Druckschrift 
1870 und 1871. Zwei Jahre deutschen Heldenthums
Entstehung
Seite
381
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Maiiteuffel's Operationen gegen Bourbaki und Garibaldi rc. 881

sich in einen Eisenhagel von Geschossen jeden Calibers entlud und eineRückkehr ebenso unmöglich war wie ein Vorwärts. Jeder Schrittbrachte Tod oder Verwundung, schon lagen Viele, die einen Augen-blick vorher noch im Vollbesitz ihrer Gesundheit und Kraft gewesenwaren, als Leichen oder als hülflose Krüppel auf der schneebedecktenErde, Andere hatten sich platt niedergeworfen und erwarteten dastödtliche Geschoß. Lange blieben die beklagenswerthen Landwehrmännerin dieser entsetzlichen Lage zwischen beiden Forts festgebannt, ehe daserbarmungslose Feuer des Feindes ein wenig nachließ. Durch dieNacht tönte das Stöhnen der Verwundeten und Sterbenden, und glück-lich Derjenige, dem es gelang, sich, auf dem Bauche kriechend, demfeindlichen Schußbereich zu entziehen. Jetzt schickte sich der in großerMasse hervorbrechende Feind an, den Rest des Bataillons gefangen zunehmen. Einem Theile gelang es, sich durch die Flucht zu retten unddie Parallele zu erreichen, die Uebrigen, denen der Rückweg versperrtwar, mußten sich gefangen geben, da ihnen der Feind sonst mit einemPelotonfeuer drohte, das sie unfehlbar sämmtlich niedergestreckt habenwürde. Das schwer heimgefuchte Landmehrbataillon büßte in dieserSchreckensnacht 350 Mann ein, und gar manche Gattin im fernenPommerland war zur Wittwe geworden.

Nach diesem so unglücklich verlaufenen Wagniß, bei dem man freilich^auf die gewohnte Sorglosigkeit der Franzosen gerechnet hatte, mußte dieEroberung der Perches auf dem Wege des regelrechten Angriffs erstrebtwerden. Durch eifrig fortgesetzte Erdarbeiten rückten die Batterien denbeiden Werken immer näher zu Leibe, und endlich brachte eine neu er-richtete Mörserbatterie das Feuer derselben gänzlich zum Schweigen.Nachdem sich schon seit mehreren Tagen auf den Brustwehren kein fran-zösischer Soldat mehr hatte blicken lassen, konnten die in den Lauf-gräben arbeitenden Pionniere der Versuchung nicht widerstehen, sich ein-mal oben auf den feindlichen Wällen umzusehen. Sie machten am 8. Fe-bruar durch Einhauen von Stufen und mit Hülfe von Schanzkörbeudie Felsen gangbar und klommen vorsichtig hinauf. In dem weitenHofraume der Haute-Perche zeigte sich kein lebendes Wesen, nichts alszerschossene Laffetten und demontirte Geschütze hinter den arg zugerich-teten Schießscharten. Endlich entdeckten die Pionniere im Innern einer