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3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
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AUSFLUG NACH ENGLAND.

oder den letzten fünfzehn Jahren angehören. Es gieht hier gar zu viele Maler, welche derNatur auch nicht im geringsten ähnlich sein wollen; einige begreift man erst, wenn man end-lich nach und nach dahinter gekommen ist, dafs Gott weifs welche wunderliche und will-kürliche Farbe für das Blau des Himmels, oder das Grün der Bäume gelten soll, und dafsder Maler die von der Natur so zart und bestimmt gebildeten Gestalten durch grofse Farben-klecke wiederzugeben meint, welche er so zusammenstellt, dafs sie einen sogenannten über-raschenden Effect hervorbringen sollen. Eine solche Kunstrichtung kann ich wahrlich nichtgutheifsen. Es liegt zu viel Glanz ftoo mucli of glaringj darin; es heifst, sich mit der Modegegen die gesunde Vernunft und den guten Geschmack verschwören, und wenngleich zuwei-len unser Auge durch einen solchen falschen Farbenglanz bezaubert wird, so ist doch jedeKunstrichtung, welche uns von der Natur entfernt, nichts desto weniger Verirrung.

In der Kunst, so wie in vielen anderen Dingen, übt das Vorurtheil in diesem Lande einegewaltige Herrschaft aus. Die Mode in London ist ein Tyran und weit eigenwilliger alssonstwo. Es wird mir stets unbegreiflich bleiben, wie Künstler, welche einem so grofseuund stolzen Volke angehören, wie das Englische ist, dieses Joch mit so vieler Geduld undVerleugnung ertragen. Indessen darf ich hiebei nicht unbemerkt lafsen, dafs Vielen von Urnendie Notwendigkeit, ihren Unterhalt verdienen zu müfsen, zu einer Entschuldigung gereicht,welche man schwerlich mit Erfolg bekämpfen kann.

Und nun zum Schlufs:

Reynolds, West, Stothard, Gainsborough, Wilson, Hogarth, Flaxman und Lawrence sinddie Koryphäen der Kunst in England. Sie haben alle am Ende des vorigen, und zu Anfangdieses Jalnhunderts gelebt.

Wir haben gesehen, dafs der Charakter der neueren Geschichtsmalerei ein Gemisch vonEinflüfsen Rembrandts, von Rubens, Vandyk, der Venetianer und der neueren Maler Rey-nolds und Lawrence ist: des letzteren, in Hinsicht der Färbung.

Den historischen Kunstwerken fehlt es im Allgemeinen an Reinheit und Grofsheit des Styls?und sie sind nicht frei von Übertreibung. Man scheint stets sorgfältig die Vorbilder Rafacls undseiner Schule vermieden zu haben (X).

(X)Was ich vorher von Leslie gesagt habe, dürfte Ihr gerechtes Urtheil über unsere Geschichts-malerei einigermafsen mildern. Der Geschmack der Engländer ist überhaupt nicht gemein. Hierinmöchte wohl der einzige heilsame Einflufs zu «kennen sein, welchen die Englischen Sitten und Ge-wohnheiten auf die Kunst üben. Der gebildetere Theil der Nation ist sehr verfeinert, wenigstenssinnlich verfeinert, was der Kunst eine gewifse Anmuth und Wohlanständigkeit verleiht. UnsereDichter werden allgemein gelesen, und das hat ohne allen Zweifel auf die Kunst einen unglücklichenEintlufs gehabt, indem dadurch der Sinn für das Phantastische genährt, und ein Wetteifer angeregtwird, der niemals zum Ziele führen kann. Man ist nicht genugsam von der Überzeugung durchdran-gen, dafs die wahre Poesie der bildenden Kunst eine Sache für sich ist und in ihren Mitteln wesent-lich von der Dichtkunst der Rede abweicht".

Diejenigen Maler, welche die Sitten ihrer Zeit nach Art der Holländer dargestellt haben, sind Ho-garth, Gainsborough (dieser wenigstens bis zu einem gewifsen Grade), Wilkie und Landsecr. Eswird Ihnen nicht entgangen sein, dafs Landscer am liebsten eine gewifse und zwar sehr wichtige Le-bensangelegenheit der Engländer dargestellt hat, welche grofse Liebhaber der Jagd und der Wettren-nen sind. Wenn ich von Leslie spreche, so mufs ich natürlich auch des Amerikaners Newton ge-denken, der vor vier Jahren starb, und ein Schüler Leslic's war, oder wenigstens seiner Richtungfolgte. Er hatte einen grofsen Farbensinn, zeichnete aber nicht wie Leslie".