Druckschrift 
Bd. 18 (1879) Vacarius - Zywilsk
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

326

Wärme.

bei 0,s Atm. 82°, bei 0,1 Atm. 46° II. s. f., ja bei4,b mva Spannung gleich 0°. Bespiele hierzu sinddas Sieden des Wassers ans hohen Bergen, od. imPnlshammer bei verhältnißmäßig niederer Tempe-ratur. Beim Verdampfen wird nun, während dieTemperatur ans dem Siedepunkt stehen bleibt, eben-so wie beim Schmelzen, eine bedeutende Lllenge vonW. gebunden. Man nennt die W-menge, in Cal.ausgedrückt, die 1 bx eines flüssigen Körpers inDampf verwandelt, die latente Damps-W. desKörpers. Dieselbe ist unter allen Körpern am größ-ten für Wasser, nämlich für Wasscrdampf von 100°gleich 540, von 150» 500, von 200° 464; fernerfürWohol von 80° gleich 214, Äther von 35° gleichSO n.s.f. Die latente Dampf-W. läßt sich leicht Nach-weisen u. annähernd bestimmen mit dem kleinen Ap-parat Fig. 4. In dem Glaskolben a, wird Wasser imKochen erhalten. Leitet man die Dämpfe durch dasRohr d in daS mit kaltem Wasser gefüllte Gesäß o,so wird dasselbe allmählich erwärmt, indem dieDämpfe sich wieder verdichten n. die in a gebundeneDampfwärme an das Wasser in o abgcben. Best»-den sich in o anfänglich 54 Wasser von 0" u. setztman denVersuch fort, bis dasWasser in o ebenfallsins Kochen geräth, so wird man finden, daß gerade10 Wasser ans ir nach o übergegangen sind.Folglich ist dieW-menge, die 10lc§Wasser von 100°in Dampf von 100» verwandelt, hinreichend, um54 kA Wasser von 0" auf 100° zu erwärmen, oderdie W-menge, die 1 KZ Wasser von 100° in Dampfvon 100" verwandelt, hinreichend, um 540 bx Wasserum 1° 0. zu erwärmen, d. h. die Dampf-W. desWassers ist 540. Auf der bei der Verdampfung statt-findenden W-bindnng beruht die Kälteerregnng undEisbereitung durch rasches Verdunsten, dieConstruc-tion des Daniellschen Hygrometers, des AngustschenPsychrometers u. s. f.; auf dem Freiwerden von W.beim Niederschlag die Anwendung der Dämpfe zumHeizen vonBadezimmern, zum Dampskochcnu.A.m.

Es bleibt viertens noch die chemische Wirkungder W. zu betrachten. Die W. bewirkt eine Zer-setzung chemischer Verbindungen, bes. dann, wenndie Bestandtheile derselben verschiedenen Grad derSchmelzbarkeit oder Verdunstnngsfähigkeit haben.Bei jeder Zersetzung wird im Allgemeinen eine ge-wisse W-menge, die Zersetznngs-W., verbraucht.Umgekehrt wird bei der chemischen Verbindung eineentsprechende W-menge, die Verbindungs-W.,wieder frei. So entwickelt die Verbindung von 1Kalkhydrat od. 1 ic§ Salzsäure od. 1 Salpeter-säure mit 1 Aeq. Wasser resp. 669,603,607 W-ein-heiten. Hiernach tritt bei jeder chemischen Verbind-ung eine Temperaturerhöhung ein: nur daun findeteine Ausnahme statt, wenn zugleich ein Übergangfester Körper in flüssige od. flüssiger in Dampfformeintritt, weil dann gleichzeitig eine gewisse W-mengewieder gebunden wird. Im Allgemeinen ist die Ver-bindungs-W. um so größer, je stärker sich die Be-standtheile anziehen. Wie nun jeder Proceß, bei demW. frei wird, alsW-quelle dienen kann, so ist vor-zugsweise der chemische Proceß und namentlich dieVerbrennung, d. h. die Verbindung mit Sauer-stoff, das in der Praxis angewandte Mittel, künstlichW. zu erzeugen. Es ist daher von besonderer Wich-tigkeit, die Nerbrennungs-W. der verschiedenenKörper zu kennen. Für die Hauptbestandtheile un-

seres gewöhnlichen Heizmaterials, Wasserstoff undKohlenstoff, hat sich durch genaue Untersuchung mitdem Colorimeter ergeben, daß die Verbrennung von1 Ic§ Wasserstoff 34,601 n. 1 Icx Kohlenstoff 7295Cal. liefert. Zur Einleitung der Verbrennung ist ge-wöhnlich eine gewisse Temperatur, die Entzünd-ungstemperatur, erforderlich; die weitere Ver-brennung aber wird durch die bereits erzeugte Ver-brennnngs-W. unterhalten. Die Entzündungstem-peratur z. B. von Phosphor ist 60°, von Schwefel260». Man leitet daher die Verbrennung so ein, daßman mit einem leicht entzündlichen Stoff beginnt u.dessen Vcrbrennnngs-W. benutzt, um einen schwererentzündlichen Stoff ebenfalls zu entzünden; so ent-zündet man durch Phosphor Schwefel, durch diesenHolz n. s. f. Auch die thicrische W. erklärt sich ausder chemischen Verbindung der genossenen Nahrungmit dem eingeathmeten Sauerstoff. Der in den ve-getabilischen Brennmaterialien, wie Holz, Stein-kohle n. s. f., sowie der in den Nahrungsmitteln undfolglich auch dem thicrischen Körper angehänste W-vorrath ist zu betrachten als W., die ursprünglichunter der Einwirkung der Sonne durch chemischeProcesse gebunden wurde, und so ist in letzter Liniedie Sonne der große W-behälter, aus dem wir alleirdische W. beziehen.

Die bisher betrachteten W-erscheinnngen konntenes zweifelhaft lassen, ob man Lic W. anfznfassen habeals einen Bewegnngsznstand, in dem sich die Mole-cüle der Körper befinden und dessen Änderung eineÄnderung des W-znstandes bedinge, oder als einenaußerordentlich feinen Sloss, dessen Übertritt auseinem Körper in den andern die W-erscheinungenveranlasse. Wenn die schon früh geahnte und durchMellonisVersnche nachgewieseneJdentität von strah-lender W. u. Licht die erstere Ansicht stützte, so schei-nen die Untersuchungen über die Körper-W., insbe-sondere über die specifische n. latente W. der Körper,mehr für die zweite Änsicht zu sprechen; auf dieserberuhen z. B. die Ausdrücke: latente W., W-capa-cität u. a. Daß aber die W. in der That mir einBewegnngsznstand sein könne, ergab sich unwider-leglich, als man eine bisher wenig beachtete Er-scheinung zu untersuchen begann, die Beziehung zwi-schen W. u. mechanischer Arbeit. Man nennt daherdie jetzt allgemeine Auffassung der W. als molecn-lare Energie und die aus derselben entspringendeTheorie die mechanischeW-theorie. DieErgeb-nisse derselben bestehen einestheils in allgemeinenUntersuchungen derW-wirkungen ohne weirereVor-anssetznngen über die innere Constitution der Kör-per, anderntheils aber gerade in der Ausbildungvon bestimmten Vorstellungen über die moleculareBeschaffenheit der Körper.

Es war lange bekannt, daß sich bei Compression,Stoß, Reibung u. s. s. (z. B. beim Hämmern vonMetallen, beim Prägen von Münzen, beim pneu-matischen Feuerzeug, beim Entzünden des Phos-phors am Streichholz u.s. w.) W. entwickle, Laß alsodurch Verbrauch von mechanischer Kraft W. gewon-nen werde, u. ebenso hatte man schon lange durch dieDampfmaschine umgekehrt W. in mechanische Kraftverwandelt. Der Erste, der nachwies, daß sich auseiner begrenzten Körpermasse eine unbegrenzte W-menge gewinnen lasse allein durch Verbrauch vonmechanischer Arbeit, n. der zugleich ein bestimmtes