Einleitung. 5
jetzigen Zeitpunkt für unglücklich gewählt und warnte vor dem gewagtenSchritte, den Frankreich sicher bereuen werde. Aber seine WarnungMar in den Wind gesprochen, und unter 250 Abgeordneten waren nur10, die den Krieg mißbilligten. Die fanatisirten Franzosen wolltennun einmal den Krieg, wollten ihre Träume von der Rheingrenze ver-wirklicht, das verhaßte Preußen gedemüthigt sehen, und schon Tags zu-vor war es auf den Boulevards zu tumultuarischen Kundgebungengekommen, in denen diese Ziele sich unzweideutig aussprachen. Am 15.reiste der preußische Botschafter nach Berlin ab, nachdem ihn die PariserPolizei vor den Insulten desPöbels hatte schützen müssen.
Am gleichen Tage trat auchder König die Rückreise nach Berlinan. Schon auf den Haltestationenfand er überall begeisterten Em-pfang, sein Einzug in Berlinvollends am anderen Abend glicheinem Triumphzuge. Deputationen,
Offiziere und eine unabsehbareMenschenmenge hatten sich amPotsdamer Bahnhofe eingefundenund schon bei der Einfahrt wurdeder Extrazug, der den greisenHeldenkönig brachte, mit donnern-den Hurrah's begrüßt. Die Begeisterung war so groß wie die Erbitte-rung gegen Frankreich, welches den Krieg in frechem Uebermuthe vomZaune gebrochen hatte. Bis zum Palais standen die dichten Menschen-reihen, die den König aus seiner Fahrt durch die Straßen der Residenzüberall mit jubelnden Zurufen begrüßten, so daß er selbst in die Worteausbrach: „Bei einer solchen Begeisterung meines Volkes ist uns derSieg sicher!"
Auch als der König in sein Palais getreten war, ruheten die Volks-massen nicht, er mußte sich wiederholt am Fenster zeigen. Ein weihe-voller Augenblick aber war es, als die Tausende und aber Tausendeihre Häupter entblößten und die Nationalhymne anstimmten. Auch
König Wilhelm von Wrenhcn.