VI
Die systematische]! Encyklopiidieii.
sind anzuführen: „De disciplinis, libri XX“ (Lugd. 1531 und öfter, 8.) vondem gelehrten Ludo vicus Vives (geh. zu Valencia 1492, gest. zu Brügge 6. Mai1540); die „Professio regia“ von Pierre de la Ramée (Petrus Ramus,geh. 1515, ermordet 26. Aug. 1572), die sich noch ganz dem System desTrivium und Quadrivium anschliesst; die Werke „De subtilitate libri XXI“und „De rerum varietati libri VU“ des Arztes und Philosophen GerónimoCardan (Hieronymus Cardanus, gest. zu Rom 1576); ferner das „Brefsommaire“ des Guillaume Telin, das „Sommario di tutte le scienze“von Domenico Delfino, der „Speccliio di scienze e compendio Helle cose“von O razio Rinaldi, der „Speccliio di scienza universale“ des AlchemistenLeonardo Fioravanti, die „Syntaxis artis mirabilis“ von Pierre Gré-goire aus Toulouse; „La Piazza universale di tutte le professioni del mondo“Von Tommaso Garzoni, und manche andere Werke dieser Art.
Unter den seit der Reformationszeit in Deutschland, einschliesslich derNiederlande, erschienenen Encyklopiidieii ist zunächst das Werk des JoachimStergk van Ringelbergh, eines autwerpener Gelehrten (gest. um 1536),zu erwähnen, welches zuerst 1529 zu Antwerpen, dann 1541 zu Basel unterdem Titel „Lucubrationes vel potius absolutissima xuxXo7rat.§st.a“ erschien/ 1 '')Dasselbe besteht aus einer Reihe von Abhandlungen über Grammatik, Dia-lektik, Rhetorik u. s. w.; den Schluss bildet ein Abschnitt „Chaos“, in welchemder Verfasser alles zusammenstellte, für das er einen passenden Platz nichtlinden konnte.
Den Namen Encyclopaedia gebrauchte zuerst, wie es scheint, PaulSkalich de Lika (aus Agram, gest. 1577) auf dem Titel seines Werks:„Encyclopaediae seu orbis disciplinarum tam sacrorum quam profanarumEpistemon“ (Basel, J. Oporinus, 1559, 4.). Der gelehrte Theolog und
Schulmann Matthias Martini oder Martinius (gest. 1630 als Rectorzu Bremen) gab 1606 zu Herborn eine „Idea brevis et methodicae encyclo-paediae seu Adambratio Universitatis“ heraus. Kurze Zeit darauf verfassteBartholomäus Keckermann (geh. 1573 zu Danzig, gest. daselbst 25. Aug.1609) zwar keine vollständige Encyklopädie, wol aber eine Reihe von„Systemen“ über fast alle Wissenschaften (z. B. „Systema Astronomiae“,„Systema physicum“, „Systema geographicum“, „Systema compendiosum totiusmathematices“, „Systema disciplinae politicae“, „Systema Ethicum“, „Systematheologiae“). Das gesammte menschliche Wissen suchte Charles Sorel,Sieur de Souvigny (gest, zu Paris 1674) in dem Werke „La science univer-selle“ (4 vols., Paris 1635 — 44, 12.) zusammenzufassen.
Die erste Encyklopädie im eigentlichen Sinne des Worts lieferteJohann Heinrich Alsted (geh. 1588 bei Herborn, bis 1629 Professor derTheologie zu Herhorn, gest. in gleicher Eigenschaft 1638 zu Weissenburgin Siebenbürgen) in „Scientiarium omnium encyclopaedia“ (zuerst: Herborn1620, 4.; ibid. 1630, 4 vol., Fol.; Lyon 1649, 4 vol., Fol.). Am Anfangderselben definirt er die Encyklopädie als „methodica comprehensio rerumomnium in hac vita discendarum“. Das Werk ist ganz von ihm selbst ver-fasst und nicht zum Nachschlagen, sondern zum Durchlesen bestimmt. Ineinem andern Werke: „Compendium lexici philosophici“ (Herborn 1626), be-dient sich Alsted der alphabetischen Anordnung.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sckliesst die Reihe dersystematisch oder wenigstens planmässig angelegten und vorzugsweise für Ge-
: ) Eine spätere Ausgabe erschien unter dem Titel „Ringelbergii Opera“ 1556 zu Lyon.