72 Der Sturm auf die Spicherer Höhen. — Deutsche Kriegs- und Staatskunst rc.
Verwundeten. Einzelne Bataillone büßten ihre sämmtlichen Offiziereein. Unter den Gefallenen befand sich auch der General v. Francois,Conunandeur der 27. Jnsanteriebrigade.
Aber noch fürchterlicher hatte der Tod in den Reihen des Feindesgehaust. Die Anhöhen rings umher waren garnirt von den Rothhosen.In dem Dorfe Spicheren lag die Kirche voll verwundeter und sterben-der Franzosen und aus einer Scheuer, die zum Amputationssaale ein-gerichtet war, wurden die abgelösten Glieder haufenweis nach demKirchhofe geschafft.
Nach Saarbrücken fuhren vom Exercierplatze her Wagen auf Wa-gen, worin, auf Stroh gebettet, verwundete und sterbende Preußenund Franzosen lagen. In den beiden Schwesterstädten gab es fast keinHaus, wo nicht Verwundete untergebracht waren. Die wackeren Bürgerunterzogen sich der Pflege mit aufopfernder Hingebung, hatten sie dochschon während des Kampfes mit eigner Lebensgefahr die Verwundetenunter dem feindlichen Kugelregen vom Schlachtfelde geholt.
Noch am 12. August hatten die Todtenbestatter ihre furchtbareArbeit nicht ganz bewältigt, und unter den Leichen hielten die Schlacht-feldhpänen ihre grausige Ernte und schnitten den Gefallenen die Taschenaus den Beinkleidern, zogen ihnen die Stiefel von den Füßen undraubten Waffen, Geld, Uhren und Ringe, ja es ist vorgekommen, daßdiese entmenschten Creaturen den Todten die Finger abgeschnitten haben,wenn sich die Ringe von den geschwollenen Gliedern nicht abstreifenließen.
Von Saarbrücken her zogen nun die endlosen Colonnen des preu-ßischen Heeres heran, beseelt vom herrlichsten Geiste, und marschirtennach Frankreich hinein, das kurz vorher noch unsere deutschen Grenzenbedroht hatte.
Die ganze französische Ausstellung von Nord nach Süd war mitden Siegen des Kronprinzen und der Steinmetz'schen Armee total zer-sprengt. Alle vorgeschoben gewesenen französischen Corps hatten eiligden Rückzug angetreten und Prinz Friedrich Karl suchte beim Vorrückenmit dem Centrum den Feind vergeblich.