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AUSFLUG NACH ENGLAND.
Der Verfafser der mit X bezeichneten Anmerkungen hat mir über unsern Künstler Nach-stehendes mitgethcilt.
„Howard, nun schon in vorgerücktem Alter, hat sich, wie Ililton, fast ausschliefslich derhistorischen und dichterischen Malerei gewidmet. Er arbeitet im Geschmacke Flaxmans, soweitsich dieser Geschmack auf die Malerei anwenden läfst. Sein gröstes und eigentümlichstes Ver-dienst aber besteht darin, dafs er die dichterischen Schöpfungen der Einbildungskraft verkörpert,und sie in seinen Gemälden in bewunderungswürdige Gestalten kleidet; in dieser Hinsicht stimmtsein Geschmack mit den dichterischen Darstellungen N. Poussins und des Giulio Romano, ohnedafs sich sagen läfst, dafs er des einen oder des andern Nachahmer sei. Die Eigcnthümlichkeitseiner Darstellungen ergiebt sich schon aus der Wahl seiner Gegenstände. Ein solcher ist„die Personification des Sonnensystems". In diesem Gemälde sieht man die Planeten, mitihrem mythologischen Zubehör, sich um die Sonne drehen, und ihre Urnen aus dem Quelldes Lichtes füllen. In dem „Chaldäischen Hirten, der die Himmelskörper betrachtet", sinddie Gestirne in schöne und majestätische menschliche Gestalten gekleidet. Der gröste Theilder bekanntesten Stellen aus Miltons und Shakespeare's Dichtungen sind so von unserm Malerbehandelt. Bei Sir J. Swinburne sieht man treffliche Werke von Howard und Turner. Ho-wards Gemälde in der Sammlung des Herrn Morrison ist eins seiner besten Werke."
ETTY (WILLIAM) ist einer der fruchtbarsten Maler der neueren Schule, und gehört zudenjenigen, welche als Geschichtsmalcr im grösten Rufe stehen. Auf der akademischen Aus-stellung sah man mehrere Arbeiten von ihm: „Cupido auf der Beiwacht"; „das verschwen.derische Kind"; „eine Bacchantin"; ,,il Dnelto (das Duett)"; „Miss Lewis in the characlerof a ßowergirl (Mifs Lewis als Blumenmädchen)"; „Sonmolency" und „der bekehrte Jude".Dies letzte Bild ist ein kräftig und geschickt gemalter Studienkopf.
Nach den eben angeführten Werken Etty's würde ich das Talent dieses Malers nicht rechtbezeichnen können, denn sie sind meinem Gedächtnis entschwunden: ich habe jedoch anders-wo mehrere Gemälde von ihm gesehen, und ich glaube, die Eigenlhümlichkeit seines Talenteswohl beurtheilen zu können. Ich erkenne in ihm ein löbliches Streben nach Styl, möchteaber eine zu grelle Farbengebung, eine allzu feste Pinselführang und einen zu plötzlichen Über-gang der Farben an ihm tadeln. Diesen Eindruck haben die folgenden Bilder auf mich ge-macht. Bei Herrn Vernon: „Christus und Maria Magdalena"; „Noli me längere"; „ein Gui-tarrenspielcr vor Zuhörerinnen", und andere Bilder derselben Sammlung. In der Sammlung desLords Northwick: „Hero und Leander" und „Alpheus und Arcthusa". Etty's Werke sindzahlreich und bedeutend. Näheres über ihn hat mir ebenfalls der Verfafser der mit X bezeich-neten Anmerkungen mitgetheilt, dessen eigene Worte ich hier anführe:
„Seine bedeutendsten Werke sind drei grofse malerische Darstellungen aus der GeschichteJudiths, welche sich in der Akademie der Künste in Edinburg befinden. Ein anderes Bild,seine „Pandora", habe ich selber nicht gesehen, aber loben gehört. Auch sein „Urtheil desParis" gehört zu seinen berühmtesten Arbeiten. Im vorigen Jahre stellte er ein grofses Bildaus: „Ulysses und die Sirenen". Oft behandelt er Gegenstände aus der Fabelgeschichte desMars und der Venus, oder aus Tasso und Milton. Er malt gern das Nackte, besonders nackteFrauen. Eben dieser Richtung seines Talentes gemäfs, wählt er auch biblische Gegenstände;so hat er mehrmals Adam und Eva, Simson und Delila, den verlornen Sohn und derglei-chen gemalt. Man glaube deshalb nicht, dafs seine Vorstellungen unzüchtig seien; wenn auchmanchmal seine Gestalten einen solchen Verdacht erwecken, so würde eine solche Auslegung