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AUSFLUG NACH ENGLAND.
Leichtigkeit; und aus einer Gefahr, der man entgehen will, geräth man leicht in eine andere.Ungehundenheit ist nicht Geist. Die Vermefsenheit in der Malerei wird nimmer so gute Er-folge herbeiführen, wie die Bescheidenheit, Sorgfältigkeit und Liebe zur Wahrheit. Aber dieAquarellen sind es nicht allein, woran ich oft ein falsches Colorit wahrnehme: mir scheinenauch viele Bleistiftzeichnungen, wie sehr sie übrigens mit Talent und Leichtigkeit behandeltsein mögen, allzu sichtlich die mechanische Fertigkeit und Methode zu zeigen. Diese Zeich-nungen kommen mir oft vor wie Schönschriften. In dieser Beziehung scheinen mir die Hol-länder, sowohl älterer als neuster Zeit, auf befserem Wege zu sein: bei ihnen sondert sichdie Hand nie von dem Geiste.
Man malt in England sogar bedeutende historische Bilder in Aquarell: aber auch in diesenscheint mir jene Geziertheit und Manier zu häufig vorherrschend. Diejenigen Künstler, welcheder Mode schmeicheln, und sich zu ihren Knechten machen, können auf dauernden Erfolgnicht rechnen; denn die Mode ist leichtsinnig und unbeständig. Die Kunst mufs von jedemEinflufse dieser Art frei bleiben, und keinen andern Führer anerkennen, als Natur und Wahr-heit. Talent, Geist und Einbildungskraft können des Zügels nicht entbehren; die Mode istfreilich ein solcher, aber ein schlechter; sie lenkt von der Richtung ab, welche der gute Ge-schmack und die gesunde Vernunft vorzeichnen.
Ich habe ein Bild gesehen, welches einen heiligen Gegenstand in grofsem Farbenglanz undreicher Composition darstellte, und ein gewifses Talent verrieth, aber dabei eine wunderlicheVereinigung entgegengesetzter Einflufse darbot, und durch Gezwungenheit und Geziertheit ent-stellt war. Auf diesem Bilde sah ich einen Christus, der wie ein junger travestirter Zierlingaussah, der so eben den Frack oder die Uniform abgelegt hat; ein Kind, ähnlich einem jenerLiebesgötter auf Fufsgestellcn in den Gärten von Le Notre, oder auf dem altmodischen Sevre-schen Porzclan; eine Frau, sitzend und angethan wie eine Ballettodaliske; und eine grofseMenge anderer Figuren in zierlicher Stellung. Die Farbenglut (glowing of colour) fehltenicht; aber das Ganze machte mir einen peinlichen Eindruck. Auf anderen Gemälden begeg-net man einer andern Art von auffallenden Verstöfsen gegen die Zeitrechnung: Gegenständeaus den Ritterzeiten, in Watteauscher Auffassungsart; Helden, denen man die Lanze aus denHänden nehmen, und ihnen dafür einen Hirtenstab geben möchte; Fredegunden, welche sichwie Estellen und Galatheen zieren. Dagegen habe ich von Copley Fielding und mehrerenMalern und Zeiclmern Arbeiten gesehen, an welchen ich von alledem nichts gewahr gewor-den bin. Die grofse Aquarelle von Fielding: „Vessels in a Gate, Schiffe bei Sturm", z. B.,welche auf der Water colours exhibition, Aquarellen-Ausstellung, zu sehen war, vereinigt jedeArt von Verdienst und Schönheit. Sie ist wahr, verständig, einfach von Farbe und Zeichnung,und frei von aller Manier. „A Trooper of the Olden Time, ein Soldat aus der alten Zeit"von Taylor, hat mir das gröste Vergnügen gemacht; dasselbe Zeugnis kann ich der Aquarellevon W.Hunt: „The forlorn Sailor Boy, der verlorene Schiff junge", geben. Das Bild vonC. Bentley: „From Tom Crlngle's Log", habe ich nicht in allen seinen Theilen von natur-wahrer Wirkung gefunden: aber die Sonne darin hat mich durch ihren Glanz und ihren er-staunlichen Effect lebhaft überrascht. In der Art des Johannot und des Deveria habe ich vielesehr schöne Compositionen gesehen; dahin gehören: „die Plünderung eines Klosters in Spa-nien durch Guerillas"; und „Murillo, wie er in dem Franciskanerklostcr zu Sevilla die Jung-frau malt", von J. F. Lewis; „der Verurtheilte" und eine „Scene am Lochleven am 25stenJuli 1567 aus dem Leben der Königin Maria Stuart", von Lake Price; „Lionardo da Vinci