126 Ern unterbrochener Vormarsch. — Die Schlachten bei Beaumont und Sedan.
Paris zu entscheiden habe. —- Zur Zusammenkunft mit König Wil-helm schlug Bismarck das-kleine Schloß Bellevue bei Frsnois vor,wohin er sich mit dem Kaiser begab. Es war dies ein freundlichesLandhaus, im Style eines alten Schlosses erbaut, mit Glaspavillonsan den Ecken und durch Parkanlagen von der Straße getrennt. Hierwar inzwischen auch das Gefolge des Kaisers und seine Equipageeingetroffen und auch General Wimpffen hatte sich eingestellt, um dieabgebrochenen Unterhandlungen wieder aufzunehmen. Da der Königdurch einen Adjutanten hatte melden lassen, daß er die vom Kaisergewünschte Zusammenkunft von der Unterzeichnung der Capitulationabhängig mache, so wurde Seitens des General Wimpffen kein Wider-spruch mehr erhoben und die Capitulation, mit deren Text Moltke in-zwischen anlangte, von beiden Theilen unterzeichnet. Es war darinden französischen Offizieren freigestellt, daß sie, unter Verpfändung ihresEhrenwortes, während der Kriegsdauer nicht mehr gegen Deutschlandzu kämpfen, in ihre Heimath zurückkehren durften. General Wimpffennahm diese ritterliche Vergünstigung dankbar entgegen, davon aberhatte er gewiß keine Ahnung, daß es in der französischen Armee Offi-ziere geben könnte, welche — wie die Zukunft erwies — dennoch ihrEhrenwort brachen und, kaum im Wiederbesitz ihrer Freiheit, auf'sNeue die Waffen gegen Deutschland ergriffen.
^ Nachmittags 2 Uhr erschien König Wilhelm in der Begleitung desKronprinzen, des Herzogs von Coburg, des Prinzen Wilhelm vonWürttemberg und mehrerer anderer fürstlichen Persönlichkeiten, sowieseines Generalstabs. Garde-Kürassiere bildeten die Escorte.
Napoleon empfing die hohen Ankömmlinge draußen vor der Trepptentblößte sein Haupt und verbeugte sich mit tiefer Ehrerbietung vordem greisen Sieger, der eine würdig kriegerische Haltung beobachtete-Hierauf begleitete der Kaiser den Heldenkönig in einen jener Glas-pavillons und hatte mit ihm eine viertelstündige Besprechung, überderen Inhalt kein Laut an die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Es waraber ein großer, tiefbewegter Moment und der König selbst schriebdarüber an die Königin: „Was ich Alles empfand, nachdem ich «achvor 3 Jahren Napoleon auf dem Gipfel seiner Macht gesehen hatte,kann ich nicht beschreiben."