Die letzten Kämpfe im nördlichen Frankreich. 353
Der glänzende Erfolg des Tages von St. Quentin war deutscher-seits freilich mit einem Verlust von mehr als 2000 Verwundeten undTodten erkauft worden, aber die Niederlage des Feindes, welcher50,000 Mann stark gewesen war, erwies sich als eine vollständige undentscheidende. Er verlor an todten und verwundeten Mannschaften zwi-schen 5- u. 6000 Mann und büßte, außer den in St. Quentin zurück-gelassenen 2000 Verwundeten, 10,000 Mann an Gefangenen und6 Geschütze ein.
Die Franzosen nahmen ihren Rückzug theils ans Cambrai, theilsM östlicher Richtung auf Guise, verfolgt von preußischen und sächsischenTruppenabtheilungen. Ein anschauliches Bild dieses Rückzuges hat einFranzose selbst geliefert, welcher in einem aus Douai datirten Briefeam zweiten Tage nach der Schlacht unter andern Folgendes schrieb:»Der Rückzug der Faidherbe'schen Armee war eine wahre Flucht. Ichlohnte derselben an und wurde vom tiefsten Mitleid ergriffen bei demAnblick solchen Elends und solcher Leiden. Kamen schon die ersten^btheilungen der Armee in elendem Zustande in Cambrai an, so war^ies doch noch nichts gegen das, was ich außerhalb der Stadt sah.Äch verschaffte mir einen Wagen und verließ gestern, Nachmittags 2 Uhr,Cambrai auf der Landstraße nach Busignp. Der ganze Weg wimmelteNamentlich von Mobilen und Mobilisirten. Ein dichter, fetter Schmutz^deckte denselben; einer jener feinen, eiskalten Regen fiel ohne Nuf-eren. Tausende von jungen Leuten schleppten sich mühsam fort. Keinersprach mehr ein Wort. Sie hatten nicht die Kraft dazu. Von Zeit^ Zeit erhoben sie den Kopf und warfen einen verzweifelten Blick auf^ Stadt. Unter ihnen kein Offizier, keine Stimme, die sie ermuthigtMte. Von Zeit zu Zeit sah man einige, unfähig, noch länger zu mar-müren, ^ Boden sinken und sich in den Schmutz niederlegen. Viele"^selben waren derart mit Schmutz bedeckt, daß sie jede menschlicheverloren hatten. Die Einen waren barfuß, Andere in Holz-^uhen, wieder Andere trugen einen Holzschuh und einen ledernen Schuh.
mußte eine Strecke von 5 Kilometern durchfahren, ehe ich durch^fen düstern Zug gekommen war. In der Nähe einer Anhöhe kam> E blitzschnell ein Wagen entgegengefahren. Der Herr, welcher sichl bn dem Kutscher befand, rief mir zu: „„Fahren Sie nicht weiter!
H°S-r. Krieg. ^