LIV
Zur Geschichte des Conversations -Lexikon.
verpflichtet hatte, ln dem Vorworte zu diesen (datirt „Jubilatemesse 1809“)wird das Ende des Jahres 1808 als Grenzpunkt festgesetzt, über welchenhinaus die Thatsachen und Ereignisse keine Erwähnung gefunden haben.
Wie unvollkommen auch dieses Conversations-Lexikon in seiner erstenGestalt unter solchen Umständen, besonders seit Löbcl’s Tode, auslallenmusste, so bewies doch der Beifall, welcher ihm von seiten des Publikumsgeschenkt wurde, deutlich genug, dass das ISedürfniss zu einem solchen Buchevorhanden war. Bereits 1812 stellte sich die Nothwendigkeit einer zweitenAuflage heraus, an deren Spitze sich der Verleger Friedrich ArnoldBrockhaus selbst stellte. Nachdem der erste Band der neuen Auflage ganzund der zweite zur Hälfte unter der alleinigen Leitung von Broekhäuserschienen war, trat Dr. Ludwig ilain*) als Mitredacteur ein, der seit dieserZeit bis zur Vollendung des ersten Drucks der fünften Auflage (April 1820)mit dem Verleger, als Hauptredacteur, vereint dem Unternehmen Vorstand,das er auf eine ausgezeichnete Weise gefördert hat.
Mit dieser zweiten Auflage begann eigentlich erst die gänzliche Umbil-dung und höhere Bedeutung des Conversations-Lexikon, dessen Seele derVerleger bis zu seinem Tode blieb. Es war klar, dass die Grundsätzeder ersten Redaction, welche sich auf den Standpunkt des gemeinen Lebensgestellt hatten, nicht mehr eingehalten werden konnten, da die Ansprüchedes Publikums, für welches das Buch zunächst bestimmt war, sich inzwischenin hohem Grade gesteigert hatten. Die neue Redaction begann die Aufgabejedoch mit richtigem Takt zu lösen. Während in der ersten Auflage aus derGeographie, Geschichte, Mythologie, Naturlehrc und den schönen Künstennur die Gegenstände behandelt wurden, die für den Kreis ihrer Leser, deraber sehr niedrig gezogen war, zu passen schienen, fand die neue' Redactiondas Ausgewählte durchaus unzureichend, und auf dem Standpunkte, welchenGesellschaft und Wissenschaft inzwischen eingenommen, nur selten nochbrauchbar. Das Vorhandene wurde daher tlieils erweitert, theils neu be-arbeitet; bei der Aufnahme neuer Artikel hatte die Redaction aber nicht nurauf naturhistorische und technologische Gegenstände und insbesondere aufbiographische Skizzen bedeutender und interessanter Zeitgenossen ihr Augen-merk gerichtet , sondern sie glaubte auch namentlich die Fremdwörter bis zueiner gewissen Grenze in ihren Plan ziehen zu müssen. In diesem Geistebegann Friedrich Arnold Brockhaus die zweite Auflage, doch gelangte die neueRedaction mehr und mehr zu der Ueberzeugung, dass sie, um der sich raschsteigernden Forderung der neuen Ze'.leifall des Publi-
kums zu entsprechen, ganz von dem mmem a. augend mm ein bis auf denTitel ganz neues und selbständiges Werk schaffen müsse. Die naturhistorischenGegenstände und namentlich die blossen Worterklärungen wurden wiederaufgegeben, dagegen wurde das Gebiet der Biographie wesentlich erweitert unddie Politik, die neueste Zeitgeschichte, die Staatswirthschaft, Rcligionsphilosophie,die classischen und neuern europäischen Literaturen, die Archäologie, dieMedicin, die Mathematik, die Natur-, Handels- und Kriegswissenschaft, jaselbst die Jurisprudenz in angemessener Weise berücksichtigt.
Trotz der ungünstigen Zeitverhältnisse wurde die neue Auflage in Angriffgenommen und durchgeführt. Der erste Band erschien noch im Jahre 1812.Schon nach Beendigung des zweiten Bandes musste die Auflage, die ausVorsicht nur in 1500 Exemplaren gedruckt worden war, verdoppelt und die
*) Ludwig Friedrich Theodor Hain, geb. 5. Juli 1781 in Hinterpommern,lebte als Privatgelehrter erst in Leipzig und in Altenburg, seit 1820 in München,wo er 1836 starb. . .