30. Juni 1808 zu Marklissa, studirlo seit 1829 zuBreslau Theologie und Philosophie, und lebte seit 1838 als Privatgelehrter inLeipzig, wo er 24. April 1871 starb.