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AUSFLUG NACH BELGIEN.
hatte. Dieses Modell ist nur eine Wiederholung der alten Bildsäule, aber sehr ausgezeichnetdurch seine Ausführung. Genöthigt, sich im Ganzen streng an sein Vorbild zu halten, hat erjedoch durch Alles, was er von dem Seinen hinzuthun durfte, nämlich die Modellierung unddas Charakteristische, ein grofses Talent bewährt. Der Kopf ist sehr schön, und hat einen,der Würde eines gescliichtlichen Denkmals durchaus entsprechenden Ausdruck. Das Werkist kolossal.
Nach unsern Bildhauern haben wir noch eines köstlichen Talentes zu erwähnen, obgleich essich nur mit kleinen Basreliefs und Statuetten beschäftigt; wir meinen GERHARD BUCKENS.Dieser Künstler machte seine ersten Studien auf der Akademie seiner Vaterstadt Antwerpen,und arbeitete zuerst als Goldschmied und mit dem Grabmcifsel. Einen mehrjährigen Aufent-halt in Deutschland und in Italien, in jenem Lande vornämlich, benutzte er zum Studium derMeisterstücke der alten Ciselirer. Als leidenschaftlicher Verehrer Benvenuto's und derjenigenMeister, welche die Pforten der Taufkapelle in Florenz ausmeifselten, so wie der AltdeutschenKunst, eignete er sich den Styl der unbefangenen Meister aus den letzten Jahren des Mittel-alters und aus der Zeit des Wiederaufblühens der Kunst mit grofsem Glücke an. Im Jahre1834 stellte er in Antwerpen mehrere Basreliefs aus, in denen jene Unbefangenheit, jener gott-selige Sinn und jenes innige Gefühl athmen, welche das schöne Eigenthum der Werke der-jenigen Meister sind, die er sich zum Muster genommen hat. Im Jahre 1835 ging er nachMünchen, wo ihm in der Königlichen Gicfserei die Ausmeifselung der dort gegofsenen Statuenübertragen ward. Einige Zeit nachher kehrte er heim nach Belgien, wo er gegenwärtig alsProfessor der Akademie in Lüttich angestellt ist. Im Jahre 1836 sandte er zur Ausstellungin Brüssel eine kleine Bronzestatue Jobanns Van Eyck, die bei weitem keine seiner besten Ar-beiten ist. Kürzlich aber hat er eine Statuette Carls V. vollendet, welche vom höchsten Ver-dienst ist, und eine Reihe von Compositionen, welche er die „Seeligkeiten" benannt hat.Diese letzteren sind von der Art seiner ersten Arbeiten, voll lieblicher Poesie und Anmuth;sie erinnern an die Kunstschöpfungen und den Styl der Deutschen Meister, vor allen AlbrcchtDürers, für den unser Künstler ganz begeistert ist.
Zum Schlufse dieser Nachrichten von den Belgischen Bildhauern unsrer Zeit, könnten wirvon ihnen dafselbe sagen, was wir von unsern Malern geschrieben haben: dafs in ihnen dieVerheifsung der schönsten Zukunft liegt, aber dafs einzig und allein mit Hülfe fleifsiger Stu-dien diese so reichen Keime zu einem herrlichen Baume aufblühen können. So wie unsrejunge Malerschule an Wappers, De Keyzer und Gallait treffliche Vorbilder hat, eben so besitztunsre junge Bildhauerschule ein solches an Wilhelm Geefs. Sie sind Künstler, deren Werkewir mit Stolz dem Auslande zeigen können.
Was unsern Bildnern im Allgemeinen noch abgeht, das ist die Erhebung, die Gröfse, derAdel, die Würde, die ihrer Kunst geziemen; mit Einem Worte, — der Styl*. Das Strebenund die Vorbilder, womit Geefs unseren jungen Künstlern voranleuchtet, werden dieselben injenen Beziehungen zur Vervollkommnung führen. Mehrere unter ihnen besitzen ausgezeich-nete Eigenschaften, zeichnen, entwerfen und modellieren gut. Gelingt ihnen nun auch nocheine strengere Auffassung der Form und des Charakters, so ist ihre Zukunft gesichert.
* Es freut mich, den Styl hier so ausgedrückt zu sehen.
Anmerkung des Verfafsers dieses Werkes.
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