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AUSFLUG NACH ENGLAND.
vermoclite ich die Gegenstände nicht zu unterscheiden; die schreiendsten und entgegengesetzte-sten Farben waren auf einen Punkt zusammengehäuft und sollten Figuren vorstellen; diese Far-ben schwimmen, so zu sagen, in einem Meere von Kreide - oder Schmutzigweifs, oder von Gelb,welches Luft, oder Wafser, oder eine Sandfläche vorstellen soll, wovon jedoch meine Augeneigentlich nichts erblicken. Es wäre ein Unglück, wenn in der Kunst diese Art von Keck-heit das Genie bedingte .... man würde dann das Genie fürchten müfsen. Wer indessendiese Art von Keckheit liebt, thut sehr wohl daran, hienach die Gröfse Turners abzumessen:ich, für mein Theil, beurtheile sein Talent lieber nach denjenigen Werken von ihm, die ichbereits lobend erwähnt habe. Es gilt mir für erwiesen, dafs Turner, so lange er sich in denrichtigen Schranken hält, ein Künstler ist, den man in Deutschland und sonst überall sehrbewundern würde: eine Bewunderung, über welche er freilich sich sehr leicht hinwegsetzenkann. Seine anderen Werke sind gemacht, in England zu bleiben; denn dort ist ein zahl-reiches Publikum, das bereits mit ihm einig ist, das ihn versteht, und ihn zu schätzen weifs.In dieser Hinsicht ist die Erziehung des Englischen Publikums vollendet: die unsrige ist nocherst zu machen.
CALLCOTTS (SIB ATJGUSTIN WALL) WERKSTATT.
Wenn unter allen Landschaftern in London Stanficld derjenige ist, dessen Talent mich ammeisten einnimmt, so darf, glaube ich, Callcott als derjenige betrachtet werden, der in deröffentlichen Meinung am höchsten steht. Er hat vielleicht nur Martin und Turner zu Neben-buhlern (X), und selbst diese beiden Maler, wiewohl sie Landschafter sind, haben so ganzverschiedene Richtungen genommen, dafs jede Vergieichung mit Callcott unmöglich wird. Ichsah bei ihm ein Gemälde: ein Strand mit Pferden, welches ich ein wenig kalt fand; und einBildnis, welches nicht errathen liefse, dafs es ein blofser Versuch war, und Callcott keinBildnismaler ist.
EASTtAKE'S WERKSTATT.
Ich beschliefse diese Übersicht der Werkstätten mit meinem Besuche bei Eastlake, demjeni-gen Geschichtsmaler in London, dessen Talent mich am meisten anspricht.
Folgende Werke habe ich bei ihm gesehen:
Eine Italienische Familie, die von Räubern geführt wird; ein gewifsenhaft ausgeführtesGenrebild mit edel aufgefafsten Figuren.
„Byrons Traum". In diesem Gemälde, wie in jenem, wiewohl es eigentlich nur ein Genre-bild ist, sieht man, dafs dieser Künstler überlegt, verständig und bescheiden ist, und dafs ereine hohe Seele, ein reines Gemüth, einen richtigen Sinn, und ein feines Gefühl besitzt.
Ich habe bei ihm ein Bildnis der Frau Wickam gesehen, welches ich reizend fand. Es istsehr fein ausgeführt, ohne hart, noch trocken, noch geleckt zu sein.
Seine „Scene aus dem Kriege in Griechenland" ist eine anmuthige Composition mit vielenFiguren. Ich kenne dieses Werk nur aus einem Kupferstiche.
Er hat auf seinen Reisen mehrere Meine Copieen von Italienischen, und insbesondere vonVenetianischen Bildern gemacht, die ich niedlich gefunden habe. Man sieht sie bei ihm.
(X) „Gegenwärtig hat auch Lee grofsen Ruf und viele Gönner in England".