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3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
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AUSFLUG NACH ENGLAND.

Erst das vorige Jahrhundert hat in England eine eigentlich einheimische Malerei entstehensehen, und seitdem erst wird dieses Land besonders durch die Namen Hogarth, Reynolds,Gainsborough, Wilson, West, Stothard, Flaxman* und Lawrence verherrlicht (X).

Bedenkt man, dafs seit der Normannenzeit unzählige Baudenkmale den Geschmack der Na-tion für das Schöne und Grofse bekunden, so ist es zu verwundern, dafs die Malerei in Eng-land so spät angefangen hat rege und einheimisch zu werden.

Ich glaube nicht, dafs West, Reynolds, Stothard oder Flaxman die neueren Maler auf denrechten Weg gebracht haben: aber ich will diese Meinung durchaus gegen niemand verfech-ten, eben so wenig, als ich unsere Deutschen Maler gegen Diejenigen vertheidigen werde,welche die Richtung der Miinchener und Düsseldorfer Schulen misbilligen. Ein jeder nachseinem Geschmacke.

Wir werden uns nun im lsten Artikel mit den Malern des 18ten Jahrhunderts beschäfti-gen, welche in England zuerst zu grofsem Ruhme gelangt sind. Im 2ten Artikel werdenwir von den Ausstellungen reden, im 3ten von den öffentlichen und Privatsammlungen, und im4ten von verschiedenen Künstlern. In dem 5ten Artikel endlich werden wir unsere Urtheilein einen kurzgefafsten Überblick unsrer ganzen Arbeit über England vereinigen (X).

* Er hat nur sehr wenig gemalt, und verdankt seinen Ruf hauptsächlich seinen Bildhauerarbeitenund gestochenen Umrifsen. Vor allem aber trug seine Liebe zur Griechischen Kunst zu seinem Ruhmebei, zu einer Zeit, wo der Geschmack des Publikums diese Richtung ausschliefslich genommen hatte.

(X) „Die Bemerkung, dafs die Malerei in England sich erst aus dem vorigen Jahrhunderte her-schreibt, ist oft, und mit anscheinendem Rechte behauptet worden: man hat indessen alsdann dieje-nigen Maler aufser Acht gelafsen, die schon vor Van Dyck und nach ihm Portraits und Mignaturenmalten; es ist überhaupt anzunehmen, dafs die Künste im Mittelalter und später bis zur Reformation,sich in England unter nicht minder günstigen Anzeichen kundgegeben haben, als im übrigen Europa.Ich spreche hier nicht einmal von der Baukunst, die, wie allgemein bekannt, in England so vielfältigeBeweise von ihrer seit den ältesten Zeiten behaupteten Höhe aufzuzeigen hat; ich verweise nur aufdie Bildwerke in den Kirchen, auf die Glasgemälde und auf die ausgemalten Handschriften hin, welcheden sichersten Beweis abgeben, dafs in England auch die Maler- und die Zeichenkunst einen gewissenGrad der Vollkommenheit erreicht hatte. Die Zerstörungswuth der Bilderstürmer vor und nach derReformation, zur Zeit der Puritaner, hatte sich hauptsächlich gegen die Altarbilder und Altarverzie-rungen gerichtet, deren blofse Namen ihnen schon ein Greuel waren."

„Flaxman hat in einer Abhandlung dargethan, dafs das im Yorker Dom befindliche Bild, dessenGegenstand aus dem ersten Buche Mosis entnommen ist, an Composition und Zeichnung die gleich-zeitigen Werke der Italiener noch übertrifft. Eine Menge trefflicher Proben von Glasmalerei dienenzum Beweise, dafs in diesem Fache die allerältcsten Englischen Künstler denen der andern Ländergleichkamen. Unglücklicher Weise aber verhinderte derselbe Geist, der die Kunst in ihrem Keimeerstickte, dafs man keine Geschichte derselben zu einer Zeit niederschrieb, wo doch ohne ZweifelKünstler lebten, deren Namen und Werke der Vergefsenheit entrifsen zu werden verdienten. Indes-sen dürfen wir hoffen, dafs irgend ein ämsiger und unternehmender Kunstforscher noch einmal einigesLicht auf diese so entfernte Zeit werfen werde, wenn ihn nicht die in dieser Beziehung freilich garzu ärmlich ausgestatteten Archive in Stich lafsen. Ein Deutscher Baumeister, Herr von Chäteauneuf,welcher eben England bereist hat, ist erstaunt über die Schönheit alles dessen, was unsern Haupt-kirchen als Zieraten dient, und ist der Meinung, dafs die Engländer des 13ten und 14ten Jahrhundertsden Deutschen in Hinsicht des Geschmacks überlegen waren."

(X) „Erlauben Sie mir, eine recht wichtige Frage an Sie zu thun. Haben Sie auch genug gese-hen und beobachtet, um sich über die Englische Malerei ein richtiges Urtheil bilden zu können? Wasdie Ausstellungen bieten, reicht allerdings hin zur Beurtheilung des allgemeinen Charakters der Schule,aber nicht des Talentes eines jeden Künstlers; denn so sehr die Ausstellungen sich einander auch