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AUSFLUG NACH RUSSLAND.
ist das Werk eines ruhmbegierigen Willens und eines ungewöhnlichen Talents. Ich urtheilehier nach dem Kupferstiche, da ich das Gemälde selbst nicht kenne: aber Viele, die es ge-sellen haben, weisen ihm unter den neueren Hervorbringungen eine der ersten Stellen an. Del-irier gegenüberstehende Umrifs wird meine Leser befser als eine Beschreibung in den Standsetzen, dieses Werk zu beurtheilen.
Brüloffs Bildnisse werden sehr gerühmt. Naglers Künstlerlexikon, dem ich auch die weni-gen, oben mit Häkchen bezeichneten Zeilen entlehnt habe, vergleicht ihn, als Bildnismalcr, mitVaudyck. Mir sind Aquarellen von ihm bekannt, die ihn, meiner Meinung nach, auf einehohe Stufe stellen. Dieselben haben, selbst wenn sie ein Erzeugnis der Laune sind und intechnischer Hinsicht nicht in allen ihren Theilen den Geschmack befriedigen, doch stets einenhistorischen Charakter und ein gewisses Gepräge von Kraft und Erhebung, die auf den erstenBlick zu erkennen geben, dafs ihr Urheber von der Natur zu grofsen Dingen berufen ist,und dafs er sein Talent in den höchsten Gebieten der Kunst geübt hat.
Die Annalcn des Museums von C. P. Landon, Ausstellung des Jahres 1834, in Paris, sagenvon Brüloff und seinem Gemälde unter andern Folgendes:
„Er hat sein Gemälde von Pompeji in Rom gemalt. Aber an der Reinheit, an dem Adelseiner Menschengestalten im Allgemeinen (denn nicht alle sind von gleichem Verdienste), möchteman ihn für einen Schüler Davids, oder wenigstens Girodets halten. Bis auf seine Kühnheit,die nie ein Künstler der Davidschen Schule erreichte, hat er die Fehler, welche an allendenjenigen gerügt worden sind, die sich nach dem „Raub der Sabinerinnen" gebildet haben,d. h., man vermifst in seiner Composition Geschlofsenheit, und was die Künstler Entsclneden-heit (im parli pris) nennen. Wenn, anstatt dieses zu gleichmäfsig vertheilten Lichtes unddieser gehäuften und unnatürlichen, oder doch so flüchtig vorübergehenden Wirkungen, dafses Vermefsenheit ist, sie nachahmen und festhalten zu wollen, — wenn, sage ich, er stattdessen seinen Gegenstand allein durch die Feuersbrunst erleuchtet hätte: so würde er sicher-lich den Geschmack und den Verstand mehr befriedigt haben; wenigstens hätte er sein Ge-mälde in Einklang bringen können."
„Auf dem gegenwärtigen Standpunkte der Kunst genügt es nicht mehr, dafs man seine Grup-pen gut anordnet, seinen menschlichen Gestalten den gehörigen Charakter giebt, die Kunstder Gegensätze versteht, und für die Schönheit der Formen ein richtiges Gefühl hat; zu die-sen Verdiensten der alten Italienischen Meister, die Herrn Brüloffs Vorbild sind, mufs nochdie Kenntnis von einem in sich geschlofsenen Ganzen hinzukommen. Daran eben erkenntman heut zu Tage den genialen Mann; denn zur Nachahmung der körperlichen Naturfehlt es uns selten an Vorbildern, unsere Irrthümer zu berichtigen; währenddie Einbildungskraft allein Schöpferin und Richterin eines solchen Ganzenist. Dieser grofse Gedanke entspringt und verarbeitet sich im Kopfe desKünstlers, und das ist das eigentliche Werk. Daher finden wir auch die Artvon Vorzug sehr natürlich, welchen der Kunstliebhaber einem Werke giebt, dasgleich beim ersten Anblick ihn durch ein abgeschlofsenes Ganzes gewinnt,das ihm verständlich ist, und dem angeborenen Wahrheitsgefühle zusagt, durchwelches wir die bildliche Darstellung eines erdichteten oder wirklichen Ge-genstandes gern für wahr halten, sobald er nur wahrscheinlich ist. Tadel istleichter zu begründen, als Lob; daher haben die Kritiker vom Handwerk nicht unterlafscn,hervorzuheben, wie wenig die Baulichkeiten des Herrn Brüloff mit denen übereinstimmen,