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3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
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LONDON, den 2. Mai 1S38 *.

Ochon ist unser Dampfboot, Batavia von Rotterdam, über Woolwich und Greenwich hin-aus; Hunderte von Segel- und Dampfschiffen haben sich mit uns durchkreuzt; wir dringendurch einen Wald von Masten in den Mittelpunkt dieser so reichen und so bevölkerten Stadt.Da sind wir am Cuslom howse; und nach einer mehr als einstündigen Fahrt durch das Strafsen-gewühl der Menschen, Pferde und Wagen, gelangen wir zu unsrer Wohnung am entgegen-gesetzten Ende der Stadt.

Hier bin ich also beinahe am Ziel meiner Untersuchungen über den Zustand der neuerenKunst. Ich erschrecke vor der Anzahl von Ausstellungen und Sammlungen, vor der Mengevon Namen und Gemälden, von denen ich zu reden habe; aber die Geschichtsmalerei wirdin diesem Berichte über die Kunst in England bei weitem nicht die bedeutendste Stelle ein-nehmen; denn die Zahl der Maler dieses Landes, welche geschichtliche Gegenstände behan-deln, ist, verhältnismäfsig, viel geringer als in allen anderen Ländern, wo die Künste blühen.Überdies mufs ich bekennen, dafs ich, von den Italienischen und den neuern Deutschen Mei-stern in diesem Gebiete der Malerei ganz erfüllt, an den Werken der hiesigen kaum etwasvon dem Charakter und dem Style gewahre, welche die klassische Zeit der ItalienischenKunst bezeichnen, d. h. von dem Style, welcher die Geschichtsmalerei, im höchsten Sinne,bedingt. Mir scheint der Styl der Geschiclitsmalerei in England von jeher und auch gegen-wärtig nicht auf gleicher Höhe zu stehen mit der ruhmwürdigen Geschichte dieses Landes,seiner politischen Stellung, und seiner Poesie, die vielleicht die Poesie aller anderen Völkerüberstrahlet. Wir werden die Künstler nach den von ihnen behandelten Gegenständen, oderin solche Abtheilungen ordnen, wie es in ihrem Lande herkömmlich ist.

Noch eine grofse Schwierigkeit stöfst mir auf. Wo soll ich nämlich die Zeit hernehmen,alles zu sehen? Jeden Augenblick werde ich von dem mir vorgezeichnelen Wege unwillkür-lich abgezogen; denn wer widerstände dem Verlangen, die junge Königin von ihrem glän-zenden Hofe umgeben, das Oberhaus, das Parlement, und so viel in dieser ersten Stadt derWelt aufgehäufte Wunder zu schauen? und noch dazu während der season! Unter season ver-steht man: Strudel, Taumel, Abgrund, Wirrwar, tödtendes Treiben!

* Den Gegenstand deises Artikels behandelt auch, nebst vielen andern, Herr Waagen in seinemim Jahre 1837, unter dem Titel: „Kunstwerke und Künstler in England", herausgegebenen Werke,welches auch ins Englische übersetzt ist. Um die Unabhängigkeit meines Urtheils zu bewahren, habeich sein Buch erst nach Beendigung meines Aufsatzes zu Rathe gezogen; und wenn ich hier auf das-selbe zuweilen Bezug nehme, so wird man doch erkennen, dafs diese Stellen meiner Abhandlung erstnachträglich hinzugefügt sind. Das Werk des Herrn Waagen hat in England und Deutschland gleichlebhaftes Interesse erweckt.