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AUSFLUG NACH BELGIEN.
eine fast zu grofse Sparsamkeit, so dafs man dem Bilde vielleicht einige Trockenheit vorwer-fen könnte. Kein gesuchter Effect. Nichts als die strenge Einfachheit der Meister der Römi-schen Schule, und der fromme Sinn, auf welchen sie auch gerichtet waren, und den siestets so gut zu finden wüsten.
DE CAISNE ist einer von denjenigen Künstlern, deren unsere junge Malerkunst sich ammeisten rühmen darf. Durch die Kräftigkeit seines Colorits, ohne Übertreibung, schliefst er sichunsrer alten Schule an, deren Überlieferungen wir jetzo wieder ins Leben rufen. Durch seineZeichnung gehört er der Französischen, und durch den Gedanken, der Deutschen Schule an.
ANTON WIERTZ, geboren zu Dinant, im Jahre 1806. Den ersten Unterricht genofs er aufder Akademie in Antwerpen, und ging dann nach Paris, wo er die Italienischen Meister stu-dierte. Im Jahre 1830 gab er zur Ausstellung im Louvre: „Adam und Eva, in der Verban-nung aus dem Paradiese sich nach dem himmlischen Garten zurücksehnend", dieses Gemäldemit Italienischer Wahrheit gezeichnet und in Niederländischer Art gemalt, zeigt ein schönesGefühl und tiefen Ausdruck. Durch die Ereignisse des Jahres 1830 nach Belgien zurückge-führt, bewarb er sich im Jahre 1832 um den grofsen Römischen Preis der Akademie in Ant-werpen. Sein Bild: der „kranke Scipio empfängt und umarmt seinen ihm von den Gesand-ten des Antiochus zurückgegebenen Sohn", gewann den Sieg. Wiertz ging nun nach Rom,wo er seine Studien vollendete. Sein dort gemaltes grofses Bild: der „Kampf der Griechenund Trojaner um den Leichnam des Patroklus", ward von der St. Lukas-Akademie preiswür-dig erkannt und gekrönt. Nach der Heimkehr des Malers in sein Vaterland, sah man diesesGemälde im Jahre 1837 auf der Ausstellung in Antwerpen. Es sollte im vergangenen Früh-jahr im Louvre ausgestellt werden: die Absendung ward aber durch Umstände so verzögert,dafs es zur Eröffnung des Saales nicht in Paris eintreffen konnte. Es würde hier ohne Zwei-fel aus doppelten Gründen eine grofse Wirkung hervorgebracht haben: zuvörderst, wegen dervortrefflichen Arbeit selbst; und dann wegen der befremdlichen Auferstehung jener alten Grie-chen, die man seit David für völlig todt hielt, und welchen die Malerei des Mittelalters undder Wiedergeburt für immer den Eingang in das Gebiet der Kunst verschlossen zu habenschien. In der That haben diese Griechen auch nichts gemein mit denjenigen Griechen, anwelche David, und besonders seine Schüler und Nachahmer uns gewöhnt hatten. Es sindnicht antike, steif hingestellte, mit Fleischfarbe nach dem Leben überzogene Statuen: es sindwirklich lebendige Menschen, mit der Gesichtsbildung und der Bewegung lebendiger Men-schen. Die Köpfe tragen nicht immer und ewig die stehende Larve des rechten Profils, son-dern haben ein jeder seinen besondern und unterscheidenden Charakter, seinen eignen undeigenthümlichen Ausdruck. Wiertz hat drei Studienbücher vor sich: Homer, die Bibel und dieNatur. Er entnimmt seine Stoffe gern aus der heiligen Geschichte und aus dem Griechi-schen Alterthume, und stellt gern die grofsen Begebenheiten jener Urzeiten dar. Sein Styl iststreng, seine Auffassung erhaben, und stets trägt er uns auf den Schwingen seiner Gedanken.Nur durch sein Colorit gehört er einigermafsen der Niederländischen Schule an. Durch die Formgehört er vielmehr zur Florcntinischen Schule, deren Meistern er in dem Gliederbau und imMuskelspiele nachzuahmen strebt. In Hinsicht des Styls, befleifsigt er sich in der Malerei daszu sein, was Andre Chenier in der Litteratur durch seine altcrthümlichcn Gedichte war.
Dies sind nun die vorzüglichsten Belgischen Künstler unsrer Zeit, welche eigentliche Geschichts-maler sind, von denen aber mehrere zugleich das historische Genre und das eigentliche Genre malen.