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AUSFLUG NACH POLEN.
MORACZYNSKI, aus Lemberg, ungefähr dreifsig Jahr alt, folgt der Spur Amerlings inWien. Er hält, wie sein Lehrmeister, grofse Stücke auf Luca Giordano, welche Vorliebe ichmit ihnen nicht theile. Er hat mir einige Studienköpfe gezeigt, welche glückliche Anlagenverrathen.
OLESZCZYNSKI ist ein ausgezeichneter Kupferstecher. Er lebt in Paris. Er verwendet seinTalent vorzugsweise auf die Darstellung solcher Gegenstände, welche sich auf die GeschichtePolens beziehen.
CZECHOWICZ und mehrere andere Polen, ebenfalls in Paris wohnhaft, haben sich derHolzschneidekunst gewidmet.
Vor 20 Jahren lebte in St. Petersburg ein Gouachemaler, Namens ORLOWSKI, ein Pole,der mit einer erstaunlichen Leichtigkeit begabt war. Seine militairischen Scenen, seine Pferde,seine Kosaken, seine Baschkiren, seine Dorfscenen, seine Räuber, sind voller Leben und geist-reich erfunden und gezeichnet. In den Compositionen der letzten Art zeigt er oft Aehnlich-keit mit Salvator Rosa. In Ol hat er nur wenig gemalt. Ich kenne von ihm ein ziemlichmittelmäfsiges Seestück in Ol, welches sich im Schlofse des Grafen Ed. Raczynski, in Rogalinbei Posen, befindet. Seine Feder-, Bleistift-, Tusch- und Sepiazeichnungen und seine Gouache-malereien wurden bei seinen Lebzeiten in Rufsland und Polen zu sehr hohen Preisen ver-kauft. Ich weifs es nicht, aber fast möchte ich glauben, dafs die neueren Aquarellmaler ihnwohl schon aus der Mode gebracht haben, denn sein Talent gehört zu denjenigen, welcheglänzen oder verbleichen, je nachdem der grofse Haufe sie aufrecht erhält oder fallen läfst.So wird es vielen Aquarellisten, auch neueren Malern, ergehen, zumal denjenigen, deren Rufauf le fion et le chic gestützt ist.
Gehen wir auf die Regierung des Stanislaus Poniatowski, etwa auf das Jahr 1780 zurück,so stofsen wir auf einen Polnischen Maler, der sein Talent an historischen Darstellungen mitziemlich grofsem, aber sehr unverdientem Erfolge übte. Er hiefs SZMUGLEWICZ. Was ichvon ihm gesellen habe, hat mir einen ungünstigen Eindruck zurückgelafsen. Dasjenige vonseinen Gemälden, welches ich am meisten habe rühmen hören, ist sein grofses Bild in derBasiliancr Kirche zu Warschau. Er bezog in Rom ein Stipendium vom Könige von Polen.
In der Königlichen Galerie zu Kopenhagen befinden sich zwei Genrebilder von LUBIE-NIECKI, die nicht ohne Verdienst sind; das eine stellt einen Holländer dar, welcher Tabakraucht, das andere einen Spanier, welcher eine Prise Tabak nimmt. Nach dem Verzeichnisseder Gemälde im Museum zu Kopenhagen ist Lubieniecki im Jahre 1729 im Alter von 70 Jah-ren verstorben. Dieser Maler wurde vermuthlich durch die Verfolgungen, welche die So-cianer damals in Polen zu erleiden halten, genöthigt, sein Vaterland zu verlafsen. Niesiecki,ein Polnischer Schriftsteller, zählt diese Familie zu denjenigen, welche jener Sekte angehörten.
Krakau giebt uns Zeugnis von einer, zur Zeit Dürers, zwischen den Künsten in Polen undin Deutschland bestandenen Verbindung: von einem Einflufse der Italiener habe ich nicht dasGlück gehabt, etwas wahrzunehmen. In einer kleinen, ziemlich alten Kirche habe ich vorlanger Zeit eine Reihe Gemälde auf Holz, aus dem Leben Christi, gesehen, die unstreitig ausder Schule Dürers waren, und die mich durch Zeichnung und Composition an Goltzius erin-nerten. In einigen anderen Kirchen bezeugen alte wurmstichige Malereien auf Holz und vieleGlasmalereien dieselbe Verbindung mit Deutschland; indessen sind mit Ausnahme der obge-dachten Bilderreihe alle diese alten Denkmäler von geringer Bedeutung.