Druckschrift 
Vollständiges Verzeichnis der von der Firma F. A. Brockhaus in Leipzig seit ihrer Gründung durch Friedrich Arnold Brockhaus im Jahre 1805 bis zu dessen hundertjährigem Geburtstage im Jahre 1872 verlegten Werke : in chronologischer Folge mit biographischen und literarhistorischen Notizen
Entstehung
Seite
LII
Einzelbild herunterladen
 

LU

Zur Geschichte des Conversations -Lexikon.

TY.

Zur Geschichte

des Conversations-Lexikon, seiner Ergänznngs- lind lehenwerke.

Die erste Idee zu dem Conversations -Lexikon wurde von Dr. Re-natus Gotthelf Döbel*) in Leipzig gefasst, der, auf den Titel von HübnersZeitungs- und Conversations-Lexikon zurückgreifend, seit 179G die Ver-öffentlichung einesConversations-Lexikon mit vorzüglicher Rücksicht aufdie gegenwärtigen Zeiten zu Leipzig im Verlag von F. A. Leopold begann.Das Buch Löbels sollte zugleich auch den Titel:Frauenzinnner-Lexikon zurErleichterung der Conversation und Lektüre führen, doch ist er nie gebrauchtworden. In der Vorrede spricht sich der Herausgeber über den Gesichtspunkt,von dem er ausging, folgendennassen aus:Vor dreissig, vierzig Jahren, als imallgemeinen grösstentheils nur eine gewisse Gattung von Kenntnissen, nämlich diepolitischen, Gegenstand der Conversation war, mochte Hübners « Zeitungs- undConversations-Lexikon » mehr als hinreichend sein, das erwähnte Bedürfnis zubefriedigen; allein zu einer Zeit, in welcher eine Menge Gegenstände aus denverschiedensten 'Wissenschaften in das gesellschaftliche Gespräch eingedrungensind, hat sich der Begriff der Conversation mit dem Gebiete derselben gar sehrerweitert. Zu einer Zeit, in welcher ein allgemeines Streben nach Geistes-bildung, wenigstens nach dem Schein derselben (zu gleicher Zeit die Ursacheund die Folge der immer mehr sich verbreitenden Annäherung der Ge-schlechter und Stände in ihren Begriffen aneinander), das "Weib wie denMann, den Nichtgelehrten wie den Gelehrten in einen gemeinschaftlichenConversationskreis führt, in welchem man gewisse gemeinschaftliche Begriffeund Kenntnisse bei einem jeden schon aus Höflichkeit voraussetzt, derenMangel zwar nicht selten stattfindet, aber doch ohne Scham nie verrathenwird, zu einer solchen Zeit muss ohne Zweifel ein dem gegenwärtigen Um-fange der Conversation angemessenes "Wörterbuch für dieselbe mehr alsjemals nothwendig und nützlich sein. Mit der Conversation hält, wenigstensbei dem männlichen Geschleclite, die Lektüre gleichen Schritt, und dass derSchriftsteller bei seinen Lesern noch mehr Begriffe voraussetzen zu dürfenglaubt, als bei der Conversation der Fall ist. Indem ich es versucht habe,durch gegenwärtige Erklärung der in das gemeine Leben übergegangenenwissenschaftlichen Kenntnisse und Begriffe die Theilnalnne an einer lehrreichenUnterhaltung und zu gleicher Zeit die Benutzung schätzbarer Schriften zuerleichtern, haben mir im allgemeinen folgende Grundsätze vorgeschwebt:erstlich mit sorgfältiger Vermeidung der Einseitigkeit mich soviel als mög-lich über alle gemeinnützigen Zweige des menschlichen "Wissens zu verbreiten;zweitens aber aus diesen verschiedenen Kenntnissen blos das Gemeininteressantehervorzuheben, wovon vorzüglich im gemeinen Leben die Rede ist. Dieserzweite Gesichtspunkt enthält zugleich die Ursache, warum ich aus einer"Wissenschaft mehr, aus der andern weniger Begriffe herausgehoben habe.

*) Renatus Gotthelf Löbel war 1. April 1767 zu Thallwitz bei Eilenburggeboren, studirte zu Leipzig und erwarb sich bereits 1785 die philosophische, 1791die juristische Doctorwürde. Er starb 14. (nach einer andern Angabe 4.) Febr. 1799zu Leipzig. Ausser einigen kleinern juristischen Arbeiten und Uebersetzungenschrieb er über Declamation und Uebersetzungskunst; auch -war er Mitarbeiter anGrohmannsKurzgefasstem Handwörterbuch der schönen Künste (2 Bde., Leipzig,Voss, 179495, 8.).